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Studie zur Altersvorsorge

Berufsunfähigkeit und Rente zu trennen kann Geld kosten

Von Philipp Krohn
09.12.2020
, 12:14
Psychische Erkrankungen sind häufig die Ursache einer Berufsunfähigkeit. Bild: dpa
Verbraucherschützer raten dazu, die Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit getrennt abzusichern. Das sei flexibler und führe zu besseren Renditen. Eine Untersuchung eines Fach-Instituts widerlegt zumindest eine der Thesen.
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Die Arbeitskraft abzusichern, finden Verbraucherschützer und Finanzberater gleichermaßen wichtig. Wie das geschehen soll, sehen beide Seiten dagegen ganz anders: Verbraucherzentralen raten dazu, zunächst eine selbständige Berufsunfähigkeitspolice zu erwerben und anschließend das weitere verfügbare Geld in günstige Investmentfonds zu stecken. Finanzberater dagegen tendieren zu einer gekoppelten Rentenpolice mit eingebautem Berufsunfähigkeitsschutz. Der Finanzvermittler MLP hat nun das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm gebeten, den Streit wissenschaftlich zu fundieren.

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Das Ergebnis ist nicht eindeutig, aber für die Anhänger der Koppelprodukte aufmunternd: „Eine pauschale Ablehnung der Basisrente mit Berufsunfähigkeitsversicherung verbietet sich somit genauso wie eine pauschale Aussage, dass diese Variante immer die bessere Wahl sei“, schreiben die Autoren Sandra Blome, Jochen Ruß und Andreas Seyboth als Fazit.

Ihre Argumentation: Eine Basisrente habe umso größere Vorteile, je stärker der individuelle Steuersatz in der Rentenphase vom aktuellen abweiche. Wähle man denselben Fonds mit identischer Rendite aus, überwiegen ihrer Rechnung an vier Musterfällen zufolge die Steuervorteile immer die Kostennachteile gegenüber der separaten Lösung. Für Verbraucher, die in der Rentenphase einen niedrigeren Steuersatz als heute annehmen können, sei das Kombinationsprodukt günstiger. Bei ähnlich hohen Steuersätzen heute und im Rentenalter seien beide ähnlich gut.

Keine finanziellen Vorteile für getrennte Policen

„Eine klare Vorteilhaftigkeit der Variante Fondssparplan mit selbständiger Berufsunfähigkeitsversicherung tritt in keinem der betrachteten Fälle auf“, schreiben die Autoren. Der Ertragsanteil in der Besteuerung ist abhängig vom Alter des Ruheständlers. Dagegen stehe der Vorteil, dass die separate Lösung flexibler ist. Die Verträge könnten bei Bedarf also auch getrennt voneinander gekündigt werden.

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Das ist für jene Verbraucherschützer ein wichtiges Argument, die Kunden beraten, die in jungen Jahren zu kostspielige Verträge abgeschlossen und keinen finanziellen Spielraum mehr haben. Etwa wenn sie eine Familie gründen und ein Haus bauen, kann das zur Herausforderung werden. Die Studienautoren raten zu einer individuellen Beratung durch fachkundige Experten. „Der Vorteil hängt stark von der individuellen Situation des einzelnen Verbrauchers (Steuersatz, Fondsauswahl, etc.) und der konkreten Auswahl der zugrunde liegenden Produkte ab und kann für manche Verbraucher ein gutes Argument darstellen, die geringere Flexibilität einer Basisrente in Kauf zu nehmen“, schreiben sie.

Die Wissenschaftler verweisen auf die Wechseloption in modernen Verträgen, die es erlaubt, bei Kündigung in eine selbständige Police gegen Berufsunfähigkeit zu wechseln. Überdies sei die Absicherung über eine selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung oft teurer als über das Kombinationsprodukt. „Pauschale Ablehnungen gekoppelter Lösungen sind nicht haltbar – das zeigen die Berechnungen des Ifa-Instituts“, sagt Manfred Bauer, Produktvorstand beim Berater MLP.

Trotz der neuen Studie hält Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg dagegen. „Die Ergebnisse sind unter der Prämisse zu sehen, dass Verbraucher den Vertrag bis zum Ende durchhalten können“, sagt sie. „Aber Lebenssituationen ändern sich.“ Priorität müsse die Arbeitskraftabsicherung haben. Sie findet, die Prioritätensetzung der Studie – eine gleiche Rendite in der Altersvorsorge zu erwirtschaften – könne in die falsche Richtung führen. „Wir raten, die Steuerersparnis nicht in den Vordergrund zu stellen“, sagt sie.

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Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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