FAZ plus ArtikelReform der Altersvorsorge

Die Quadratur des Kreises

Von Philipp Krohn
26.06.2019
, 17:06
Die deutsche Altersvorsorge gilt als komplex, stark reguliert und nicht immer logisch. Anlagen mit negativen Zinsen werfen nicht genug ab. Doch die Deutschen wollen nicht auf Garantien verzichten. Versicherer suchen deshalb nach Kompromissen.

Die deutsche Altersvorsorge im Jahr 2019 ist: umstritten, komplex, stark reguliert, schlecht verzinst, vielfältig, nicht einfach, nicht standardisiert und nicht immer logisch. Die Bundesregierung will daran etwas ändern, die Verbraucherschützer mischen kräftig mit. In diesem Umfeld bemüht sich die Deutsche Aktuarvereinigung, als Stimme der (mathematischen) Vernunft wahrgenommen zu werden. Die Interessenvertretung der deutschen Versicherungsmathematiker bringt sich ein, wenn es darum geht, wie Märkte reguliert werden, wie Produkte gestaltet sein sollen und welche mittelfristigen Auswirkungen Instrumente wie die Zinszusatzreserve der Lebensversicherer haben.

Die Aktuare sind natürlich nicht neutral, sondern oft Angestellte von Unternehmen der Branche – und sie tragen dazu bei, die Komplexität der Altersvorsorge zu steigern. „Wir Aktuare entwickeln eine Vielfalt an Altersvorsorgelösungen und sehen den Bedarf nach modernen Produkten“, sagt Guido Bader, seit April Vorstandsvorsitzender der DAV. Aber mit dem Niedrigzins, der Rendite kostet, lassen sich die Rentenlücken nicht mehr schließen. „Es ist wichtig, dass es Fortschritt gibt, weil wir mit den alten Produkten von vor zwanzig Jahren nicht mehr weiterkommen“, sagt Bader. Als Designer von Altersvorsorgeprodukten müssten sie darauf achten, dass deutsche Kunden auf Garantien nicht verzichten wollen, die Produkte aber einen höheren Aktienanteil haben müssten. „Eine Welt im Wandel führt zu Komplexität, in der Produktanbieter versuchen, sich zu differenzieren – wie in anderen Branchen auch, zum Beispiel Handyanbieter“, sagt Bader. Auch die gesetzliche Rente mit ihren komplizierten Formeln verstünden die meisten Bürger nicht bis ins Detail.

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Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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