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Oldtimer als Geldanlage

Hohe Rendite mit Chrom und altem Blech

Von Oliver Schmale, Stuttgart
Aktualisiert am 28.03.2020
 - 20:57
Oldtimer-Messe in Stuttgart: Einige Männer reiferen Alters schauen besonders genau hin.
Die Nachfrage nach Oldtimern bleibt hoch: Anfang 2019 waren es in Deutschland 595.000. Eine beeindruckende Wertsteigerung bieten allerdings nur einige Autos.

Alt, aber glänzend: An dem roten Mercedes-Benz 300 SL, Baujahr 1955, bleiben am Stand der Bechtel Motorcompany GmbH vor allem Männer im reiferen Alter stehen. „Verkaufspreis auf Anfrage“ ist auf dem Informationsblatt mit den Fahrzeugdaten zu lesen. „Die Menschen kaufen Oldtimer vor allem aus Leidenschaft und nur vereinzelt als Geldanlage“, sagt Tim Bechtel, geschäftsführender Gesellschafter des in Böblingen bei Stuttgart beheimateten Unternehmens. Es betreibt seit 1972 Handel mit historischen Fahrzeugen und bietet zugleich den entsprechenden Service mit an. In Zeiten der niedrigen Zinsen seien Oldtimer sicherlich auch für den ein oder anderen als Wertanlage interessant. Die Nachfrage nach entsprechenden Fahrzeugen sei natürlich da.

Die Preise für Garagengold stabilisieren sich auf hohem Niveau. Da sind sich zahlreiche Händler auf der Messe Retro Classic in Stuttgart einig. Die Wertentwicklungen des vergangenen Jahres lägen noch nicht komplett vor, sagt Jens Berner, Oldtimer-Fachmann der Südwestbank. „Nach ersten Erkenntnissen hat sich hier jedoch die Konsolidierung weiter fortgesetzt. Aktuell gehen wir davon aus, dass sich die Preise der in unserem Index befindlichen Oldtimer kaum verändert haben.“ Die Wertentwicklung seit dem Jahr 2005 verlief bei den einzelnen Modellen des von dem Institut aufgelegten Index OTX sehr unterschiedlich. Während beispielsweise der nur 254-mal gebaute BMW 507 um über 800 Prozent zulegen konnte und auch einige Oldtimer der Porsche 911er-Reihe um 600 bis über 700 Prozent zulegten, gab es andere Fahrzeuge aus dem OTX-Index, welche eher bescheiden im Wert stiegen.

So lag die Wertentwicklung der BMW-Isetta 250 seit 2005 bei knapp 200 Prozent, während der Mercedes SL 230 (W113) nur um 120 Prozent zulegte, berichtet Berner weiter. Wichtig dabei ist aber immer Folgendes: Es handelt sich bei der Wertentwicklung um Durchschnittswerte, und im Einzelfall sind immer der Zustand und Besonderheiten und das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage über den Preis entscheidend.

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Grundsätzlich gilt: Je seltener ein Fahrzeug, desto wertvoller kann es werden. Anfang 2019 waren in Deutschland 595.000 Oldtimer, also Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhänger mit und ohne ein Historienkennzeichen zugelassen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt berichtet. Eine Zunahme um 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahlen dürften weiter steigen. Um das H-Kennzeichen zu bekommen, darf das Fahrzeug keine gravierenden Schäden haben und muss sich in einem guten und zugleich erhaltungswürdigen Zustand befinden. Ab 2020 können auch Modelle aus den frühen neunziger Jahren das H-Kennzeichen erhalten – wie zum Beispiel der Audi 100 C4, der Mercedes-Benz 500 E oder der BMW 3er E36, so die Gesellschaft für Technische Überwachung.

Dekra-Fachmann Andreas Lahne macht einen Trend zu den sogenannten Youngtimern aus, also Fahrzeugen, die noch kein H-Kennzeichen bekommen können. Ganz wichtig beim Kauf eines historischen Fahrzeugs, bei dem auf Wertzuwachs spekuliert wird, ist Folgendes: „Eine lückenlose Historie, Nachweise zu durchgeführten Restaurationen und der regelmäßig gepflegte Zustand geben Sicherheit für eine Wertbeständigkeit“, sagt Lahne. Bankexperte Berner meint, je nach Gesamtvermögen kann eine Beimischung von bis zu 15 Prozent des liquiden Vermögens als Oldtimer sinnvoll sein. In Frage kommen seiner Ansicht nach nur Fahrzeuge, die über 100.000 Euro kosten. „Das liegt daran, dass bei niedrigeren Fahrzeugpreisen die laufenden Kosten zu sehr ins Gewicht fallen. Viele Ausgaben für einem Oldtimer sind fix: Zum Beispiel die Kosten für ein H-Kennzeichen oder die Garagenmiete. Auch zu beachten ist, dass beispielsweise die Versicherungskosten unterproportional mit dem Fahrzeugwert steigen.“

„In der Regel keine laufenden Erträge“

Berner sagt, gerade für Käufer mit Renditeüberlegungen spielten die laufenden Kosten eine erhebliche Rolle. Er macht folgende Beispielrechnung anhand eines Mercedes 190 SL (W121) auf: Dieses Model habe zum Zeitpunkt der Berechnung in durchschnittlichem Zustand knapp 100.000 Euro gekostet. Bei vollständiger Berücksichtigung der Kosten – wie Wertgutachten, Steuer und Versicherung, Miete zur Unterbringung sowie Reparaturen und Ersatzteilen – kam er über einen Zeitraum von zehn Jahren auf rund 4000 Euro pro Jahr. Sprich 4 Prozent jährliche Kosten im Verhältnis zum damaligen Wert des Fahrzeuges. „Diese Kosten sind natürlich um ein Vielfaches höher als bei herkömmlichen Anlagen wie Aktien oder Anleihen. Weiter ist zu beachten, dass bei Oldtimern, ähnlich wie bei anderen alternativen Investments wie Gold, Wein oder Kunst, in der Regel keine laufenden Erträge erwirtschaftet werden.“

Das Fahrzeug sollte deshalb Exklusivität bieten, rät Berner. Interessant seien auch Sondereditionen eines Klassikers. „Ist das gewünschte Fahrzeug gefunden, so ist darauf zu achten, dass ein aktuelles Wertgutachten vorliegt. Dieses ist nicht nur für eine Beurteilung des Kaufpreises sowie einer angemessenen Versicherung des Fahrzeuges notwendig, sondern soll den Käufer auch vor etwaigen Fälschungen schützen.“ Und Dekra-Fachmann Lahne zieht den Vergleich zum Kauf eines Gebrauchtwagens: „Ohne fundierte Kenntnisse zu einer bestimmten Marke oder einem speziellen Fahrzeug ist ein Kauf von klassischen Fahrzeugen nicht zu empfehlen. Hier sollten Käufer sich auf die Unterstützung von Oldtimerexperten oder Sachverständigen einlassen. Der Aufwand dafür ist eine gute Investition für einen guten Kauf ohne nachträglich auftretende Überraschungen.“

Fahrverbote müssen die Eigentümer der Oldtimer in Deutschland meist nicht befürchten. Lahne erklärt: „Fahrzeuge mit H-Kennzeichen dürfen aktuell mit einer generellen Ausnahmegenehmigung grundsätzlich in Umweltzonen einfahren – auch weil davon ausgegangen wird, dass die Fahrzeuge nicht täglich bewegt werden.“ Doch könnten Kommunen unabhängig davon Fahrverbote ohne Ausnahmegenehmigung verhängen.

Quelle: F.A.Z.
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