Optionsscheine

Anleger werden über den Tisch gezogen

Von Christof Leisinger
02.07.2001
, 13:00
Optionsscheinhandel - alles andere als effizient
"Mut zu Optionsscheinen"? - Anleger sollten genau wissen, was sie tun, wenn sie solchen oder ähnlichen Aufforderungen folgen.
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"Mut zu Optionsscheinen" - selbst in renommierten Medien kann man gelegentlich solche oder ähnliche Empfehlungen lesen. Vom werbenden "Trommeln" spezialisierter Magazine gar nicht zu reden. Aber sind Optionsscheine als Anlagemedium wirklich so interessant? Ist es überhaupt möglich, damit "das große Geld" zu verdienen?

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"Ganz klar nein", sagt ein Mitarbeiter eines auf derivative Produkte spezialisierten Lehrstuhls an der Universität Frankfurt. "Mit Optionsscheinen - insbesondere aber mit exotischen Konstruktionen - werden die Anleger offensichtlich über den Tisch gezogen", ergänzt er seine Aussage. Gerade wenn man die Produkte nachrechne, stelle man immer wieder fest, dass sie völlig überteuert seien. Banken und Broker hätten die Preisgestaltung völlig in der Hand, da sie - abgesehen von den börsengängigen Scheinen - beim Handel jeweils die einzigen Gegenparteien seien. Eine Vielzahl von Scheinen wird aber gar nicht erst zum Börsenhandel zugelassen, sondern telefonisch oder über virtuelle Netzwerke gehandelt. Damit ist der Manipulation Tür und Tor geöffnet.

Verzettelte Liquidität

Und selbst im Börsenhandel wird die Liquidität auf so viele verschiedene Scheine mit unterschiedlichsten Eigenschaften verzettelt, dass eine vernünftige Preisbildung in Frage gestellt werden kann. Allein an der Stuttgarter Börse sind über 21.000 Scheine von mehr als 20 Emittenten gelistet. Wo bleibt da die Transparenz und damit die Effizienz?

Unter der Hand geben sogar die Optionsscheinhäuser zu, dass die Mehrheit der Anleger mit Warrants kein Geld verdient. "Viele wissen nicht einmal genau, wie die Preise dieser Instrumente zustande kommen", sagt etwa der Vertreter eines französischen Hauses. "Ich schätze, dass nur etwa 30 Prozent der Investoren wirklich Geld verdienen, während die restlichen 70 Prozent Verluste einfahren", erklärt er spontan auf die Frage nach einer Gewinnquote. Allerdings gebe es keine offizielle Statistik, das sei allein seine subjektive Schätzung. Auch die übrigen Häuser halten sich eher bedeckt. Natürlich will sich niemand ein gutes Geschäft durch unbedachte Äußerungen vorsätzlich verderben.

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Goldgrube für die Banken

Denn die Banken scheinen mit den Produkten sehr viel Geld zu verdienen. Sonst wäre es kaum erklärlich, wieso der Markt mit Optionsscheinen in den vergangenen Jahren in Deutschland so explodiert ist und wieso selbst große Investmentbanken in das Geschäft mit dem "Kleinanleger" eintreten. Und das, obwohl sich einige sonst ausdrücklich nur an die institutionelle Kundschaft oder an Privatanleger mit Millionenvermögen wenden. Mit "Peanuts" wollen sie gewöhnlich nichts zu tun haben. Auch die Spezialisierung einzelner Börsen wie der Stuttgarter Euwax dürfte eher kommerziellen Motiven folgen als dem Interesse der Anleger.

Institutionelle Anleger geben sich mit diesem Marktsegement gar nicht erst ab. Erstens wissen sie genau, dass die Preisbildung und der Handel im Optionsscheinmarkt alles andere als effizient sind. Sie gehen im Zweifel an professionelle Märkte wie etwa die Terminbörse Eurex oder lassen sich Produkte "maßschneidern". Zweitens halten sie sich tendenziell an die "Börsenweisheit": "Wer mit Optionen verdienen will, der muss sie verkaufen - statt zu kaufen."

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Genau aus diesem Grund können für den kundigen Anleger auch Produkte wie die so genannten Aktienanleihen unter taktischen Überlegungen interessant sein: nämlich dann, wenn sich der Aktienmarkt nahe am Boden befindet und wenn die Kursschwankungen hoch sind. Da er mit dem Kauf einer Aktienanleihe unter dieser Bedingung indirekt nichts anderes macht, als eine Option teuer zu verkaufen, ergibt sich genau dann ein interessantes Verhältnis zwischen Preis und erwarteter Rendite. Und das, obwohl sich die jeweilige Bank in der Regel mit einer netten Marge selbst kräftig vorab bedient.

Quelle: @cri
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