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Nach Dividendenstopp

Banken frieren jetzt auch Boni ein

Von Markus Frühauf
Aktualisiert am 01.04.2020
 - 17:50
Kreditinstitute wie die Deutsche Bank sollen Aktionäre und Mitarbeiter auf Diät setzen.
Bankenaufseher wollen, dass Geldhäuser nicht nur auf Dividenden und Aktienrückkäufe verzichten. Auch mit Erfolgsprämien für Mitarbeiter soll die Branche vorsichtiger sein.

Die europäischen Bankenaufseher verschärfen in der Corona-Krise ihre Forderungen gegenüber den Banken. Nachdem die Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) die Institute bis Oktober zu einem Verzicht von Dividenden und Aktienrückkäufen aufgerufen hatte, nahm nun die EU-Bankenaufsicht Eba auch die Erfolgsprämien ins Visier, die ihrer Ansicht nach aufgeschoben oder in Aktien ausbezahlt werden können. Der Chef der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, sagte in einem Interview mit Bloomberg TV, die Institute sollten Vorsicht walten lassen, wenn sie Mitarbeitern Boni zusagen.

Das betrifft auch die Deutsche Bank, die zwar nach ihrem Milliardenverlust auf eine Dividende für 2019 verzichtet, aber ihren Mitarbeitern 1,5 Milliarden Euro an Boni zugesagt hat. Davon zahlt das Institut 1 Milliarde Euro sofort aus, während der Rest über die Jahre verteilt an die Mitarbeiter fließt. Die neuen Erwartungen der Aufseher verstärken in der Deutschen Bank nun die Diskussion, wie im aktuellen Umfeld mit der variablen Erfolgsvergütung im laufenden Jahr für Vorstand und Führungskräfte umgegangen werden soll.

BBVA und Unicredit verzichten

Dabei soll auch ein Boni-Verzicht zur Debatte stehen. Das Institut sei sich der Gesamtlage der Wirtschaft und der Politik bewusst und spreche intern natürlich über das Thema, verlautete am Mittwoch aus dem Umfeld der Bank. Dabei gehe es um mehr als nur um reine Kürzungen von Bonuszahlungen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Deutsche Bank wollte dies nicht kommentieren. Andere Großbanken haben schon reagiert: Die Führungskräfte der spanischen BBVA und der italienische Unicredit verzichten für das laufende Jahr auf die Boni.

Gleichwohl haben die Aufseher der EZB und der Eba keinen generellen Boni-Stopp angeordnet. Auch der Verzicht auf Auszahlung einer Dividende, die viele Banken für 2019 schon angekündigt haben, ist bislang nur eine Empfehlung. Doch die Banken müssen sich dann mit den Aufseherteams aus EZB und nationalen Behörden, in Deutschland Bundesbank und Finanzaufsicht Bafin, auseinandersetzen, wenn sie Gewinne ausschütten wollen. Und das dürfte ihnen schwerfallen, denn Enria machte in dem Fernsehinterview klar, dass die EZB-Aufseher die Banken zum Aufschub von Dividendenzahlungen zwingen können, wenn die Institute dies im Zuge der Corona-Krise zur Kapitalstärkung nicht freiwillig machen. „Wenn die Banken sich dazu entscheiden, den Empfehlungen nicht Folge zu leisten, dann werden wir entscheiden, ob wir andere Maßnahmen ergreifen; wir können auch rechtlich bindende Maßnahmen ergreifen, wenn es nötig ist“, sagte Enria. „Wir wollen bei den Banken eine feste Entschlossenheit anstoßen, jeden Euro an Kapital zu erhalten, der für die Kreditvergabe an die Wirtschaft nützlich sein könnte.“

Dafür sind den Banken auch Erleichterungen bezüglich der Eigenkapitalunterlegung von Krediten und mehr Spielraum im Umgang mit ausfallgefährdeten Forderungen zugestanden worden. Dem EZB-Chefaufseher bereiten die geplanten Dividenden-Ausschüttungen mehr Sorgen als die Erfolgsprämien. Der Aufruf zum Stopp der Ausschüttungen sei wichtig gewesen, sagte Enria zu Bloomberg TV. Denn die Geldhäuser hätten rund 30 Milliarden Euro an Gewinnen ausschütten wollen. Boni seien weniger ein Thema. Hier gehe es um eine geringere Summe, zudem sei ein großer Teil davon in Form von Aktien und anderen Finanzinstrumenten gezahlt worden.

