Rohstoffe

Anleger ziehen sich aus Goldmarkt zurück

Von Tim Höfinghoff
15.12.2011
, 15:45
Goldbarren
Investoren verkaufen Rohstoffe, inklusive Gold. Der Preis fällt so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr. Großanleger, wie Hedgefonds, sichern zum Jahresende ihre Gewinne.

Am Donnerstag ist der Goldpreis weiter gesunken. Dabei war der Preisrückgang schon zuvor besonders stark ausgefallen: Am Mittwochabend hatte sich der Verkauf des Edelmetalls beschleunigt, Gold verbilligte sich damit so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr.

„Wir erleben massive Verkäufe am Rohstoffmarkt“, sagt Christoph Eibl, der mit seinem Schweizer Unternehmen Tiberius Group rund 2,5 Milliarden Dollar in Rohstoff-Fonds verwaltet. „Davon kann sich auch Gold nicht entziehen.“ Die Preise für Industriemetalle wie Kupfer, aber auch Rohöl hatten ebenfalls nachgegeben. Anleger fürchten eine Verschlechterung der Konjunkturlage nicht nur in den Industriestaaten, sondern auch in Ländern wie China, deren Rohstoffverbrauch hoch ist.

Auffällig ist, dass trotz einer angespannten Lage bezüglich der Schuldenkrise und den Konjunktursorgen in Europa und Amerika der Goldpreis so stark sinkt. Denn das Metall gilt als Krisenwährung, der Preis steigt in der Regel, je schlechter die Nachrichten für Investoren sind. Die Furcht vor Geldentwertung hatte den Goldpreis dieses Jahr auf immer neue Höhen getrieben, auch Notenbanken kaufen in großem Stil. Anfang September kostete Gold mit 1921 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) so viel wie noch nie. Der Goldpreise steigt schon das elfte Jahr in Folge. Am Donnerstagabend lag der Preis bei 1565 Dollar.

Hedgefonds ziehen sich zurück

Nach Einschätzung von Eibl hat Gold allerdings „seinen Status als Krisenwährung teilweise eingebüßt“. Er prognostiziert, dass der Preis bis Ende des kommenden Jahres auf bis zu 1300 Dollar fallen sollte. In den vergangenen Tagen „ist der Goldmarkt mit großen Umsätzen abverkauft worden“.

Wichtig für Analysten und Anleger, die sich an sogenannten technischen Indikatoren orientieren, ist die Tatsache, dass der Goldpreis in dieser Woche die 200-Tage-Linie durchbrochen hat. Die Rohstoffanalysten der Commerzbank urteilen: „Dies geschah zum ersten Mal seit Januar 2009 und dürfte den Abverkauf noch verstärkt haben.“ Daher könne es „zunächst zu weiteren Verkäufen kommen“, wie die Analysten in einem Bericht schreiben. Ein Preisrückgang unter die Marke von 1500 Dollar sei möglich.

Der Goldverkauf in dieser Woche erinnert an die Situation im Dezember 2008: „Damals sank der Preis ebenfalls, nachdem sich Anleger zurückgezogen hatten“, sagt Investor Eibl. Auch in dieser Woche zeige sich, dass viele Anleger „kurz vor Ende des Jahres ihre Handelsbücher schließen und sich unter anderem auch aus dem Goldmarkt verabschieden“. Kein Wunder, dass sie jetzt Kasse machen, denn im Goldmarkt waren dieses Jahr sehr hohe Renditen zu erzielen. Der Goldpreis liegt - trotz des Rückgangs in den vergangenen Tage - seit Jahresanfang immer noch mit 10 Prozent im Plus. Zum Vergleich: Der deutsche Aktienindex Dax notiert in demselben Zeitraum mit 18 Prozent im Minus.

Bereits im September dieses Jahres hatte sich gezeigt, dass Anleger dem Goldmarkt verlassen, um Gewinne zu sichern und Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen. Im September hatte der Goldpreis deshalb innerhalb nur einer Woche 15 Prozent verloren.

Banken senken Preisprognose

Beigetragen zum Goldpreisrückgang hat zuletzt auch die Stärke des Dollar gegenüber dem Euro. Die Gemeinschaftswährung war zum Dollar so tief gesunken wie seit Anfang des Jahres nicht mehr. Da Gold in Dollar gehandelt wird, macht ein Dollaranstieg den Kauf tendenziell weniger attraktiv.

Trotz des Preisverfalls am Goldmarkt: Manche Banken wie die Schweizer UBS rechnen damit, dass sich die Preise wieder erholen sollten. Die UBS senkte zwar am Mittwoch ihre Preisprognosen für verschiedene Metalle, doch erwartet die Bank für Gold im nächsten Jahr einen Durchschnittspreis von 2050 Dollar je Feinunze. Zuvor war die UBS noch von einem Durchschnittspreis im Jahr 2012 von 2075 Dollar ausgegangen. Auch bei der Commerzbank herrscht die Auffassung, dass „die mittel- bis langfristig orientierten Anleger Gold nach wie vor treu bleiben“. So hätten Rohstoff-Fonds wie die Gold-ETF (Exchange Traded Funds, ETF) weiterhin keine Abflüsse verzeichnet. Das niedrige Preisniveaus locke „schon bald zu Schnäppchenkäufen“.

Quelle: F.A.Z.
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