Pharmazie Schweiz

Pharmakonzern Roche glänzt nicht nur dank Tamiflu

21.10.2005
, 13:37
Wird rar gemacht: Grippemittel Tamiflu
Einen Tag nach Novartis hat der zweitgrößte Schweizer Pharmakonzern Roche ein noch glänzenderes Zwischenergebnis vorgelegt. Beim Grippemittel Tamiflu hat sich der Umsatz fast verdreifacht, die Pharmaverkäufe stiegen insgesamt um 21 Prozent.

Einen Tag nach Novartis hat der zweitgrößte Schweizer Pharmakonzern Roche ein noch glänzenderes Zwischenergebnis vorgelegt. Im dritten Quartal stieg der Pharma-Umsatz um 21 Prozent in lokalen Währungen, was vor allem an den erfolgreichen Krebs-Medikamenten liegt und auch an der gewaltigen Nachfrage nach dem Grippemittel Tamiflu.

Damit ist Roche dreimal so schnell wie der Weltmarkt und doppelt so schnell wie der Basler Konkurrent Novartis gewachsen. Im Gegensatz zu diesem Unternehmen nannte Roche allerdings keinen Quartalsgewinn, sondern bloß die Umsätze.

Trotz hoher Bewertung weiter auf Kauflisten

Obwohl das Wachstum über den Erwartungen liegt, reagierte der Roche-Genußschein keineswegs positiv an der Schweizer Börse. Es kam offensichtlich zu Gewinnmitnahmen, denn der Titel hat in diesem Jahr bereits um fast 50 Prozent zugelegt und damit erheblich stärker als die Novartis-Aktie.

Trotz des hohen Kurses rangiert Roche aber weiterhin auf den Kauflisten etlicher Analysten. Claudio Werder von der Zürcher Bank Vontobel sagte, er werde wegen des guten Quartals-Umsatzes seine Schätzungen leicht erhöhen. Roche bekräftigte seine im Sommer abgegebene Prognose, daß auch für das gesamte Jahr 2005 der Pharma-Umsatz in lokalen Währungen zweistellig wachsen und die operative Marge höher als im Vorjahr ausfallen werde.

Roche übertraf die Analysten-Schätzungen am meisten beim Mittel Tamiflu, das wegen der Angst vor einer möglichen Vogelgrippe-Pandemie von 40 Staaten bestellt wurde. Der Konzern hatte zu den Verkäufen keine präzisen Angaben gemacht, daher tappte man beim Umsatz im dunkeln. Nun teilte Roche mit, daß die Verkäufe im dritten Quartal 279 Millionen Franken (181 Millionen Euro) betrugen.

Nicht nur mit Tamiflu erfolgreich

Damit summierten sich die Verkäufe in den ersten drei Quartalen bereits auf 859 Millionen Franken, was einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 263 Prozent entspricht. Nun ist es offenkundig, daß die Tamiflu-Schätzungen der Analysten für das Jahr 2005 von knapp einer Milliarde viel zu gering sind.

Tamiflu ist zwar das am schnellsten wachsende, aber keineswegs das erfolgreichste Roche-Medikament. Schon in den ersten neun Monaten verzeichnete der Konzern sechs Blockbuster, also Mittel mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Franken. Darunter sind drei Krebs-Medikamente. Allein Mabthera erzielte Erlöse von mehr als drei Milliarden Franken. Das Onkologie-Portfolio wuchs um eindrucksvolle 37 Prozent. Roche hatte auch Fortune, weil der Rückgang bei Rocephin (Infektionskrankheiten) nicht so stark ausfiel, wie nach dem Patentablauf zu befürchten war.

Weil die kleinere Diagnostik-Sparte, in der Roche die Nummer eins auf der Welt ist, weniger stark wuchs als die Pharmaka, erhöhte sich der Konzern-Umsatz im dritten Quartal um 17 Prozent und erreichte somit in den ersten neun Monaten insgesamt 25,4 Milliarden Franken. Auch bei den Diagnostik-Geräten gelang eine Verbesserung, die Analysten in diesem Ausmaß nicht erwartet hatten: Der Konzern steigerte das Wachstum in lokalen Währungen um zwei Punkte auf sechs Prozent.

Quelle: F.A.Z., 20.10.2005, Nr. 244 / Seite 14
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