Rohstoffe

Privatanleger können künftig leichter in Gold investieren

02.12.2003
, 18:12
Der Goldpreis befindet sich auf einem Siebenjahreshoch - Grund genug für den World Gold Council einen neuen Goldfonds herauszubringen. Experten sehen den Goldkurs weiter steigen.

Das Investieren in Gold dürfte für den Privatanleger bald wesentlich einfacher und günstiger werden. An diesem Dienstag, als sich der Goldpreis über der Grenze von 400 Dollar je Feinunze hielt und damit zeitweise den höchsten Stand seit sieben Jahren erreichte, kündigte der Zusammenschluß der größten Goldförderer die Emission eines neuen Goldfonds an der Londoner Aktienbörse an.

Der World Gold Council, hinter dem die führenden Goldminen der Welt stehen, sprach von einem historischen Ereignis: "Seit mehr als 350 Jahren ist Gold in London gehandelt worden, doch es war niemals so leicht zugänglich wie in naher Zukunft", sagte Chief Executive James Burton. Der World Gold Council wird am kommenden Dienstag eine offenen Investmentfonds an der London Stock Exchange (LSE) notieren, der zu 100 Prozent von physischem Goldkäufen gedeckt ist und ausschließlich in Goldbarren investiert.

Konkurrenzfähiges Angebot

Ein Anteil an dem Gold Bullion Securities (GBS) genannten Fonds kann für ein Zehntel des aktuellen Goldpreises einer Feinunze erworben werden. Derzeit entspricht dies rund 40 Dollar. Der World Gold Council, der eine gemeinnützige Organisation zur Förderung von Goldkäufen ist, setzt dabei eine geringe jährliche Managementgebühr von 0,3 Prozent der Investitionssumme an.

Gegenüber der üblichen Gebühr von börsennotierten Fonds - in den Vereinigten Staaten häufig 0,5 Prozent im Jahr - ist dies ein konkurrenzfähiges Angebot. Vor allem aber ist es vorteilhaft im Vergleich zu den sonstigen Möglichkeiten, in Gold zu investieren. Für einen Privatanleger können die Kosten für eine Transaktion aufgrund des Spread zwischen Brief- und Geldkurs bis zu 7 Prozent betragen, sagte Simon Village, der geschäftsführende Direktor von GBS. Die hohen Kosten für Versicherung und Lagerung des Goldes seien da noch gar nicht eingeschlossen.

120 Tonnen Potential

GBS soll wie ein offener Investmentfonds arbeiten, dessen einziges Ziel der Kauf von Goldanteilen ist. Mit jedem neuen Investor steigt die Menge, die der Fonds besitzt. Es wird erwartet, daß der Preis für den Fonds daher ziemlich genau den Goldpreis nachzeichnet. Diese Erfahrung machte auch ein ähnliches Produkt, das im März dieses Jahres in Australien gestartet wurde. Die Investoren dort - zu 80 Prozent institutionelle Anleger - kauften inzwischen 8 Tonnen Gold. Analysten haben für das Londoner Vehikel ein Potential von bis zu 120 Tonnen vorhergesagt.

Die Vertreter von GBS glauben, daß die Anleger Gold auch auf den erreichten Preishöhen als Investition in Erwägung ziehen sollten. Vor allem zur Diversifizierung sei das Edelmetall geeignet, da praktisch keine Preiskorrelation mit Aktien, Anleihen, Immobilien und Barmitteln bestehe. Es sei ein sicherer Hafen in turbulenten Zeiten, zudem eine 24 Stunden am Tag verfügbare Anlageform.

Schwacher Dollar als Goldpreistreiber

Etliche Analysten trauen dem Goldpreis eine weitere Steigerung zu. Kevin Norrish, Chef der Rohstoffanalyse bei Barclays Capital, hält einen Anstieg auf 418 Dollar in den nächsten Wochen für möglich. Der schwache Dollar - traditionell ein Goldpreistreiber - sei der Hauptgrund. Zudem werde eine Verlängerung des 2004 auslaufenden Notenbank-Abkommens über einen kontrollierten Goldverkauf erwartet. Daß sich die Goldminen von der Praxis verabschieden, Gold auf Termin zu verkaufen, wirke ebenfalls unterstützend, auch wenn dieser Effekt langsam auslaufe, sagt Norrish.

Für Euro-Investoren stellt sich der starke Anstieg des Goldpreises freilich geringer dar als für Dollar-Anleger. Seit Ende 2002 hat sich der Goldpreis in Euro gerechnet kaum verändert. Seit seinem Tiefpunkt des Jahres 1999 indes stellt sich dennoch ein Plus von 40 Prozent ein.

GBS will seinen Fonds auch an anderen Börsen notieren lassen. Mit Frankfurt laufen Gespräche, in New York ist bereits die Genehmigung beantragt. Für die Verwahrung des Goldes sind die britische Bank HSBC und ihre Vertragspartner zuständig. Als Marktmacher fungieren UBS, Deutsche Bank und HSBC.

Quelle: chs., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2003, Nr. 281 / Seite 21
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