Vermögensverwalter

Kleine Werte sind die Würze im Depot

Von Martin Hock
29.10.2018
, 15:31
Der  Pharma- und Laborzulieferer gehört zu den Favoriten von Vermögensverwalter Rolf Kieckebusch,
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Qualität ist Trumpf, wenn es bei Vermögensverwaltern um Wertpapiere geht. Das führt sie häufiger zu kleinen Werten. Gute Ideen im Anleihenbereich seien dagegen eher knapp.
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Große Werte bestimmen das Geschehen an der Börse. Doch es sind die kleinen, die in einem Portfolio den Unterschied machen können. Denn wer nur auf Standardwerte setzt, erhält in der Regel längerfristig nur die durchschnittliche Rendite des Aktienmarkts. Das ist einer der Gründe, warum viel private Vermögensverwalter auf Aktien kleinere Unternehmen setzen.

Rolf Kieckebusch, Vorstand der Kasseler Vermögensverwaltung Kirix möchte vor allem die Unternehmen kennen, in die er das Geld seiner Mandanten und des hauseigenen Fonds „Kirix Dynamic Plus“ investiert. „Ich möchte ein gutes Gefühl für die Führung des Unternehmens bekommen. Dafür brauche ich nicht nur einen einfachen Zugang zu Vorständen. Ich muss auch das Unternehmen besichtigen und mit einem Vorarbeiter sprechen können, um zu wissen, wie es läuft. Damit sind wir bisher selten auf die Nase gefallen.“ Das ist auch der Grund, warum der Fonds nur in den deutschsprachigen Ländern Europas investiert.

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Analyse statt Prognose

Kieckebuschs Ziel ist es, vor anderen Investoren unterbewertete Aktien zu finden und Unternehmen, die sich in besonderen Situationen befinden. Bisweilen heißt es da: geduldig sein. Aber da komme einem das geringe Volumen des Fonds von aktuell rund 25 Millionen Euro zugute.

Auf der Suche nach unterbewerten Unternehmen ist auch Björn Heissenberger. Der Schweizer nutzt ein quantitatives Modell, das sich am inneren Wert eines Unternehmens orientiert. Von den üblichen Prognosemodellen hält er nicht viel. „In komplexen Systemen wie dem Aktienmarkt sind genaue Prognosen unmöglich. Längerfristig führen kleine Irrtümer zu riesengroßen Unterschieden in der Bewertung. Weil sich aber viele danach richten, führt das zu Fehlbewertungen, die man sich als Anleger zunutze machen kann.“

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Heissenbergers Modell umfasst insgesamt 15 Faktoren: Eine hohe Marge, die in einem Abschwung Spielraum für Preissenkungen gibt oder eine niedrige Verschuldung als „Speckschicht“ für schlechte Zeiten gehören dazu. „Wichtig sind aber auch andere Faktoren wie positive Überraschungen oder die Analystenmeinung. Positive Überraschungen finden dort statt, wo die Gewinnrevisionen von Analysten steigen, Kurse stark positiv auf Quartalszahlen reagieren und die Analysten zumeist negativ eingestellt sind. Sehr positive Analystenmeinungen sind für eine Aktie eher schlecht, weil die Erwartungen zu hoch sind.“ Die Ergebnisse seines Ansatzes seien am ehesten mit der Entwicklung des S-Dax vergleichbar, sagte Heissenberger. Allerdings seien die auch von ihm geschätzten kleinen Aktien seit 2016 oft zu teuer geworden.

Der Banker ist nicht Dein Freund

Beide Vermögensverwalter haben in einer Großbank angefangen. Doch während Kieckebusch sich vor 18 Jahren von Kunden überzeugen ließ, selbständig zu werden, hat Heissenberger der UBS vor weniger als einem Jahr aus Enttäuschung den Rücken gekehrt. „Der Banker tut oft, als wäre er des Anlegers bester Freund, aber er ist doch nur ein Angestellter der Bank und verkauft ihm mitunter Dinge, die nicht in dessen Interesse sind.“ Das gelte auch für das „Wealth Management“-Geschäft. Erst ab einem Depot von etwa 30 Millionen Euro werde die Behandlung besser. Sehr kleine Vermögen sind aber auch bei Heissenberger nicht gefragt. Die Mindestsumme für ein Mandat beträgt eine Million Euro. Kirix bietet Mandate ab etwa 300.000 Euro an.

