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In der Baisse

Mischfonds sehen plötzlich gut aus

Von Martin Hock
Aktualisiert am 03.04.2020
 - 10:33
So lange die Aktienkurse steigen, will jeder voll investiert sein. In schlechten Zeiten kommt angesichts der fallenden Kurse Panik auf. Mischfonds können dann zeigen, dass sie für die Nerven besser sind.

Mischfonds scheinen stets das Non-Plus-Ultra zu sein. Sie bieten die Investition in alles, je nachdem was erforderlich ist und sind somit immer auf der Sonnenseite. Eine verbreitete Ansicht, die leider genauso falsch ist, aber erklärt, warum in den vergangenen Jahren so häufig zu lesen war, wie enttäuschend sich Mischfonds entwickelten. Gerade erst hat der Branchendienst Morningstar seine neueste Mischfonds-Statistik herausgebracht. Demnach hinkten diese Fonds ihren Vergleichsindizes seit 2015 stets, zum Teil deutlich, hinterher. Nur im Jahr 2017 schnitt ein Teil dieser Fonds einmal besser ab.

Mischfonds-Manager waren mit dieser einfachen Sichtweise naturgemäß nie so ganz einverstanden. Zum einen sei es zu undifferenziert, weil in der Regel die Fondsgröße nicht berücksichtigt werde. Tatsächlich schneiden die großen Fonds meist besser ab. Vergleicht man exemplarisch in Europa anlegende Mischfonds, so beträgt etwa die durchschnittliche jährliche Wertentwicklung über einen Zeitraum von 5 Jahren minus 8,9 Prozent. Betrachtet man die größten Fonds, liegt der Durchschnitt aber nur bei minus 4,4 Prozent. Die kleinsten Fonds haben sich dagegen sehr viel schlechter entwickelt. (siehe Tabelle). Dies gilt auch für andere Zeiträume.

Auch in puncto Wertschwankungen, die kleinzuhalten Mischfonds-Manager als eine ihrer wesentlichen Aufgaben betrachten, ergibt sich ein ähnliches Bild. Hier schneiden Mischfonds im allgemeinen gegenüber dem Vergleichsindex etwas besser ab, und auch hier liegt der Vorteil wieder bei den großen Fonds. Während die kleinsten 10 Prozent der Europa-Mischfonds im 5-Jahres-Durchschnitt eine Volatilität von mehr als 11 Prozent aufweisen, liegt er für die größten 10 Prozent bei 6,6 Prozent, also annähernd halb so hoch. Auch der gern heran gezogene maximale Wertverlust weist dieses Muster auf.

Im Vergleich dazu lassen sich solche Unterschiede für europaweit anlegende Aktienfonds nur im Hinblick auf die Wertentwicklung über 5 Jahre erkennen. Vor allem aber mussten Anleger mit deutlich höheren Wertschwankungen leben. Während selbst die schwächsten Mischfonds über 5 Jahre nur auf eine Volatilität von 11 Prozent kamen, sind es bei Aktienfonds 17 Prozent.

Was sich so verkraftbar anhört, hatte seine Feuerprobe aber in diesem Jahr. Die Volatilität der Europa-Aktienfonds ist über das gesamte Spektrum hinweg auf mehr als 40 Prozent angestiegen. Die Mischfonds kommen im Durchschnitt auf 20 Prozent, die größten auf weniger als 15 Prozent. Das schaffen Aktienfonds noch nicht einmal im langfristigen Durchschnitt. Das macht sich auch in der Wertentwicklung bemerkbar. Die liegt für die großen Mischfonds in diesem Jahr zwei auch bei einem Minus von mehr als 11 Prozent, aber für Aktienfonds durchweg bei 25 Prozent.

Tatsächlich also wurden die Mischfonds ihrem Anspruch gerecht, mit fallenden Kursen besser fertig zu werden. Die Ratingagentur Scope hat untersucht, welche global anlegenden konservativ ausgerichteten Mischfonds - die also maximal 30 Prozent des Fondsvermögens in Aktien, Aktienfonds und aktienähnliche Wertpapiere investieren - in den vergangenen Wochen die geringsten Verluste aufwiesen. Der maximale Verlust der zehn Top-Fonds lag dabei zwischen 1,4 und 8,2 Prozent.

Wer Mischfonds nimmt, muss den ganzen Weg gehen

Es kann sich also durchaus lohnen, im Portfolio auch einen langweiligen und von der Wertentwicklung her schwachen Mischfonds mitaufzunehmen. Eben nicht weil man damit in guten Phasen reich wird, sondern weil in schwachen Phasen die schönen Gewinne nicht so sehr zwischen den Fingern zerrinnen.

Allerdings sollte man dann auch den ganzen Weg gehen. Es ist nicht sinnvoll, zehn Prozent des Vermögens in einen konservativen Mischfonds zu stecken, und die übrigen 90 Prozent in Aktien. Im Ergebnis ist dies nämlich ein Mischfonds mit einem Aktienanteil von 93 Prozent. Das bietet im Zweifel natürlich nur wenig Absicherung und statt um 25 Prozent fällt der Wert des Portfolios um 24 Prozent.

Die Alternative ist ein gemischtes Portfolio. Dafür braucht man eigentlich keinen Mischfonds. Der Haken ist, dass dies aber wie ein Fonds gepflegt werden muss. Bei einem Kursanstiege von 100 Prozent für Aktien und 10 Prozent für andere Werte, wird aus einem Portfolio von 70 Prozent Aktien und 30 Prozent anderen Werten ein Depot aus 80 Prozent Aktien und 20 Prozent Sonstigem. Und es fällt schwer, sich in guten Aktienzeiten von diesen zu trennen und in vergleichsweise schwachbrüstige andere Vermögenswerte zu investieren, was zu allem Überfluss auch noch Gebühren kostet.

Wer also dann doch auf Mischfonds setzt, muss diesen schon einen großen Platz im Portfolio einräumen. Entweder wählt man den Fonds seines Vertrauens oder gegebenenfalls auch mehrere, die aber dann aber auch unterschiedliche Strategien haben sollten. Dazu kann man dann andere Vermögenswerte mischen, und so auf etwas einfachere Weise eine Depotstruktur herstellen, von der man hoffen kann, sich längerfristig damit wohlzufühlen und kleiner und größere Einbrüche am Aktienmarkt halbwegs ohne schlaflose Nächte durchzustehen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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