MLP Studentenwohnreport

Für Studenten wird es finanziell eng

Von Daniel Mohr
21.09.2022
, 17:47
Guter Rat kann es billiger machen: Austausch zu Stipendienmöglichkeiten
Gerade kleine Wohnungen kosten immer mehr Miete. Auf Rücklagen können nur die wenigsten Studenten zurückgreifen. Doch es gibt Auswege.
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Die Finanzlage der knapp 3 Millionen Studenten in Deutschland spitzt sich deutlich zu. Wie aus dem MLP Studentenwohnreport 2022 hervorgeht, sind die Wohnkosten in kleinen Wohnungen und WG-Zimmern zuletzt besonders deutlich gestiegen. Während das Statistische Bundesamt in seiner Inflationsberechnung für August nur einen Mietenanstieg von 1,5 Prozent ausweist, sind nach Berechnungen des Finanzdienstleisters MLP in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die reinen Mietkosten für übliche studentische Wohnungen ohne Nebenkosten binnen eines Jahres um 5,9 Prozent gestiegen, in WGs sogar um 9,4 Prozent.

Michael Voigtländer, Immobilienfachmann am IW, führt dies auf einen deutlichen Rückgang des Angebots an WG-Zimmern zurück. „In der Corona-Zeit war die Vermietung schwierig, viele Studenten haben ihre WG-Zimmer gekündigt, und da haben einige Eigentümer auf die Vermietung der ganzen Wohnung an Paare oder Familien umgestellt.“ Zudem gebe es nicht nur von Studenten, sondern auch von älteren Menschen eine größere Nachfrage nach kleinen Wohnungen. „Aber auch die Energiepreise tun ihr übriges“, sagt Voigtländer. „Da gewinnen Wohnungen mit kleinerer Fläche und damit niedrigeren Heizkosten an Attraktivität.“

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Der Mietanstieg fällt in den 38 untersuchten Studentenstädten unterschiedlich stark aus. Am höchsten ist er in Berlin, wo das Wohnungsangebot durch den später für verfassungswidrig erklärten Mietendeckel besonders eingeschränkt wurde. Um 18,5 Prozent stiegen hier die Mieten gemäß dem in der Studie berechneten Studentenwohnpreisindex. Aber auch in Leipzig, Greifswald und Rostock legten die Mieten binnen eines Jahres um rund 12 Prozent zu. Den niedrigsten Anstieg gab es in Freiburg mit rund 3 Prozent.

Am teuersten bleibt sowohl bei der angenommenen studentischen Musterwohnung von 30 Quadratmetern mit 2,5 Kilometern Entfernung zur Universität als auch beim 20-Quadratmeter-WG-Zimmer München mit 787 Euro monatlicher Warmmiete für die kleine Wohnung und 540 Euro für das WG-Zimmer. Auf Platz zwei bei den WG-Zimmern und Platz drei bei den Wohnungen hat sich Berlin vorgeschoben. Am günstigsten sind studentische Wohnungen mit rund 200 Euro in Chemnitz. Die Studienautoren betonen, dass der Bafög-Wohnkostensatz von 360 Euro im Monat nur in Chemnitz und Magdeburg wirklich ausreicht.

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„Der Preishammer kommt noch“

„Der Preishammer kommt noch“, warnt zudem Voigtländer. „Wir haben mit Daten zum 30. Juni gearbeitet, aber die Kosten für Wärme und Strom dürften seither deutlich gestiegen sein und in den nächsten Monaten weiter steigen.“ Misslich für die Studenten ist, dass ihre Einkommen mit den drastisch gestiegenen Kosten nicht mithalten. „In der Pandemie sind die meisten Studentenjobs weggefallen“, sagt Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender von MLP. „Da fehlen zwei Jahre Einkommen und die finanziellen Rücklagen sind oft aufgebraucht.“

Auf die hohe Inflation können die meisten Studenten daher nicht mit einem Rückgriff auf Ersparnisse oder eine niedrigere Sparquote reagieren. Schroeder-Wildberg rät, sich verstärkt um Bafög, Studienkredite und Stipendien zu kümmern und erinnert auch Eltern daran, früh Vorsorge für die teure Phase des Studiums ihrer Kinder zu treffen.

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Eine Ausweichbewegung hat Voigtländer schon festgestellt: Statt 20 Prozent eines Jahrgangs wohnen nun 26 Prozent während des Studiums noch bei den Eltern. An die Politik appelliert er, mehr für Studenten zu tun, im Wohnungsbau zum Beispiel mit Blick auf die rasant gestiegenen Baupreise auch auf manche Vorschriften zu bestimmten Standards zu verzichten, um Bauen günstiger zu machen und zudem auch wieder Studentenwohnheime zu bauen, der oft günstigsten Form studentischen Wohnens, für die es jedoch sehr lange Wartelisten gibt.

Private Investoren zögen sich angesichts eines um 18 Prozent gestiegenen Baupreisindexes und zugleich höheren Zinsen für Baukredite eher zurück. „Es wird noch weniger gebaut und das politische Ziel von 400 000 neuen Wohnungen im Jahr ist nicht mehr realistisch“, sagt Schroeder-Wildberg. „Diese neuen Wohnungen werden aber dringend nötig sein.“

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft.
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