Rohstoff-1x1

Kaffee - so beliebt und billig wie selten

25.04.2003
, 19:56
Ketten wie Starbucks verdienen gut mit Kaffee
Kaffee hat in Deutschland zuletzt eine Renaissance erlebt. Befreit vom Plüsch- und Buttercremetorten-Image, begeistert er vor allem jüngere Leute. Spekulanten interessieren sich mehr für den Kaffeepreis. Und der steigt.
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Genuss muss nicht teuer sein. Wie wahr dieser Satz ist, zeigt sich beim Kaffee. Kostete das Pfund vor gut zwanzig Jahren rund zehn Mark, so ist es heute für die Hälfte zu haben - und zum Teil noch billiger. Dabei ist die Nachfrage nach dem „Türkentrank“ in konsumstarken Ländern wie Deutschland wie in Amerika oder dem Vereinigten Königreich in den vergangenen Jahren eher gestiegen als gesunken.

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Kaffee ist „in“, weil das schwarze Gebräu einem Imagewandel unterzogen worden. Stilbildende Kaffee-Ketten wie Starbucks, Costa Coffee oder World Coffee bieten in ihren Bars eine Mischung aus italienischer Kaffeekultur und amerikanischem Lebensstil, die so gar nichts mit dem Plüsch- und Buttercremetorten-Image vergangener Tage zu hat. Die Mischung aus Schnelligkeit und Bequemlichkeit bei guter Qualität kommt vor allem bei jüngeren Leuten an, die sich einen „Moccachino“ oder einen „American Espresso“ trotz stolzer Preise gerne schmecken lassen. Die Erzeuger der grünen, erst durch Röstung ins bräunlich-schwarze changierenden Bohnen haben in jüngster Zeit von diesem Trend aber nicht profitiert. Der Erlös deckt in vielen Ländern nicht die Kosten.

Preise für Rohkaffee monatelang gesunken

Die Preise für Rohkaffee sanken von Januar bis März an den Börsen in London und New York deutlich. In der zweiten April-Hälfte haben sie allerdings wieder angezogen und den höchsten Stand seit zwei Monaten erreicht, zumindest an der New Yorker Coffee, Sugar & Cacao Exchange und in Indien, wo jeweils Terminkontrakte gehandelt werden. Der Leitkontakt Juli stieg um 0,6 Cents auf 65,65 Cents je Pfund der Sorte Arabica, der Kontrakt für die Lieferung im Monat Mai verbesserte sich um 0,9 auf 63,35 Cents. Zum Vergleich 2001 und 2002 kostete das Pfunf Rohkaffee meist um die 45 Cents.

Die Preisanstiege treffen zusammen mit Meldungen, nach denen bedeutende Anbieter weniger Kaffee als zuvor exportiert haben: Kolumbien hat im März rund 17 Prozent weniger Kaffee hervor gebracht als im Vorjahreszeitraum. Aus Vietnam sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres 28 Prozent weniger gekommen. Und Nicaragua, als kleiner „Spieler“ auf dem Markt, hat etwa 20 Prozent weniger exportiert.

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Die Großen: Brasilien, Kolumbien, Vietnam

Kolumbien und Vietnam streiten sich um die zweite Position in der Weltliga der Kaffeeproduzenten. Im Jahr 2000 hatte das asiatische Land mit einer Ernte von 0,67 Millionen Tonnen knapp die Nase vorn; der mittelamerikanische Konkurrent brachte 0,63 Millionen Tonnen hervor. Auch 2001 galt diese Reihenfolge. Doch im vergangenen Jahr hat Kolumbien mit einer Ernte von 0,678 Millionen Tonnen Vietnam überholt, das auf 0,522 Millionen Tonnen gekommen ist.

Unbestritten wichtigster Produzent der grünen, koffeinhaltigen Bohnen ist jedoch Brasilien mit einer Ernte von 2,84 Millionen Tonnen. An Platz vier rangierte zuletzt Indonesien mit 0,348 Millionen Tonnen vor Indien mit 0,282 Millionen Tonnen. Die bedeutendsten Importländer sind übrigens Amerika, Deutschland, Frankreich, Japan und Italien.

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Preis hängt auch und gerade vom Wetter im Mai ab

Wie teuer Kaffee ist, hängt nicht nur von der Nachfrage in den Abnehmerländern und der Frage ab, wie voll die Läger der Röstereien sind. Die andere Seite der Medaille, das Angebot, wird nicht zuletzt durch das Wetter bestimmt, das im Mai in Brasilien herrscht. Von Mitte dieses - in Europa sogenannten - Wonnemonats kann es nämlich rund um den Zuckerhut zu Frösten kommen. Der erscheint zwar selten, kann aber die Ernte sozusagen verhageln.

Bleibt es frostfrei, kommt es darauf an, ob es in den Folgemonaten ausreichend regnet. Ist dies nicht der Fall und der Durst auf Kaffee gleichzeitig groß, während die Läger nicht randvoll sind, kann dieser Rohstoff wieder teu(r)er werden.

Kaffee-Tracker-Zertifikat für Anleger

Die jüngste Entwicklung des Preises für Rohkaffee ist am Verkauf der Kurve des sogenannten Kaffee-Tracker-Zertifikats der Londoner Makquarie Bank abzulesen, das an der Börse Stuttgart gehandelt wird. Dieses Wertpapier verbilligte sich von Oktober bis Ende März von 80 auf 57,69 Euro, um sich anschließend auf zuletzt 61,35 Euro zu verteuern. Damit ist das Zertifikat preislich in etwa dort angekommen, wo es im August vergangenen Jahres an der Börse gestartet ist.

Mit anderen Worten: Der Kurs ist starken Schwankungen unterworfen. Wie eben der Preis für Kaffee auf dem Weltmarkt auch. Dies sollte bedenken, wer damit liebäugelt, in die grünen Bohnen zu investieren.

Der Chart zeigt den Kursverlauf des Kaffee-Tracker-Zertifikats

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