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Wohin mit dem Geld?

Raucher sind schlechte Geldanleger

Von Dennis Kremer
 - 10:26
Raucher sind schlechte Geldanleger, sagt eine neue Studie.

Raucher, das müssen selbst überzeugte Nichtraucher eingestehen, haben es schwer. Nirgends lässt man sie noch ihrer Sucht frönen, nicht im Büro, nicht im Restaurant. Überdies steigen die Zigarettenpreise mit schöner Regelmäßigkeit, und dass die ganze Angelegenheit nicht gerade förderlich für die Gesundheit ist, weiß ja ohnehin jeder.

Angesichts dieser nicht gerade vorteilhaften Ausgangslage müssen alle Raucher unter den F.A.S.-Lesern jetzt ganz tapfer sein. Denn Charline Uhr, Steffen Meyer und Andreas Hackethal, drei Finanzwissenschaftler von der Frankfurter Goethe-Universität und der University of Southern Denmark, haben in einem spannenden, bislang unveröffentlichten Forschungspapier nachgewiesen:

Raucher sind zu allem Überfluss auch noch die schlechteren Geldanleger als Nichtraucher. Aber, und das ist die gute Nachricht, viele von ihnen gehen mit dieser Erkenntnis auf so intelligente Weise um, dass sie sich am Ende gar nicht so negativ in ihren Depots niederschlägt, wie man vermuten könnte.

Selbstverständlich ist zu betonen, dass es sich bei allen nun folgenden Resultaten stets um Durchschnittswerte handelt. Es kann also, überspitzt gesagt, durchaus Raucher geben, die Anlagegenies sind, und Nichtraucher, die mit ihren Anlageentscheidungen regelmäßig falsch liegen. Für ihre Untersuchung konnten die Forscher einen großen Datensatz von rund 20 000 Kunden einer Bank auswerten, was ihre Studie besonders macht: Denn so konnten sie auf echte Banktransaktionen der Kunden zurückgreifen und nicht, wie sonst üblich, auf Umfragen.

Mangel an Selbstkontrolle?

Welcher Zusammenhang soll nun zwischen Rauchen und Anlageentscheidungen bestehen? Auf den ersten Blick hat beides nichts miteinander zu tun, auf den zweiten Blick aber eine ganze Menge. Denn Rauchen ist nach Ansicht vieler Forscher Ausdruck eines gewissen Mangels an Selbstkontrolle. „Morgen höre ich auf“ oder „Diese Zigarette ist meine letzte“ sind Aussagen, an deren Umsetzung nicht wenige Raucher schon einmal gescheitert sein dürften.

Selbstkontrolle ist aber zugleich eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche persönliche Finanzplanung: Nur wer sich davor hütet, dauernd Aktien zu kaufen und wieder zu verkaufen, nur wer auf viele verschiedene Titel setzt und sein Depot gleichzeitig nicht ständig umkrempelt, hat nach Ansicht der Finanzwissenschaftler Aussicht auf langfristigen Anlageerfolg. Denn wer wenig handelt, spart sich die dafür anfallenden Gebühren und verkauft nicht zum Tiefstand, und wer ein Portfolio aus vielen Wertpapieren besitzt, ist weniger von den Schwankungen einzelner Aktien oder Anleihen abhängig (Diversifikation).

Daraus ergibt sich eine gemeine Frage: Führt mangelnde Selbstkontrolle auf einem Feld zwangsläufig auch zu mangelnder Selbstkontrolle auf einem anderen? Wenn Raucher sich schon beim Zigarettenkonsum nicht im Griff haben, könnte dies bei der Geldanlage ja ebenfalls gelten. Zugespitzt formuliert: Raucher schaffen es nicht, dem Auf und Ab der Kurse zu widerstehen, das Handeln an der Börse wird für sie zu einer ähnlichen Droge wie das Rauchen.

Raucher handeln mehr und impulsiver

Das Interessante an der Studie ist nun: Sie bestätigt zwar, dass Raucher ihr Geld im Schnitt schlechter anlegen als Nichtraucher. Raucher handeln mehr und impulsiver, sie haben weniger diversifizierte Portfolios und darum tendenziell weniger Anlageerfolg. Aber es ist keineswegs so, dass Raucher sich kampflos ihrem Schicksal ergeben würden. Im Gegenteil: Viele von ihnen umgehen das Problem, indem sie die Entscheidung über ihr Portfolio an jemand anderen delegieren – an einen Bankberater. Das erstaunt.

Denn spätestens seit den Tagen der Finanzkrise 2008 haben Bankberater in Deutschland einen schlechten Ruf, weil nicht wenige Berater ihren Kunden zuvor Zertifikate der Investmentbank Lehman Brothers empfohlen hatten, die nach der Pleite von Lehman ausfielen. Insofern führt die Untersuchung von Uhr, Meyer und Hackethal zu einer Rehabilitierung dieses Berufes: Den drei Forschern zufolge hilft der Berater dabei, möglichst wenig zu handeln und das zur Verfügung stehende Geld breit über viele Wertpapiere zu streuen.

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Am Ende steht ein besseres durchschnittliches Anlageergebnis mit geringeren Schwankungen als bei Rauchern, die ihr Portfolio selbständig betreuen. Diese positive Rolle der Bankberater ist umso überraschender, als es sich bei den in der Studie untersuchten Fällen nicht um Honorarberater, sondern um klassische Bankberater handelt. Solche Berater erhalten üblicherweise Provisionen, wenn sie ihren Kunden bestimmte Finanzprodukte verkaufen, was häufig kritisiert wird. So schlecht scheinen sie ihre Arbeit also doch nicht zu machen.

Nun könnte man einwenden, dass viele Raucher vielleicht gar nicht aus Wissen um die eigene Fehlbarkeit den Bankberater aufsuchen, sondern aus einem anderen Grund: weil sie gesellige Menschen sind und ihr Depot nicht nur allein von zu Hause aus betreuen wollen. Dies passt zu der Selbsteinschätzung vieler Raucher, die sich für kontaktfreudiger halten als Nichtraucher. Doch an dieser Stelle desillusioniert die Studie alle, die diesem Glauben anhängen:

Für eine generell höhere Geselligkeit von Rauchern gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Belege. Und was ist mit all denen, die dem Rauchen eines Tages mühsam entsagen? Schlägt sich diese Anstrengung dann wenigstens auch positiv im Portfolio nieder? Einen erfreulichen Effekt dieser Art konnten die Wissenschaftler in ihrer Studie nicht nachweisen – so sehr es allen neuen Nichtrauchern auch zu wünschen wäre.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kremer, Dennis
Dennis Kremer
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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