Abgabe von 5 Prozent

Deutsche-Bank-Stratege fordert Steuer auf Homeoffice

Von Martin Hock
12.11.2020
, 13:06
Homoffice ist nicht für jeden ein Fluch. Wer die Vorteile genießen könne, solle eine Abgabe entrichten, schreibt ein Stratege der Deutschen Bank. Zugute kommen soll diese den weniger Glücklichen.

Die Corona-Pandemie hat viele Arbeitnehmer zumindest zeitweilig ins Homeoffice verbannt. Nicht jeder fühlt sich damit unwohl. Geht es nach Strategen der Deutschen Bank, sollen sie für diesen Gewinn künftig zahlen. „Diejenigen, die von zuhause aus arbeiten können, erhalten direkte und indirekte finanzielle Vorteile und sollten besteuert werden, um den Übergang für diejenigen glatter zu gestalten, die plötzlich herausgerissen wurden“, schreibt Stratege Luke Templeman in einer Denkschrift.

Er schlägt eine Abgabe in Höhe von 5 Prozent für freiwillig im Homeoffice Arbeitende vor. Eine solche Maßnahme könnte in den Vereinigte Staaten jährlich 48 Milliarden Dollar und in Deutschland rund 16 Milliarden Euro einbringen. Damit könnten Subventionen für Niedrigverdiener und unverzichtbare Arbeitnehmer finanziert werden, die nicht in der Lage seien, im Homeoffice zu arbeiten.

Das Arbeiten von zuhause aus sei schon vor der Pandemie zunehmend populärer geworden. Das Internet habe in Amerika zwischen 2005 und 2018 einen Anstieg der regelmäßigen Heimarbeit um 173 Prozent ermöglicht, auch wenn es sich immer noch um nur 5,4 Prozent der Erwerbstätigen gehandelt habe. Die Pandemie habe als „Turbolader“ gewirkt und diesen Anteil auf 56 Prozent hochgetrieben. In Großbritannien sei der Anteil um das Siebenfache auf 47 Prozent gestiegen.

Viele davon würden das auch künftig tun, schließlich hätten zwei Drittel aller Organisationen geäußert, dass mindesten drei Viertel ihres Personals effektiv von zuhause aus arbeiten könne. Eine eigene Erhebung zeige, dass mehr als die Hälfte derjenigen, die das Homeoffice nun hätten ausprobieren müssen, künftig weiter zwei bis drei Tage von zuhause aus arbeiten wolle.

Einsparungen überwiegen Kosten

Diese Fernarbeiter trügen weniger zur Infrastruktur bei als sie daraus Nutzen zögen. Das sei ein großes Problem, da diese über Jahrhunderte für eine zentralisierte Arbeitstätigkeit aufgebaut worden sei. Wenn nun ein großer Teil dieser Vermögenswerte nicht genutzt werde, werde die wirtschaftlich Malaise verlängert.

Homeoffice bringe Einsparungen bei Transport, Ernährung, Kleidung und Reinigung. Dazu kämen indirekte Einsparungen durch sozial bedingte Ausgaben und immaterielle Vorteile wie eine größere Arbeitsplatz- und persönliche Sicherheit, Bequemlichkeit und Flexibilität Diese Werte seien größer als die damit verbundenen Kosten, wie die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kindererziehung und einer ungünstigeren Arbeitsplatzausstattung.

Die Abgabe sollte dann vom Arbeitgeber bezahlt werden, wenn dieser den Heimarbeiter nicht mit einem ständigen Heimarbeitsplatz ausstatte. Für die Vereinigten Staaten entspreche ein Steuersatz von 5 Prozent für die derzeitigen Heimarbeiter einer Abgabe von 10 Dollar je Arbeitstag. Das entspreche im Groben den Ausgaben für Fahrten zur Arbeit, Essen und anderen damit verbundenen Ausgaben, so dass diese nicht schlechter gestellt würden. In Großbritannien entspreche dies 7 Pfund und in Deutschland 7,50 Euro.

Prämie für Geringverdiener

Für die Unternehmen könnten die Vorteile dennoch überwiegen, schreibt Templeman. In Deutschland ließe sich mit dem Steueraufkommen eine Prämie von 1500 Euro an die 12 Prozent der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen finanzieren. Viele davon gehörten zu denjenigen, von denen man annehme, dass sie während der Pandemie den größten Gesundheitsrisiken ausgesetzt seien und die wesentlich wichtiger seien als ihr Lohnniveau suggeriere.

Dem Argument, dass niemand für seine persönliche Entscheidung bestraft werden solle, hält Templeman entgegen, dass die Besteuerung stets an soziale Entwicklungen angepasst worden sei. So sei eine Einkommensteuer auch lange Zeit nicht durchsetzbar gewesen. Die Gesellschaft bewege sich in Richtung der „menschlichen Entkopplung“ und damit müsse sich auch das Steuersystem verändern. Eine Homeoffice-Steuer subventioniere zudem auch Unternehmen nicht, die keine langfristige Zukunft hätten. Wenn ein Laden für belegte Brote in der Innenstadt nicht mehr gebraucht werde, sei es auch mittelfristig nicht sinnvoll, ihn staatlich zu stützen.

Es sei aber sinnvoll, Menschen zu unterstützen die aus ihrer gewohnten Umgebung von Kräften herausgerissen worden seien, die jenseits ihrer Einflussnahme lägen. Viele müssten gering bezahlte Arbeit annehmen, derweil sie umlernen und herausfinden müssten, wie es weitergehen soll. Diejenigen, die das Glück hätten, sich von der zentralisierten Gesellschaft entkoppeln zu können, schuldeten es denen, denen es nicht vergönnt sei.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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