Schutz der Sparer

Privatbanken reduzieren Zusagen ihrer Einlagensicherung

Von Markus Frühauf
08.12.2021
, 11:12
Eingang zur Greensill Bank in Bremen: Deren Zusammenbruch hat die privaten Banken 3 Milliarden Euro gekostet.
Nach der Greensill-Schieflage kappt der Bankenverband seinen Leistungsumfang. Versicherer, Fonds und öffentlich-rechtliche Anstalten werden ab 2023 nicht mehr geschützt.
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Nach dem Zusammenbruch der Greensill Bank baut der Bundesverband deutscher Banken (BdB) seine Einlagensicherung um. Die Privatbanken werden den Schutzumfang der Kundeneinlagen reduzieren und bis zum Jahr 2030 schrittweise Obergrenzen einführen. „Der Fall Greensill markiert hier eine Zäsur“, sagte Christian Sewing, Bankenpräsident und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, am Mittwoch auf einer Online-Pressekonferenz. Gleichzeitig sicherte er den privaten Sparern zu, dass sie auch künftig von einem leistungsfähigen und umfangreichen Einlagenschutz profitieren würden.

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„Die Sicherheit ihrer Gelder hat für die privaten Banken höchste Priorität“, betonte Sewing. Seinen Worten zufolge wird die Einlagensicherung auf ihre Kernaufgabe fokussiert: Den Schutz derjenigen, die ihn wirklich benötigten. Für 98 Prozent der Sparer ändere sich in der Praxis nichts – ihre Einlagen seien weiterhin in voller Höhe geschützt, versprach Sewing. Für private Sparer und Stiftungen sind ab dem 1. Januar 2023 maximal 5 Millionen Euro pro Bank abgesichert, 2025 noch 3 Millionen Euro. Im Jahr 2030, wenn die Reform abgeschlossen sein soll, werden es noch höchstens eine Million Euro sein.

Der Schutzumfang für Unternehmen wird von 2023 an maximal 50 Millionen Euro betragen. Er geht im Jahr 2025 auf 30 Millionen Euro und 2030 auf 10 Millionen Euro pro Bank zurück. Unberührt von der Reform bleibt der gesetzliche Einlagenschutz, der im Fall einer Banken-Schieflage bis zu 100.000 Euro je Kunde und Bank reicht. Für Einlagen über dieser Grenze greift die freiwillige Einlagensicherung des Bankenverbandes, die nun reformiert wird. Dagegen versprechen Sparkassen und Volksbanken den Institutsschutz: Jede Mitgliedsbank in ihrem Verbund wird in einer Schieflage aufgefangen, so dass alle Kundeneinlagen vollständig garantiert werden.

Schon nach dem Zusammenbruch der Maple Bank hatte der Bankenverband den Leistungsumfang seiner freiwilligen Einlagensicherung reduzieren müssen. Professionelle Investoren wie bestimmte Wertpapierfirmen und Finanzinstitute sowie Bund, Länder und Kommunen wurden ausgeschlossen. Der Greensill-Fall traf mehrere Kommunen, die dort Gelder angelegt hatten. In Zukunft wird der Bankenverband auch Versicherer, Fondsgesellschaften und öffentlich-rechtliche Anstalten und Körperschaften nicht mehr schützen. Bei Greensill hatten Rundfunkanstalten und Stadtwerke Einlagen unterhalten.

Die Greensill Bank war Anfang März von der Finanzaufsicht Bafin geschlossen worden. Der Bankenverband musste dafür insgesamt 3 Milliarden Euro an Kunden auszahlen, davon 2 Milliarden Euro über seine freiwillige Einlagensicherung. Der für das Schutzsystem zuständige Prüfungsverband des BdB wird darüber hinaus reformiert. Seine Risikomanagementsysteme sollen mögliche Gefahren früher aufspüren.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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