Seit September

Der Preis für Heizöl verdoppelt sich nahezu

Von Christian Siedenbiedel
05.08.2021
, 13:08
Heizöl kauf
Corona bringt alles durcheinander: Mitten im Sommer zahlt man mehr für Heizöl als im kühlen Herbst.

Es ist ein alter Streit, wann im Laufe eines Jahres Hausbesitzer sich am besten mit Heizöl eindecke sollten. Viele machen das gewohnheitsgemäß im Herbst, wenn es kühler wird und die Heizsaison beginnt. Andere sagen sich, dann kaufen ja alle, und bestellen ihr Öl lieber im Sommer, in der Hoffnung damit zumindest tendenziell günstiger zu fahren. Weil so aber wiederum auch gar mal so wenige Leute denken, ist Heizöl oftmals im Sommer gar nicht so günstig. In vielen Jahren fährt man am billigsten, wenn man Ende Dezember oder im Januar Heizöl bestellt, wenn die meisten sich eingedeckt haben und noch nicht wieder nachbestellen.

Preisanstieg beim Heizöl seit September um 81 Prozent

In diesem Jahr gibt es dabei einige Besonderheiten, wie das Internetportal Check 24 in einer kleinen Erhebung herausgearbeitet hat. Wegen der Corona-Pandemie war Rohöl im vergangenen Jahr nämlich zeitweise außergewöhnlich billig, weil die Industrie in aller Welt darnieder lag und auch der Verkehr bei weitem nicht so stark ausfiel wie normalerweise. Die schwache Nachfrage ließ den Rohölpreis fallen. Deshalb war auch Heizöl im September 2020 besonders billig, seither aber ist der Preis mit gewissen Schwankungen im Frühjahr gestiegen und hat insgesamt um immerhin 81 Prozent zugelegt. Für 2000 Liter Heizöl zahlte ein Haushalt in Deutschland den Angaben zufolge im September 2020 rund 770 Euro. Jetzt im Juli 2021 waren es durchschnittlich 1392 Euro, so berichtet Check 24.

Drohnen-Anschlag auf Tanker lässt Ölmarkt kalt

In den vergangenen Wochen hatte es dabei gewissen Schwankungen gegeben, wie aus Zahlen des Internetportals Heizoel 24 hervorgeht, an das 500 Ölhändler ihre Preise berichten. Der Rohölpreis hatte zuletzt drei Tage lang nachgegeben, weil die Investoren an den Ölmärkten sich Sorgen um den Fortgang der Corona-Pandemie machten. Ein Drohnenanschlag auf einen Öltanker hatte hingegen keine spürbaren Auswirkungen auf den Ölpreis gehabt. Am Donnerstag schwankte der Rohölpreis um 70 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter), nachdem er Anfang Juli schon bei mehr als 75 Dollar gestanden hatte. Die Investmentbank Goldman Sachs hatte in ihren Prognosen Ölpreise um die 80 Dollar für die Sommermonate für wahrscheinlich gehalten.

Der Preis für Benzin hatte im Juli noch mal gegenüber dem Juni zugelegt und Ende Juli nach Zahlen des Autoklubs ADAC neue Jahreshöchststände erreicht. Jetzt zahlen Autofahrer im Schnitt 1,56 Euro je Liter für Super E10 und 1,40 Euro für Diesel. Je nach Tankstelle, Stadt und Tageszeit können die Preise aber noch deutlich darüber liegen. Das Preisniveau an den Tankstellen insgesamt ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Zum Preisanstieg hat vor allem die Preisrally beim Rohöl beigetragen, aber auch die Einführung eines Kohlendioxid-Preises für Kraftstoff sowie die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer zum Jahresbeginn. Zuletzt habe die starke Nachfrage nach Benzin in der Urlaubs-Reisewelle den Spritpreis wohl zusätzlich steigen lassen, nimmt der ADAC an.

Auch für Gas zahlen Verbraucher wieder mehr

Auch der Gaspreis ist seit Oktober kontinuierlich gestiegen. Aktuell zahle ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden Erdgas durchschnittlich 1301 Euro, berichtet Check 24 weiter. In der Gasgrundversorgung in Deutschland liege der Gaspreis mit 1515 Euro sogar auf einem Allzeithoch. Damit sei Gas bei den zehn günstigsten Alternativanbietern mit durchschnittlich 1135 Euro aktuell ein Viertel günstiger als in der örtlichen Grundversorgung.

Quelle: sibi.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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