Banken hätten eine zentrale Aufgabe bei der Bewältigung der Corona-Krise, sagte kürzlich Raimund Röseler, oberster Bankenaufseher der Bafin. Dieser Aufgabe könnten sie nur nachkommen, wenn sie gut kapitalisiert seien. Die neuen aufsichtsrechtlichen Freiräume sollen die Institute nach Ansicht der Bafin nicht für die Zahlung von Dividenden nutzen. Vielmehr sollte das zur Verfügung stehende Kapital im Bankensektor belassen werden, um die Institute krisenfester zu machen und die Vergabe von Krediten zu unterstützen. Die Bafin erwartet nun von allen unter ihre Aufsicht fallenden Instituten ebenfalls, dass sie keine Gewinne ausschütten. Das betrifft vor allem Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, während die EZB für die 117 größten Institute des Euroraums zuständig ist. Das sind in Deutschland unter anderem Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank und Landesbanken.

Die Commerzbank folgt der EZB. Aareal Bank und Pfandbriefbank prüfen noch. Doch der Druck steigt, weil andere europäische Banken schon ihren Dividendenverzicht erklärt haben. Die ebenfalls von der EZB beaufsichtigte Apotheker- und Ärztebank kündigte am Mittwoch an, ihre Dividende 2019 zwar zu halbieren, aber trotzdem zahlen zu wollen.

Britische Banken stornieren Dividenden

Auf Drängen der Regulierungsbehörde PRA haben die großen britischen Banken wegen der Corona-Krise ihre geplanten Dividendenzahlungen in Höhe von fast 8 Milliarden Pfund abgesagt. Barclays, HSBC, Lloyds, RBS, Santander und Standard Chartered erklärten in ähnlich lautenden Mitteilungen am Dienstagabend, dass sie die Ausschüttung der Dividenden für das Jahr 2019 stornieren und in diesem Jahr kein Geld für Dividenden zur Seite legen. Nach der vorigen Planung hätte Barclays am Freitag 1,03 Milliarden Pfund an seine Aktionäre ausschütten sollen. HSBC hatte für Mitte April 4,2 Milliarden Pfund Dividende geplant.

In Reaktion auf die Absagen fielen die Börsenkurse deutlich. Der Aktienkurs von HSBC fiel am Mittwochmorgen in der Spitze um mehr als 9 Prozent, die Barclays-Papiere verloren fast 8 Prozent, für Standard Chartered ging es um 7,5 Prozent bergab. Die Banken haben zudem versprechen müssen, kein Geld für Aktienrückkäufe auszugeben. Die Aufseher erwarten, dass die Banken stattdessen ihre Kapitalpolster stärken und die Wirtschaft mit Krediten vorsorgen. Außerdem sollen die Banken keine Boni an ihre führenden Mitarbeiter auszahlen, fordert die Prudential Regulation Authority (PRA). Dies „erwarte“ sie, schrieb die Regulierungsbehörde unter dem Dach der Notenbank Bank of England (BoE). Nigel Higgins, der Board-Vorsitzende von HSBC, sagte zur Dividendenabsage: „Dies sind schwierige Entscheidungen, nicht zuletzt wegen des unmittelbaren Effekts auf die Aktionäre. Die Bank hat eine starke Kapitalbasis, aber wir halten es für richtig und klug, für die vielen Unternehmen und Leute, die wir unterstützen, diese Schritte jetzt zu ergreifen.“ Barclays sei dann in einer guten Lage, um weiter in der Krise zu helfen.

Die britische Notenbank agiert mit ihrem Druck auf die Banken ähnlich wie die Europäische Zentralbank, die schon in der vergangenen Woche faktisch einen Dividendenstopp verhängt hat. Die BoE-Aufseher hätten „außerordentlichen Druck“ ausgeübt, hieß es in der Londoner City. Der neue BoE-Gouverneur Andrew Bailey verknüpft die Notmaßnahmen in der Corona-Krise – günstige Finanzierungen und gelockerte Kapitalvorschriften für die City – mit der Erwartung, dass sie das gesparte Geld nicht an Aktionäre oder als Boni ausschütten.

Von Philip Plickert

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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