Portrait

Ungeliebtes Kind der Wall Street

02.08.2001
, 08:13
Der Alptraum des normalen Anlegers, fallenden Kurse, lösen bei Manuel Asensio Jubel aus. Denn er spekuliert auf Kursverluste.

Im Hause Hemispherx ist man nicht gut auf Manuel Asensio zu sprechen. Der 46-Jährige hat die Aktie 1998 bei einem Kurs von 7,81 Dollar zum Verkauf empfohlen und öffentlich bezweifelt, dass Hemispherx jemals eine Zulassung für ein Medikament Ampligen bekommen wird. Der Kurs von Hemispherx zeigte sich zunächst unbeeindruckt, sackte dann aber bis auf drei Euro ab. Wobei sich natürlich nicht ausmachen lässt, ob Asensio dafür verantwortlich ist oder die allgemeine Marktschwäche.

Andere Aktien wie Diana, Ergo Bilt und Turbodyne Technologies verschwanden nach den Attacken von Asensio vom Kurszettel. Während sich Asensio als Aufdecker von falschen Versprechungen sieht, werfen seine Kritiker ihm vor, er verwende falsche Studien. Bislang allerdings klagten die Unternehmen vergeblich. Lediglich die Nasdaq verurteilte den Exil-Kubaner im vergangenen Jahr zu einer Strafe von 75.000 Dollar, weil er seine Performance im Internet missverständlich und falsch darstelle.

Manuel Asensio ist einer der wenigen Short-Seller, die sich auch öffentlich dazu bekennen. Generell empfinden es viele als unmoralisch auf fallende Kurse zu spekulieren. Die Shorties stehen in der Kritik, weil sie noch Geld verdienen, während die große Masse Schiefpositionen hat. Leerverkäufe machen Marktteilnehmer oft dafür verantwortlich, wenn es rapide mit Aktien nach unten geht.

Asensio selbst weist dagegen moralische Bedenken weit von sich. Schließlich richteten die Übertreibungen nach unten große Schäden in der Volkswirtschaft an, und viele Anleger würden mit übertriebenen Erwartungen von Analysten und Journalistsen in die falschen Aktien gehetzt. Der Harvard-Absolvent arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Investment-Banking. Bevor er Alensio & Company gründete war er unter anderen bei Bear Stearns, Aco und Socied Financiera Union.Im Frühjahr ist sein Buch „Sold Short“ erschienen, in dem er aus seinem Leben als Short-Seller berichtet.

Quelle: @ank
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