Wohnungsmarkt

Studenten zahlen in Berlin deutlich mehr Miete

Von Gregor Brunner
22.09.2021
, 10:13
Auch nach einer leichten Entspannung am studentischen Wohnungsmarkt während der Pandemie sollten Wohnungssuchende nicht zu optimistisch sein.
Viel benötigen Studenten nicht zum Wohnen. Aber selbst Zimmer mit Mindestausstattung werden in den meisten deutschen Städten teurer.
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Schreibtisch, Bett, Kleiderschrank, Nasszelle und vielleicht noch eine Küchenzeile stellen die Grundausstattung einer Bleibe für eine Vielzahl frischgebackener Studienanfänger dar. Ebenso wie einen Hörsaal betraten diesen ersten Raum des unabhängigen Lebens während der Pandemie nur die wenigsten Studenten. Knapp 419 .000 Studienanfänger gab es im Wintersemester 2020/21, etwa 10 .000 weniger als im Jahr zuvor. Viele von ihnen waren durch die Lockdowns entweder gezwungen oder zogen es vor, bei ihren Eltern zu bleiben und die Anfänge des Studiums vom heimischen Schreibtisch aus zu bestreiten.

Die gesunkene Dynamik, auch bei älteren Semestern, führte zu einer leichten Entspannung des studentischen Wohnmarktes. In ihrem Studentenwohnreport 2021, der der F.A.Z. vorab vorlag, berechnet die MLP Finanzberatung einen durchschnittlichen Anstieg der Mietpreise für kleine Wohnungen an 30 untersuchten Hochschulstandorten um 1,8 Prozent. Damit stiegen die Mieten im betrachteten Zeitraum vom Endes des ersten Halbjahres 2020 bis zum ersten Halbjahr 2021 zwar stärker als im Vorjahreszeitraum (0,5 Prozent), aber weniger stark als die allgemeine Entwicklung am Immobilienmarkt. Dort stiegen die Mietpreise in der ersten Jahreshälfte 2019 um rund 2,5 Prozent.

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Die leichte Preissteigerung bei Studentenwohnungen begründet MLP mit der höheren Konkurrenz. Auch für junge Erwerbstätige, Fernpendler und Alleinstehende sind die kleinen Wohnungen weiterhin attraktiv. Dagegen verteuerten sich WG-Zimmer, die fast ausschließlich von Studenten nachgefragt werden, im Vergleichszeitraum nur um 0,9 Prozent.

Weniger Wohnungen für Studenten in Berlin

Angebot und Nachfrage bestimmen auch im studentischen Wohnen weitestgehend die Preisentwicklungen. Und so zeigt sich, dass Städte, in denen sich das Wohnraumangebot vergrößert hatte, auch eine Stagnation oder gar eine Verringerung der Mietpreise verzeichnen konnten. Eine Zunahme der Angebote je Student im Wintersemester 2020/21 von nahezu 60 Prozent trug in Stuttgart zu einer Preisminderung von 2,6 Prozent bei.

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In München kamen auf 100 Studenten 43 Wohnungen oder Zimmer hinzu. Hier stiegen die Preise um 0,1 Prozent. Für Berlin, dessen Mietendeckel Ende Januar 2020 beschlossen und Ende März 2021 vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, war im Betrachtungszeitraum eine Verknappung des studentischen Wohnraums um 15 Prozent und eine Mietensteigerung von 5,4 Prozent zu verzeichnen.

Selbst wenn in manchen Städten die Mietpreise leicht sanken, warnt MLP vor zu viel Optimismus. Die mittleren Angebotsmieten befinden sich vielfach in so hohen Bereichen, dass Studenten, die sich oftmals in prekären finanziellen Verhältnissen befinden, weiterhin Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben dürften. Erschwerend kommen Einkommenseinbußen geringfügig Beschäftigter und damit oft Studenten hinzu. Die Lockdowns betrafen vermehrt Branchen wie Gastronomie und Tourismus, in denen Studenten sich häufig ein Zubrot verdienen. Bereits für 2019 zeigte sich Daten von MLP zufolge eine Einkommensminderung im Mittel sowie für einkommensschwache Studenten. Lockdowns dürften diese Entwicklung noch verschärft haben.

Diese Probleme werden im Wahlkampf bisher wenig aufgegriffen. Umstrittene Werkzeuge der Mietpreisregulierung haben am Beispiel Berlin gezeigt, dass sie das Angebot an Wohnraum für Studenten verknappen. Dennoch fordern SPD, Grüne und Linke stärkere Eingriffe in den Markt, während Union und FDP für mehr Neubau werben. Einigkeit besteht bei der Reform des BAföG und der damit verbundenen Zuschüsse, sollte der Bezieher nicht mehr zu Hause wohnen. Während sich die meisten Diskussionspunkte um eine Neuordnung der Kriterien für den Bezug sowie die Ausgestaltung als Kredit oder Zuschuss drehen, sprechen einzig die Grünen von einem einkommensabhängigen Bedarfszuschuss, der auch Wohnkosten berücksichtigt. Ein solcher würde den großen Unterschieden der Mietpreise in verschiedenen Städten Rechnung tragen, kommentiert MLP.

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Quelle: brn.
Autorenporträt / Brunner, Gregor
Gregor Brunner
Redakteur in der Wirtschaft.
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