Portfoliotheorie

Diversifikation über alles

07.09.2001
, 02:23
Diversifikation reduziert das Risiko
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wer clever ist, der eliminiert aber zumindest überflüssige Risiken.
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Wer Anfang 1986 bei der Neuemission von Microsoft-Aktien mitgemacht und dabei 1.000 Dollar investiert hätte, in dessen Depot hätte im September 2001 ein Vermögen von knapp 350.000 Dollar still vor sich hin geschlummert. Das entspricht einer Rendite von knapp 48 Prozent pro Jahr.

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Hätte er dagegen seine 1.000 Dollar in einen Fonds investiert, der den breiten S&P-500 Index nachbildet, so hätte er gerade einmal knapp 5.000 Dollar auf dem Konto und dabei eine Jahresrendite von elf Prozent erzielt.

Erfolg lässt sich nicht pachten

Wieso also sollte man in einen Fonds investieren, wenn sich mit einer Einzelaktie so viel mehr Geld verdienen lässt, werden sich Anleger möglicherweise fragen. Die Erklärung liegt im Detail. Denn wer konnte damals schon wissen, dass unter Tausenden von Wertpapieren ausgerechnet Microsoft die Aktie sein würde, die offensichtlich den Erfolg gepachtet hat.

Bild: Dt. Börse AG

Setzt man alles auf eine Karte, dann ist die Chance äußerst gering, die richtige Wahl zu treffen. Vor allem bei jungen Unternehmen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie ihre Prognosen nicht einhalten können und im Extremfall sogar Pleite gehen. Die jüngsten Erfahrungen am Neuen Markt sprechen Bände.

Selbst bei etablierten Unternehmen sind Risiken nie vollständig ausgeschlossen. Der Konkurs des ehemaligen niederländischen Flugzeugbauers Fokker vor Jahren dürfte ein Beispiel dafür sein, wie ein Investor bei einem Missgriff erschüttert werden kann. Hätte er sein ganzes Vermögen nur in eine dieser beiden Aktien investiert, so wäre er nun im einen Fall mittellos, im anderen hätte er zumindest drastische Verluste eingefahren.

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Unsystematische Risiken lassen sich reduzieren

Aber hier gibt es Abhilfe. Im Gegensatz zum systematischen Risiko - also „höherer Gewalt“ - geht es hier um so genannte unsystematische Risiken. Das bedeutet, sie sind immer auf den Einzelfall bezogen. Beschäftigt sich der Anleger mit jedem Unternehmen schon im Vorfeld, so kann er sich ein Bild davon machen, wo die kritischen Punkte liegen könnten. Das bedeutet, er senkt auf diese Weise schon einmal sein Anlagerisiko.

Wenn er clever ist, dann investiert er sein Geld in verschiedene Anlageinstrumente. Möglichst in solche, die unterschiedlich auf äußere Einflüsse reagieren. Vielleicht einen Teil in Aktien, einen anderen in Anleihen und noch einen dritten in Immobilien. Innerhalb dieser Anlageklassen hat er die Möglichkeit, weiter zu streuen: etwa Aktien verschiedener Branchen, Anleihen verschiedener Schuldner und Laufzeiten. In der Praxis genügt schon eine recht kleine Anzahl verschiedener geschickt gewählter Wertpapiere, um einen großen Teil des unsystematischen Risikos zu eliminieren (siehe Abbildung).

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Gegensätze“ passen zueinander

Eine wesentlich Grundvoraussetzung für diesen Effekt ist, dass die verschiedenen Anlageklassen überhaupt nicht oder nur bedingt miteinander korrelieren. Fällt etwa der Kurs von Wertpapier A und gleichzeitig steigt der Wert von B, dann gleichen sich die Veränderungen aus. In Abbildung zwei etwa ist die Bewegung zweier Vehikel zu sehen, die perfekt negativ korreliert sind. Sie haben einen Korrelationskoeffizienten von -1. Bei völlig synchroner Kursbewegung würde der bei +1 liegen.

Fazit: Alles auf eine Karte zu setzen ist hoch riskant. Schon mit der Streuung des Portfolios auf zehn bis 15 Titel lässt sich ein guter Diversifikationseffekt erzielen und das unsystematische Risiko drastisch reduzieren. Gegen das systematische Risiko - etwa eine Baisse - ist kein Kraut gewachsen.

Quelle: @cri
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