Rohstoffe

Stabilisierung am Rohstoffmarkt

19.04.2005
, 20:23
Seit Jahresbeginn liegt der CRB-Index, der die Preise von 17 Rohstoffen abbildet, trotz der jüngsten Rückschläge 7 Prozent im Plus. Als Hauptgrund für die jüngste Korrektur der Rohstoffpreise gilt die große Dynamik der vorangegangenen Aufwärtsbewegung.

Die Preise an den Rohstoffmärkten stabilisieren sich wieder. In den ersten beiden Handelstagen dieser Woche sind die Notierungen leicht angezogen, nachdem sie in der vergangenen Woche noch im freien Fall zu sein schienen. Trotz der jüngsten Korrektur ist die Rohstoff-Hausse damit offenbar ungebrochen. Dies ist zumindest der gängige Tenor in Fachkreisen. Der Index des Commodity Research Bureau (CRB-Index), der die Preise von 17 Rohstoffen abbildet, hat seit seinem Mitte März verzeichneten langjährigen Hoch lediglich 7 Prozent eingebüßt.

Als Hauptgrund für die jüngste Korrektur der Rohstoffpreise gilt die große Dynamik der vorangegangenen Aufwärtsbewegung. Auf der Suche nach einer höheren Rendite flossen mehr und mehr spekulative Gelder in die verschiedenen Rohstoffmärkte, viele Preise schnellten innerhalb kürzester Zeit empor. Binnen vier Wochen schoß beispielsweise der CRB-Index um rund 15 Prozent nach oben und erreichte dabei den höchsten Stand seit 24 Jahren. Zu dem hohen Anteil spekulativer Kräfte gesellten sich zuletzt die Sorgen der Marktteilnehmer vor einer insgesamt nachlassenden Wachstumsdynamik.

Zwischenzeitliche Korrektur?

„Die jüngsten negativen Konjunktursignale aus den Vereinigten Staaten wurden von den Investoren einfach auf China und die Weltwirtschaft insgesamt übertragen“, sagt Pierre Martin, Fondsmanager bei der DWS. An ein Ende der Rohstoff-Hausse glauben er und andere Rohstoffexperten allerdings nicht, allenfalls eine zwischenzeitliche Korrektur. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft und der damit verbundene immense Bedarf an Rohstoffen wie Industriemetallen und Rohöl könnten nicht einfach gestoppt werden, meint Martin. Zudem gilt das aufstrebende Indien als der nächste, große Nachfrager auf den Rohstoffmärkten.

Etwas pessimistischer äußert sich Anlageberater Marc Faber. Das Umfeld für Rohstoffe sei derzeit nicht besonders positiv, da sich die international verfügbare Liquidität verringert habe. Vieles hänge nun von der Geldpolitik der amerikanischen Notenbank ab. In den nächsten vier bis sechs Monaten rät er insofern zur Zurückhaltung bei Rohstoffinvestments. Lediglich einzelne Märkte wie die der Agrarrohstoffe Weizen, Mais oder Sojabohnen böten sich derzeit relativ attraktiv dar. Nach Ansicht Martins sollten Schwächephasen eher zum Einstieg genutzt werden, auch wenn sich Anleger durchaus bewußt sein sollten, daß die Preise vorerst noch weiter fallen könnten.

Preisrückgänge relativieren sich

Rohstoffzyklen sind vergleichsweise lang. Sie können zehn, zwanzig Jahre oder mehr dauern. Von einem langfristigen Hoch beziehungsweise Tief bis zum nächsten können durchaus 45 bis 60 Jahre vergehen, erläutert Faber. Allerdings gingen diese Zyklen mit großen Schwankungen einher. Rohstoffproduzenten neigen zudem zu prozyklischem Verhalten. In Phasen hoher Preise nehmen die Investitionen zu und umgekehrt.

Die jüngsten Preisrückgänge relativieren sich zudem im Zeitvergleich. Rohstoffe haben im vergangenen Jahr kräftig haussiert (siehe Grafik) und mit ihnen viele Rohstoffaktien, die Gewinner dieses Booms. Denn Rohstoffkonzerne und Ölgesellschaften arbeiten profitabler, wenn die Preise hoch sind. Seit Jahresbeginn liegt der CRB-Index noch immer mit 8 Prozent im Plus und läßt damit andere Anlageklassen wie Aktien hinter sich. Beim Aktienindex Stoxx-600 schlägt nur ein Plus von 3 Prozent zu Buche.

Quelle: kpa., F.A.Z., 20.04.2005, Nr. 91 / Seite 27
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