Digitales Start-up

One heißt künftig Wefox Insurance

Von Philipp Krohn
11.03.2021
, 14:39
Der digitale Versicherer wächst und trennt sich von unprofitablem Geschäft. Künftig wird er näher an das Schwesterunternehmen Wefox heranwachsen. Ziel ist es, die Police der Zukunft zu entwickeln, die das Risiko individualisiert.

Der digitale Schadenversicherer One ist im vergangenen Jahr dem Start-up-Status entwachsen und will trotz dieses Erfolgs künftig unter neuem Namen firmieren. Dabei wird das Liechtensteiner Insurtech seine Markenidentität nicht aufgeben, sondern unter dem Namen seines Berliner Schwesterunternehmens auftreten. Von dieser Woche an wird das Unternehmen also als Wefox Insurance an den Markt gehen.

„Wefox ist etabliert und beliebt bei Investoren“, sagte Marketingvorstand Alexander Huber der F.A.Z. „Unter einem einheitlichen Namen wird es für uns einfacher im Vertrieb und im Fundraising.“ Wefox zählt zu den bestdotierten europäischen Insurtech-Unternehmen, also jungen Versicherungsunternehmen, die ihr Geschäft mit Hilfe digitaler Technologie machen.

Der Schritt erfolgt nach einem starken Wachstum in den vergangenen Jahren. Im Pandemie-Jahr 2020 konnte One seine Beitragseinnahmen von 5,6 auf 34 Millionen Euro steigern. Inzwischen verfügen 300 000 One-Kunden über 500 000 Policen. Dabei hat der Versicherer diesmal auf unprofitables Geschäft verzichtet, das dazu dient, die Wachstumsrate zu steigern. „In der ersten Saison haben wir viel Geschäft über Vergleichsportale geschrieben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Oliver Lang. „Die Preise waren mit zu hohen Schadenquoten nicht auskömmlich. Das haben wir durch die notwendigen Preiserhöhungen im letzten Jahr gelöst.“

Wachstum ging zum Teil auf Kosten der Profitabilität

Wie auch andere Insurtechs hat One in den ersten Jahren auf schnelles Wachstum gesetzt. Einige dieser Marketingaktionen haben sich als nicht zukunftsträchtig herausgestellt. Ein Beispiel dafür sind Policen, die über Gutscheinforen verkauft wurden. „So erhält man natürlich das falsche Portfolio“, stellt Huber fest. Das rasante Wachstum von Wettbewerbern wie Lemonade, der in den Vereinigten Staaten vor dem Börsengang steht, strebe One nicht an.

Aus Gesprächen mit Investoren wisse man, dass man nicht in dieser Kategorie unterwegs sei, sagte Lang. „Es gibt aber im Insurtech-Segment wenige Möglichkeiten für Investoren, die ein profitables Wachstum, aber nicht unbedingt eine Verzwanzigfachung des Unternehmenswerts erwarten“, sagte er.

Hingegen habe sich eine Grundentscheidung von Wefox, dem Maklerservicearm des Unternehmens, und One als erfolgreich herausgestellt: Sie haben über physische Vermittler verkauft. Lemonade dagegen konnte trotz einer Kooperation mit dem potenten Axa-Konzern in Deutschland noch nicht Fuß fassen. „Das One-Modell ist besser für Deutschland und Europa geeignet“, sagte Lang. Im Direktgeschäft ohne Vermittler sei der Wettbewerb mit Akteuren wie der Huk-Coburg und der Cosmos sehr hoch, es mache aber weiterhin nur etwa 10 Prozent des Versicherungsmarktes aus. Lang macht daraus eine Philosophie: „Keiner sollte Versicherung ohne Beratung abschließen.“

Wefox will die Police der Zukunft entwickeln, die alle Lebensrisiken abdeckt

Gemeinsam mit dem Wefox-Entwicklungsteam haben die One-Manager ehrgeizige Ziele. 550 Mitarbeiter bei Wefox und 50 bei One zählen die Schwesterunternehmen. Mit Hilfe von Daten wollen sie neu denken. „Versicherung ist eine Serie von Wenn-dann-Entscheidungen“, sagte Lang. „Sie ist total einfach zu digitalisieren. In der Interaktion zum Kunden liegt die Wahrheit.“ Er wolle zunächst eine Beratung über einen Alexa-Skill anbieten, am Ende der Entwicklung solle eine One-Police stehen, die alle Lebensrisiken abdeckt.

Anders als bisher solle der Versicherer nicht vorab und für alle Kunden definieren, was ein Schaden ist. „Das ist eine Quelle der Unzufriedenheit des Kunden, wir müssen es anders herum machen: Was definiert der Kunde als Schaden? Das bezahlen wir dann. Unsere Aufgabe ist es zu erkennen, was für ein Typ man ist und wie man bepreist werden muss.“

Um dahinzukommen, könnten verschiedenste Daten mit Kunden-Einverständnis genutzt werden. „2023 wollen wir mit einem Minimum Viable Product auf den Markt kommen, in dem wir eine Person versichern und nicht das Einzelrisiko“, sagte er. Vorher stehen noch der Markteintritt in Polen und der Schweiz sowie der Start der Krankenzusatz- und der Lebensversicherung an, der wegen Corona verschoben wurde.

Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot