Aktien, Öl, Bitcoin

Rekordjagd quer durch die Anlageklassen

Von Tim Kanning
17.12.2020
, 15:38
Ungeachtet aller Corona-Sorgen steuert der Dax auf seinen Rekordstand zu. Auch am Ölmarkt macht sich nun wieder Zukunftshoffnung breit. Was es damit auf sich hat.

Investoren rund um die Welt bleiben trotz der verschärften Corona-Lage in Kauflaune. Der deutsche Aktienindex Dax hat sich am Donnerstag weiter seinem Rekordhoch genähert. Die bisherige Bestmarke hatte im Februar vor dem Corona-Crash bei 13.795 Punkten gelegen. In der Spitze kam der Dax am Donnerstag mit 13.725 Punkten schon einmal auf Armlänge heran, verlor dann aber doch wieder etwas an Kraft. Damit hat der wichtigste deutsche Aktienindex die Verluste durch den Corona-Einbruch aber dennoch ausgestanden.

Unter den Einzelwerten war vor allem der Sportartikelhersteller Adidas gefragt, nachdem sich Konzernchef Kasper Rorsted in einem Fernsehinterview trotz der Corona-Einschränkungen in Deutschland und vielen anderen Teilen Europas optimistisch zum Weihnachtsgeschäft geäußert hatte. Adidas profitiere davon, dass viele Menschen zu Hause arbeiten, sagte Rorsted: „Im Home Office trägt man keinen Anzug.“ Ansonsten ließen sich unter den Tagessiegern kaum favorisierte Branchen ausmachen. Der Versorger Eon spielte ebenso oben mit, wie die IT-Unternehmen Infineon und SAP oder der Chemiekonzern BASF.

Fed als Antreiber

Auch die deutschen Nebenwerte bewegen sich in nie gekannten Höhen. Schon am Mittwoch hat der M-Dax der mittelgroßen Werte erstmals in seiner Geschichte die 30.000 Punkte geknackt und notierte am Donnerstag zeitweise fast 200 Punkte darüber. Etwas verhaltener ist die Stimmung mit Blick auf ganz Europa. Die Eurozonen-Auswahl Euro Stoxx 50 steht noch ein ganzes Stück unter dem Vor-Corona-Niveau, legte am Donnerstag aber auch wieder weiter zu.

Als Treiber für die Aktienmärkte galten unter anderem die Aussagen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve vom Mittwochabend deutscher Zeit. Sie will angesichts
der Corona-Pandemie ihre Leitzinsen an der Nulllinie halten und weiterhin jeden Monat dreistellige Milliardenbeträge in die amerikanische Wirtschaft pumpen. Die Fed will all ihre Instrumente nutzen, um die Wirtschaft in dieser „herausfordernden Zeit“ zu stützen, hieß es von der Notenbank
nach ihrem Zinsentscheid. Auch die wachsende Sorge vor einer steigenden Inflation in Folge der Corona-Pandemie gilt als Grund, warum immer mehr Anleger zu Sachwerten wie Aktien greifen.

Ölpreis wieder auf Vorkrisenniveau

Doch nicht nur an den Aktienmärkten, auch am Ölmarkt steigen die Preise. Das wichtige Barometer für die Lage der Weltwirtschaft war mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie im Frühjahr stark eingebrochen, was deutsche Autofahrer nicht zuletzt an äußerst günstigen Benzinpreisen merken konnten. Anders als die Aktienmärkte blieben die Ölpreise auch lange im Keller, weil der Energieverbrauch durch die lahmende Weltwirtschaft und den deutlich weniger gewordenen Verkehr niedrig blieb. In der trübsten Zeit im Frühjahr waren Zukunftskontrakte auf Öl zeitweise sogar negativ bepreist.

Am Donnerstag erreichten die Ölpreise nun zwischenzeitlich den höchsten Stand seit dem Corona-Ausbruch im Frühjahr. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete im Mittagshandel 51,24 Dollar. Das waren 16 Cent mehr als am Vortag. In der Spitze war der Brent-Preis bis auf 51,90 Dollar gestiegen. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg
um 18 Cent auf 48,00 Dollar.

Bitcoin macht weiteren großen Satz

Und noch eine Anlageklasse hangelt sich von Rekord zu Rekord - die Cyber-Währung Bitcoin. Nachdem er am Mittwoch erst die wichtige Marke von 20.000 Dollar durchbrochen hatte, kostete ein Bitcoin am Donnerstag schon mehr als 23.000 Dollar. Noch im März hatte die Krypto-Währung, deren Wert in den vergangenen Jahren immer wieder heftig geschwankt hatte, nur 5000 Dollar gekostet. Dabei profitiert Bitcoin schon seit einiger Zeit von mehreren Entwicklungen. Für neues Interesse an der ältesten Cyber-Devise hatte zuletzt die Meldung gesorgt, der Bezahldienst Paypal wolle es seinen Kunden ermöglichen, mit Bitcoin und anderen Krypto-Währungen zu bezahlen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenpoträt / Kanning, Tim (kann.)
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
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