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Zwischen 2000 und 2017 habe sein Modell eine jährliche Durchschnittsrendite von mehr als 23 Prozent aufzuweisen, sagt Heissenberger. „Das waren je Jahr mehr als 15 Prozentpunkte mehr Rendite, als der amerikanische S&P-500-Index brachte.“ Für Kieckebusch sind die Nebenwerte die Würze im Depot. „Unser Hauptgeschäft ist die Vermögensverwaltung mit Einzeltiteln. Daran machen kleine Werte 5 bis 10 Prozent aus. Aber unser Fonds schneidet seit Auflage stets überdurchschnittlich ab und beeinflusst die Portfolio-Rendite sehr positiv.“ In diesem Jahr aber könnte das Rennen noch spannend werden. Mit einem Minus von rund 11 Prozent liegt der Fonds mit dem Dax in etwa gleich auf.

Bis zur Hälfte eines Portfolios steckt Kirix in Anleihen. Qualitätsanleihen, sagt Kieckebusch und hat zwei Empfehlungen: inflationsgebundene und Dollar-Anleihen. „Die tatsächliche Inflation ist höher als die statistische, die den Anleihen zugrunde liegt. Das macht sich in einer besseren Kursentwicklung bemerkbar.“ Und Dollar-Anleihen böten einfach höhere Zinsen. „Bei drei versus null Prozent habe ich über vier Jahre 12 Prozentpunkte Luft, um auch nach Wechselkursverlusten besser abzuschneiden.“

Ansonsten seien gute Ideen im Rentenbereich derzeit aber knapp. Auch Heissenberger setzt neben Aktien auf Qualitätsanleihen. „Ein Totalausfallrisiko im Anleihebereich zu nehmen, nur um einen Prozentpunkt mehr Rendite zu erhalten, ergibt für mich keinen Sinn. Aktienkurse dürfen schwanken, Anleihen sollten für Stabilität sorgen. Und lieber eine Aktie einer gesunden Firma , statt einer Anleihe eines ungesunden Unternehmens.“

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Gemeinsam die Ruhe bewahren

Grundlage der Strategie sei stets die bisherige Erfahrung und Kenntnis des Anlegers. „Im Gespräch versuche ich immer abzuschätzen, wie ein Kunde emotional auf einen Kurseinbruch reagieren würde. Bleibt er eher gelassen oder gerät er eher in Panik? Im Zweifel schlage ich lieber eine defensivere Strategie vor.

Eine Einstellung, die auch Kieckebusch teilt. „Wir sehen uns eher als Esel denn als Rennpferd. Wir sind nicht immer vorn mit dabei, dafür sind wir ausdauernd, geduldig und genügsam. Ich habe am Ende des Tages lieber zufriedene Kunden als eine goldgeränderte Bilanz.“ Nicht zuletzt, weil man zur Hälfte Kunden aus der Region habe und einen Ruf zu verlieren. Man müsse den Kunden immer gut erklären, was man tue und warum und - besonders wichtig – müsse man mit Ihnen die Ruhe bewahren und für die Kunden da sein. „Anleger brauchen einen Sparringspartner“, formuliert es Heissenberger. „Den bietet eine Bank nicht.“

Der Schweizer Heissenberger hat seine Kunden vor allem in Deutschland, auch wenn er dort aus regulatorischen Gründen keine Akquise betreibt. Grund sind persönliche Kontakte aus seiner Zeit bei der UBS. Danach gefragt, stellt er eines ganz klar: „Unversteuertes Geld ist in der Schweiz aufgrund des Informationsaustausches grundsätzlich nicht mehr. Und für mich ist das auch kein Thema.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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