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Zu sicher

Wenn die Kreditkarte versagt

Von Dennis Kremer
 - 13:56

Der geneigte Leser möge sich folgende Situation vorstellen: eine Insel im Indischen Ozean, zum Beispiel das indonesische Bali. Das Wetter dort unten ist fast immer schön, und das Meer ist blau. Ein Urlaubstraum. Unangenehm wird die Sache nur, wenn – wie vor einigen Wochen geschehen – der Vulkan der Insel, Mount Agung mit Namen, auf einmal ins Brodeln gerät. Dann werden die Flughäfen auf Bali und den angrenzenden Inseln geschlossen, und das eigene Rückflugticket ist nichts mehr wert.

Wir wollen uns an dieser Stelle nicht beschweren, schließlich spielt die ganze Angelegenheit gewissermaßen im Paradies. Aber irgendwann muss man nun mal nach Hause, und dafür sind in diesem Fall neue Rückflugtickets nötig. Wie gut, dass zwei Kreditkarten zur festen Reise-Ausstattung gehören, eine von Mastercard und eine von Visa. Sicher ist sicher. Als die Flughäfen wieder öffnen, geht der Versuch, sich auf die Schnelle im Internet neue Flugtickets zu kaufen, trotzdem schief. Dabei ist die Internetverbindung auf indonesischen Inseln fabelhaft, selbst in den billigsten Absteigen gibt es dort W-Lan.

Entscheidung der Unternehmen

Die Sache scheitert aus ganz anderem Grund – wegen der Kreditkarten. Die Mastercard-Kreditkarte leitet nach Eingabe aller Daten eine überraschende zusätzliche Überprüfung mit Namen „Mastercard Secure Code“ ein, die ohne Erfolg abbricht. Und die Visa-Kreditkarte macht das Gleiche unter dem Namen „Verified by Visa“. Auch diese Abfrage bricht ab. Keine Fluggesellschaft der Welt stellt unter solchen Umständen neue Tickets aus. Ein blödes Gefühl. Wozu hat man denn Kreditkarten?

Klingt nach einer konstruierten Geschichte? Mag sein, aber genauso war es. Das Problem mit der zusätzlichen Sicherheitsabfrage könnte in Zukunft auf deutlich mehr Menschen zukommen. Auch wenn es die Verfahren „Secure Code“ und „Verified by Visa“ schon seit einigen Jahren gibt, bestätigen beide Kreditkartenunternehmen, dass diese Verfahren in immer größerem Umfang eingesetzt werden. Und zwar nicht nur bei Flugbuchungen. Sondern bei allen Arten von Online-Einkäufen. Ein Viertel aller Online-Käufe mit Visa-Kreditkarten weltweit läuft bereits über „Verified by Visa“, Mastercard gibt keine genauen Zahlen heraus.

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An dieser Stelle ist es sinnvoll, sich mit den Details der Sicherheitsabfragen vertraut zu machen. Sie unterscheiden sich bei beiden Kreditkartenanbietern kaum voneinander. Zunächst ist es wichtig zu wissen: Ob die zusätzliche Sicherheitsabfrage erfolgt oder nicht, entscheiden weder Mastercard noch Visa, sondern allein die Unternehmen, die ihre Waren und Dienstleistungen online anbieten, also zum Beispiel Fluggesellschaften. Die Abfrage kann in der Regel auf zwei Arten erfolgen. Zum einen kann es sein, dass der Kreditkartenbesitzer nach Eingabe seiner Kartendaten aufgefordert wird, die Transaktion mit einer Tan-Nummer abzuschließen, die ihm per SMS aufs Handy geschickt wird.

Zum anderen kann es sein, dass man über eine spezielle App der eigenen Bank eine Mitteilung erhält, man solle die Transaktion durch Eingabe einer Pin-Nummer bestätigen. Für das jeweilige Verfahren muss man sich vor der ersten Anwendung bei seiner Bank registrieren, in der Regel fordert die Bank dazu per Brief auf.

Glückliches Ende in Indonesien

Beide Verfahren gelten als absolut sicher. Sie helfen, „die Betrugswahrscheinlichkeit drastisch zu reduzieren“, wie die Kreditkartenunternehmen glaubhaft versichern. Allerdings weist insbesondere das App-Verfahren für alle Normalsterblichen, die sich Zahlen eher schlecht merken können, eine zusätzliche Schwierigkeit auf: Die Pin zur Bestätigung der Transaktion ist nicht etwa die Pin, mit der man hin und wieder Kreditkartenzahlungen im Restaurant oder anderswo in der realen Welt bestätigen muss. Es geht dabei auch nicht um die dreistellige Prüfziffer, die üblicherweise auf der Rückseite der Kreditkarte aufgedruckt ist. Nein, es handelt sich um eine neue Pin, die nur für Online-Käufe vergeben wird.

Und jetzt kommt das wahrhaft Perfide: Viele Firmen setzen den „Secure Code“ oder das „Verified by Visa“-Verfahren nicht bei jedem Online-Einkauf ein, sondern nur stichprobenartig. Das heißt: Man wird ganz schön davon überrascht, wenn die Pin auf einmal abgefragt wird, und hat sie möglicherweise längst wieder vergessen, bevor sie erstmals zum Einsatz kommt. Unangenehm wird es auch, wenn man das Handy gerade nicht zur Hand hat (was zugegebenermaßen heutzutage nur noch selten vorkommt) oder wenn das Handy keine SMS empfangen kann (dies war das Problem in Indonesien).

Doch klagen hilft nichts: Wir werden uns wohl oder übel an all das gewöhnen müssen. Denn die neue europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD II schreibt vom Jahr 2019 an die zusätzlichen Sicherheitsabfragen gesetzlich vor.

Bleibt noch nachzutragen, wie die Sache in Indonesien ausgegangen ist. Zum Glück hat man ja Familie in Deutschland. Bezahlt hat die Schwester die Flugtickets übrigens mit der guten, alten EC-Karte.

Quelle: F.A.S.
Dennis Kremer
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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