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Deutscher Lichttechnikkonzern

Osram-Übernahme durch AMS – der zweite Versuch

Von Rüdiger Köhn, München
 - 10:35
Was wird aus Osram?

Den neue Anlauf von AMS, den Lichttechnikkonzern Osram zu übernehmen, hat mehr Aussicht auf Erfolg, als der vor zwei Wochen gescheiterte erste Übernahmeversuch. Erstens hat der mit 1,5 Milliarden Euro Umsatz deutlich kleinere österreichische Hersteller von Sensoren die Annahmeschwelle gegenüber der ersten Offerte von 62,5 Prozent auf 55 Prozent gesenkt; dabei beinhaltet das Ende Oktober beginnende Angebot unverändert den gleichen Preis von 41 Euro je Osram-Aktie. Und zweitens haben die immer noch im agierenden Finanzinvestoren Bain Capital und Advent aus den Vereinigten Staaten von ihrem geplanten Vorstoß eines höheren Angebotes Abstand genommen.

Mit dem Wegfall eines möglicherweise von manchen Osram-Anteilseignern erhofften attraktiveren Angebotes verschwindet aus Sicht von AMS ein erheblicher Unsicherheitsfaktor. Der dürfte auch für das Scheitern der ersten Offerte mitverantwortlich gewesen sein.

Die endete am 1. Oktober und hat dem Unternehmen aus der Steiermark eine klägliche Niederlage gebracht. Zwar hatte es zuvor schon die Mindestannahmequote von 75 deutlich auf 62,5 Prozent gesenkt und den Angebotspreis von 38,50 auf 41 Euro erhöht, womit Osram insgesamt mit 4,6 Milliarden Euro bewertet wird. Dennoch erhielt es nur Zugriff auf 51,6 Prozent der Anteile.

Im neuen Vorstoß dürfte das Kalkül aufgehen. „Wir sind überzeugt, dass unser Angebot erfolgreich sein wird, da es einen sehr attraktiven Preis zu einem vollen Bewertungsniveau bei klarer Annahmeschwelle bietet“, sagte der AMS-Vorstandsvorsitzende Alexander Everke am Freitagabend – und nahm auch Bezug auf die schon eroberte Position als stärkster Osram-Eigner, der in den vergangenen Wochen in hohem Umfang direkt Aktien erworben hatte. „Als bedeutender Osram-Aktionär mit einer Beteiligung von 19,99 Prozent sind wir zudem davon überzeugt, dass dieses Angebot die beste verfügbare Option für die Aktionäre ist.“

Neue Bietergesellschaft gegründet

Nach einer ersten Übernahmeinitiative durch die amerikanischen Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle im Sommer, dem überraschenden Auftritt von AMS mit zunächst 38,50 Euro und dann 41 Euro sowie den Planspielen von Bain und Advent kommt nun eine vierte Variante für die Osram-Aktionäre auf den Tisch. Sie ist wegen der erworbenen dominanten Position der Österreicher mit 19,99 Prozent als Abschreckung für andere Interessenten die einzig verbliebene Alternative.

Normalerweise ist ein Bieter für ein Jahr für eine neue Offerte gesperrt, wenn er mit einem freiwilligen Übernahmeangebot gescheitert ist. Nur wenn der Vorstand des ins Visier genommenen Übernahmekandidaten eine Freigabe erteilt, ist eine Ausnahme möglich. Oder es wird einfach eine neue Bietergesellschaft als Investmentvehikel gegründet, wie es die Steirer mit „AMS Offer GmbH“ getan haben.

Beobachter rechnen nicht nur damit, dass die Schwelle von 55 Prozent genommen wird, da die Spekulation auf ein weiteres erhöhtes Angebot nicht mehr besteht und zweifelnde Aktionäre nun von AMS überzeugt sein dürften. Die Hartnäckigkeit könnte die Österreicher zudem tatsächlich zu ihrem ursprüngliches Ziel führen, mit 70 Prozent oder noch mehr in der ersten Jahreshälfte 2020 die Beherrschung über Osram zu erhalten, das Unternehmen von der Börse zu nehmen (Squeeze Out) und voll zu integrieren.

