Rohstoffe

Der Ölpreis bleibt in Rekordlaune

17.03.2005
, 22:14
Trotz Anhebung der OPEC-Förderquoten um 500.000 Barrel steigen die Preise seit Tagen unaufhörlich. Das Kartell ist in Sorge, wegen der starken Bedrohung der Entwicklung für die Weltwirtschaft.

Der Preis für Rohöl ist in Rekordlaune: Seit Tagen steigt er unaufhörlich. Trotz der Anhebung der Opec-Förderquoten stieg der Ölpreis auch am Donnerstag auf Rekordstände: In der Spitze kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte WTI in New York auf 57,50 Dollar. In London erreichte der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent mit 56,15 Dollar ebenfalls einen Höchststand.

Obgleich die Notierungen für die Sorte West Texas Intermediate (WTI) in New York offiziell erst am Mittwoch neue Höchststände erreichten und damit den bisherigen, Ende Oktober 2004 verzeichneten Rekord von 55,65 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) überschritten, wurden die Spitzenstände dort in den Terminkontrakten von Mai an bis in den Sommer hinein bereits in der vergangenen Woche übertroffen.

Wachsende Inflationsgefahr

Daß nicht zuvor schon von neuen Rekordpreisen berichtet wurde, liegt daran, daß der jetzt auslaufende April-Termin als Spot-Kontrakt und damit weithin als Gradmesser des Preisgeschehens betrachtet wird. Auf der gesamten, bis Dezember 2011 reichenden Kurve der Terminpreise liegt selbst der Dezember-Kontrakt 2007 inzwischen mit gut 51 Dollar deutlich über der nun nicht mehr als magisch geltenden Marke von 50 Dollar je Barrel. Der jüngste Anstieg des Ölpreises hat auch an den Finanzmärkten Spuren hinterlassen. So wird die gegenwärtig als labil bis schwach bezeichnete Tendenz an den Aktienmärkten auch mit der Verteuerung dieses wichtigsten Energierohstoffs und deren möglichen konjunkturellen Folgen begründet.

Auch die jüngst stark gestiegenen Kapitalmarktzinsen haben nach Darstellung zahlreicher Kommentatoren ihre Ursache wenigstens zum Teil im hohen Ölpreis und in den damit wachsenden Inflationsgefahren. Doch diese These ist nicht unbestritten: Die Verteuerung des Öls könnte auch dahin gehend gedeutet werden, daß sie die ohnehin nicht mehr sehr robuste Weltkonjunktur dämpfen könnte und daher nicht viel Raum für eine unwillkommen starke Zunahme der Inflation lasse.

Erhöhung um 500.000 Barrel

Die am 16. März von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) verkündeten Beschlüsse als Grund für die jüngsten Preissteigerungen am Ölmarkt anzuführen trifft den Kern des Geschehens nach Darstellung einiger Analysten nicht. Das Kartell hat sich entschieden, die offizielle Fördermenge vom 1. April an um 500.000 Barrel auf 27,5 Millionen Barrel am Tag zu erhöhen, und sich die Option offengehalten, die Obergrenze im Laufe des zweiten Quartals um weitere 500.000 Barrel anzuheben.

Diese Regelung gilt nur für die zehn „aktiven“ Mitglieder, also nicht für den Irak. Mit der Erhöhung der Fördermenge hat die Opec aber nur abgesegnet, was tatsächlich bereits Realität war, denn einige ihrer Mitglieder produzieren notorisch über die ihnen zustehenden Quoten hinaus. Der Beschluß des Kartells kann nach dem Urteil von Analysten insofern als Überraschung bezeichnet werden, als sich einige Mitglieder noch kurz vor der Tagung eher für eine Senkung ausgesprochen hatten.

Große Sorge des Kartells

Weithin heißt es jetzt, das Kartell sei von den jüngsten Preissteigerungen in große Sorgen gestürzt worden. Sie bedrohten die Weltwirtschaft. Konjunkturelle Schwäche ließe den Ölbedarf zurückgehen und den Preis sinken. Eine auf lange Sicht wohl noch größere Sorge des Kartells gelte dem Umstand, daß Preise von nachhaltig mehr als 50 bis 55 Dollar die Suche nach alternativen Energiequellen sehr dynamisch vorantreiben dürften.

Damit würde sich die Gefahr abzeichnen, daß Öl als noch führender Energieträger in überschaubarer Zeit auf Dauer abgelöst werden könnte. Vor diesem Hintergrund halten es Fachleute für verständlich, daß das Kartell den Ölpreis jetzt herunterzureden versuche. Ob dies angesichts der weitgehend ausgeschöpften Förderkapazitäten und auch der Raffineriekapazitäten Erfolge bringe, bleibt aber abzuwarten.

Quelle: hi. / F.A.Z., 18.03.2005, Nr. 65 / Seite 27
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