FAZ plus ArtikelWirtschaftsbildung an Schulen

Altersvorsorge? Ganz weit weg!

Von Inken Schönauer
Aktualisiert am 20.09.2020
 - 08:57
In jungen Jahren legen Kinder ihr Taschengeld gerne in Eis an. Später ist Eis für Erwachsene immer noch eine Verführung, spielt aber eher eine Nebenrolle in der Geldanlage.
Die Rente ist ganz und gar nicht mehr sicher. Deswegen raten alle zur privaten Vorsorge über die lange Strecke. Wenn Kinder und Jugendliche aber nicht an dieses Thema herangeführt werden, dann wird das nichts.

Meret ist 14 Jahre alt. Pferde, Handy, Fußball. Das Mädchen, das in die 9. Klasse eines Kölner Gymnasiums geht, hat gute Noten und wenn alles so läuft wie sie sich das vorstellt, dann wird sie 2024 Abitur machen, ein Studium beginnen und 2030 einen Job anfangen. Welchen, das weiß sie noch nicht. Pilotin oder etwas mit Medizin wird es jedenfalls nicht, sagt die 14-Jährige. Wer könnte das auch jetzt schon sicher prognostizieren? Niemand wird auch heute verlässlich sagen können, wie lange Meret arbeiten muss bis sie das Rentenalter erreicht haben wird. Gelten die Regeln von heute, dann wird sie das Rentenalter mit 67 Jahren also im Jahr 2073 erreicht haben. Vielleicht muss sie auch arbeiten bis sie 70 Jahre alt ist. Wer weiß, ob es dann noch eine staatliche Rente gibt? Vielleicht nur noch ein Sockel, den es zwangsläufig aufzustocken gilt. „Die Rente ist sicher“, diesen Satz hatte der im April verstorbene Bundesarbeitsminister Norbert Blüm in den 80er Jahren geprägt. Gut vierzig Jahre später ist wohl eher das Gegenteil richtig.

Was weiß Meret über die Themen Altersvorsorge oder Vermögensaufbau? Auf Youtube gebe es immer so eine Werbung, die ihr auffalle. Ansonsten wenig. Und in der Schule? Ein Extra-Schulfach Wirtschaft hat sie jedenfalls nicht – obwohl das in Nordrhein-Westfalen seit dem Schuljahr 2020/21 eigentlich vorgeschrieben ist. Vielleicht eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft am Nachmittag mit Börsenspielen? „Nein, da gibt es nur eine Theatergruppe und so etwas Normales.“ Aktien? Ein Freund habe darüber schon mal etwas erzählt. Aber auch nicht viel. Würde sie gerne mehr darüber erfahren. „Klar, ist doch interessant.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schönauer, Inken
Inken Schönauer
Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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