Aus der Misere holen

Gegenüber der ersten Offerte benötigt AMS gerade einmal 3,4 Prozent der Osram-Aktien zusätzlich. Aus dem zögerliche Streubesitz von rund 20 Prozent könnte nun mehr Aktionäre mitziehen. Vor allem aber dürfte der frühere Osram-Großaktionär Allianz Global Investors (AGI) mit seinen 9,4 Prozent dieses Mal mangels Alternativen seine Aktien andienen, was er bis dato nicht gemacht hat.

Wird die Hürde von 55 Prozent überschritten, werden zudem die Indexfonds ihre im M-Dax notierten Anteile von schätzungsweise insgesamt 10 Prozent ebenfalls übertragen. Das kann aber erst nach Ablauf der offiziellen vierwöchigen Frist geschehen. Erwartet wird der Start der Offerte nach Prüfung durch die Finanzaufsicht Bafin Ende Oktober, ablaufen wird sie wohl Ende November.

Dann beginnt eine zweiwöchige Nachzüglerphase (Zaunkönigfrist), in der etwa die Indexfonds handeln. AMS würde in diesem Szenario mindestens Zugriff auf 65 Prozent erhalten. Unternehmenskreise rechnen mit einem deutlich höheren Wert.

Selbst wenn die Rechnung nicht aufgeht, könnten mit einer weiterhin börsennotierten, eigenständigen Osram AG dennoch gemeinsame Projekte verfolgt werden – um das angeschlagene, nur mit sehr begrenzten Mitteln ausgestattete und derzeit Verluste schreibende Münchner Unternehmen aus der Misere zu holen. Viel Zeit hat es nicht mehr, um auf die Umbrüche im Markt hin zu Chiptechnologien zu reagieren. Daher muss eine Lösung schnell gefunden werden muss.

Mit der Kombination von Licht- und Sensortechnologie, so die Strategie von AMS, sollen neue Wachstumsmärkte erschlossen werden. Und die Auslastung des als besonders kritisch betrachteten und belastenden Osram-Werkes im malaysischen Kulim verbessert werden.

Neben der Senkung der Mindestannahmequote und dem Abschied der Finanzinvestoren gibt es noch einen dritten Faktor, der einen Zusammenschluss beflügeln könnte: der Burgfrieden zwischen AMS und dem Osram-Vorstandsvorsitzenden Olaf Berlien. Dieser machte keinen Hehl aus seiner Antipathie gegenüber den Österreichern. Doch offenbar sind die Bedenken in den Hintergrund gerückt, dass ein Osram-Vorstand unter dem Unternehmen aus der Steiermark wenig Zukunft hätte, allen voran Berlien.

Auffällig konstruktiv und freundlich sind die Aussagen über das Verhältnis zwischen beiden am Freitagabend gewesen. „Wir führen konstruktive Gespräche mit Osram, um die bestehende Kooperationsvereinbarung zu aktualisieren und unterstreichen damit unsere Zusicherungen für Mitarbeiter und Produktionsstandorte in Deutschland“, sagte Everke, um geradezu überschwänglich fortzusetzen: „Wir begrüßen die fruchtbaren Gespräche mit dem Management und dem Aufsichtsrat und sehen der Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Vorstand positiv entgegen, um unsere strategische Vision umzusetzen.“

Nicht viel anders euphorisch klang die Gegenseite. „Wir haben in den vergangenen Tagen konstruktive Gespräche mit AMS über die Rahmenbedingungen für ein neues Übernahmeangebot geführt“, äußerte sich Berlien: „Der Vorstand begrüßt die bisher erzielten Fortschritte und ist zuversichtlich, dass sich beide Seiten auf ein zukunftsfähiges strategisches Konzept verständigen werden.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Köhn, Rüdiger (kön.)
Rüdiger Köhn
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.
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