Nachhaltige Investments

Commerz Real ändert umstrittene Werbung

Von Oliver Schmale
12.01.2022
, 13:15
Die zur Commerzbank-Gruppe gehörende Commerz Real befinden sich aktuell im Streit mit Verbraucherschützern vor dem Landgericht Stuttgart.
Die Klimafondsgesellschaft Commerz Real streitet vor Gericht mit Verbraucherschützern über Aussagen zur Klimaschutzwirkung ihrer Anlagen. Die vorherige Aussage würde „ganz konkrete Auswirkungen“ auf den eigenen CO2-Fußabdruck versprechen.
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Das Versprechen klingt gut, ist aber gar nicht so einfach umzusetzen: Geld verdienen und gleichzeitig das Klima schützen – so bewerben Banken und Fondsgesellschaften nachhaltige Anlagen. So auch die Fondsgesellschaft Commerz Real, die eigenen Angaben zufolge einst den ersten Impact-Fonds für Privatanleger mit dem Namen Klima Vest aufgelegt hat. Die Werbung für solche Fonds, die sich auf Umweltziele konzen­trieren, ist eine heikle Angelegenheit. Dass dem so ist, musste nun auch die zur Commerzbank-Gruppe gehörende Commerz Real erfahren, die inzwischen fast 600 Millionen Euro eingesammelt hat.

Vor dem Landgericht Stuttgart trafen sich die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und die Fondsgesellschaft wegen einst auf der Homepage getätigter umstrittener Aussagen. Laut der Verbraucherzentrale hatte der Anbieter die Geldanlage mit einem CO2-Rechner beworben, mit dem Interessenten anhand bestimmter Kategorien ihren angeblichen CO2-Fußabdruck berechnen können. In einem zweiten Schritt sollten sie dann ermitteln können, mit welchem Anlagebetrag sie ihren Kohlendioxid-Ausstoß ausgleichen können. Den Verbraucherschützern zufolge suggerierte dies auf irreführende Weise „ganz konkrete Auswirkungen“ der Anlageentscheidung auf den eigenen CO2-Fußabdruck. Tatsächlich seien die Abfragekriterien des Kohlendioxid-Rechners nicht geeignet, einen exakten CO2-Wert zu berechnen.

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Es kommt eben doch aufs Detail an

Vor diesem Hintergrund forderten die Verbraucherschützer eine Unterlassungserklärung von dem Fondsanbieter. Dieser lehnte sie ab. Im Prozess kam nun heraus, dass Commerz Real schon Ende Oktober 2021 die entsprechenden Passagen änderte. Deshalb sei der ursprünglich hergestellte direkte Zusammenhang zwischen der Investition in den Fonds und dem persönlichen CO2-Fußabdruck je nach gezeichneter Summe entfernt worden, hieß es von Seiten des Anbieters. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagte, die Werbeaussage sei ferner dahin gehend relativiert worden, dass eine Wirkung auf den persönlichen CO2-Fußabdruck nicht mehr ausdrücklich versprochen werde. „Dafür ist die Werbung nun noch schwammiger geworden“, kritisierte der Verbraucherschützer im Nachgang. Der Richter betonte in der mündlichen Verhandlung ausdrücklich, dass man bei umweltbezogenen Angaben genau und streng sein müsse. Eine Entscheidung soll Ende Januar verkündet werden.

Die Fondsgesellschaft Commerz Real hat die Gelder ihrer Kunden in Deutschland, Frankreich, Spanien und Skandinavien in Wind- und Solarparks investiert. Dabei kann es sich auch um bestehende Anlagen handeln. Das wird von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisch gesehen. Es sei problematisch, dann zu sagen, dies führe zu einer Vermeidung von Treibhausgasen. Dieser Argumentation der Verbraucherzentrale konnte das Gericht nicht ganz folgen. Der Richter sagte, es erwarte kein Anleger, dass der Fonds zum Generalunternehmer werde und die Anlagen auch selbst baue. In Zukunft will der Fonds aber verstärkt in neue Anlagen investieren, die dann vom Projektentwickler direkt übernommen werden, berichtete ein Sprecher.

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Eine gewisse Skepsis ist geboten

Im Unterschied zu herkömmlichen Nachhaltigkeitsfonds investiert der Klima Vest in Vermögenswerte, die einen messbaren und damit nachweisbaren Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes leisteten. Angestrebt wird eine Rendite von jährlich 3 bis 4 Prozent. Gezeichnet werden kann von 10.000 Euro an. Doch wie können Verbraucher sichergehen, dass nachhaltige Anlagen auch wirklich zu mehr Nachhaltigkeit führen, also für weniger Treibhausgase, sauberere Meere oder weniger Waffen sorgen? Die Wirtschaftswissenschaftler Marco Wilkens und Christian Klein kamen schon in einem im Januar 2021 veröffentlichten Gutachten für die Verbraucherzentralen zu dem Schluss, dass direkte Effekte über den Kapitalmarkt zwar möglich, aktuell aber kaum nachweisbar seien.

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„Angebote der Finanzindustrie, die mit einem direkten Beitrag ihrer Anlageprodukte zu bestimmten Nachhaltigkeitszielen werben und zugleich marktübliche Renditen versprechen, müssten demnach kritisch hinterfragt werden“, folgern die Verbraucherschützer. Deren Finanzfachmann Nauhauser betonte: „Nach unserer Auffassung sind Werbeversprechen mit Wirkungsaussagen auf die Umwelt stets durch den Anbieter nachvollziehbar und belastbar zu belegen. Dabei gilt es darzulegen, welche Klimawirkung der konkrete, individuelle Kauf einer Geldanlage hat. Pauschale Aussagen zur Klimawirkung sind für eine individuelle Entscheidung vollkommen irrelevant.“

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Quelle: F.A.Z.
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