Scherbaums Börse

Es lebe die Cloud

Von Christoph Scherbaum
15.10.2021
, 13:15
Starke Marke: Logo von SAP an einem Firmengebäude
SAP hat mit seinen jüngsten Zahlen positiv überrascht. Die Strategie von Konzernchef Christian Klein scheint aufzugehen. Und aus Sicht von Analysten und der nüchternen Charttechnik gibt es gute Gründe, einen Blick auf das wertvollste Dax-Unternehmen zu werfen.
ANZEIGE

An der Börse werden nicht selten Anleger belohnt, die Geduld haben und nicht gleich bei der ersten Gewinnwarnung Aktien verkaufen. Ein gutes Beispiel hierfür bietet SAP. Das Walldorfer Unternehmen ist bekanntlich nicht nur Europas führender Softwarekonzern, sondern auch das wertvollste Unternehmen Deutschlands. So etwas verpflichtet und lässt Anlegeransprüche wachsen.

ANZEIGE

Entsprechend hatte auch der Schock bei Börsianern tief gesessen, als der Dax-Konzern vor gut einem Jahr seine mittelfristigen Ziele kassiert hat. Grund dafür waren die Auswirkungen der Corona-Krise. Unternehmen zeigten sich damals etwas zögerlicher bei ihren Investitionen in neue Digitalisierungsangebote. Hinzu kam, dass die Übernahme von Concur deutliche Auswirkungen hatten. SAP hatte den Deal mit dem auf Reise- und Kostenverwaltungsdienste spezialisierten US-Softwareanbieter einfach zu einem schlechten Zeitpunkt gemacht – die Lockdowns verhinderten viele Geschäftsreisen und schmälerten die Erträge.

Börse honoriert Ergebnisse

Letztlich hat aber der Dax-Konzern in den vergangenen zwölf Monaten seine Hausaufgaben gemacht. Eine Serie von Prognoseerhöhungen und starken Quartalsberichten haben nun jedoch dazu geführt, dass verlorengegangenes Anlegervertrauen zurückgewonnen werden konnte. Noch ist die SAP-Aktie zwar von ihrem Allzeithoch im ?? bei rund 143 entfernt, aber mit den vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal 2021 hatte SAP einmal mehr für Vertrauen werben können. Zur Erinnerung: Im Herbst 2020 fiel der Kurs innerhalb weniger Wochen von diesem Niveau um fast 40 Prozent auf 90 Euro zurück.

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. Bild: Christoph Scherbaum

„Die Aktionäre können endlich wieder aufatmen, nicht nur dank der guten Quartalszahlen, sondern auch wegen der leicht angehobenen Prognose“, kommentiert Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Honoriert werden an der Börse vor allem die SAP-Ergebnisse im Bereich des Cloud-Geschäfts. Seit Jahren steht dies bei den Walldorfern im Fokus. Kunden gehen immer mehr zu einer Softwarenutzung im Internet über. Entsprechend gerne hörten Marktteilnehmer, dass im September-Quartal eine deutliche Beschleunigung der Wachstumsdynamik im Cloudgeschäft festgestellt werden konnte. Konzernweit wurde ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent erzielt. Wesentlich wichtiger ist:

ANZEIGE

Die Clouderlöse legten um 20 Prozent auf 2,39 Mrd. Euro zu. Im Gesamtjahr 2021 sollen die Clouderlöse um 16 bis 19 Prozent auf 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro zulegen. Zuvor hatte sich SAP lediglich einen Wert in Höhe von 9,3 bis 9,5 Milliarden Euro zugetraut. Darüber hinaus wurde die Prognose für die währungsbereinigten Cloud- und Softwareerlöse von 23,6 bis 24,0 Mrd. Euro auf nun 23,8 bis 24,2 Mrd. Euro angehoben. Diese Spanne entspricht währungsbereinigt einer Wachstumsrate von 2 bis 4 Prozent. „Die Strategie von Christian Klein scheint aufzugehen, denn S4 HANA Cloud entwickelt sich zu einem echten Verkaufsrenner“, kommentiert Jella Benner-Heinacher den Ausblick der Walldorfer. Seitens der Analysten ist man ebenfalls angetan. Das Cloud-Wachstum beschleunige sich, schrieb jüngst Analyst Andreas Wolf von Warburg und rät zum Kauf. Die Baader Bank sieht derweil das Kursziel bei 144 Euro, schreibt aber auch, dass die mittelfristigen Pläne des Konzerns bis 2025 angesichts der aktuellen Geschäftsentwicklung weiterhin eher vorsichtig formuliert erscheinen würden. Der Wandel des Geschäftsmodells hin zu weniger Schwankungen bei Umsatz und Gewinn sei nach wie vor nicht in den Aktienkurs eingepreist.

Aktuell liegt die Prognose für das Betriebsergebnis seitens SAP bei 8,1 bis 8,3 Milliarden Euro, nach zuvor 7,95 bis 8,25 Milliarden Euro. Allerdings würde dies einer währungsbereinigten Wachstumsrate von lediglich 0 bis minus 2 Prozent entsprechen. Ohnehin hatte das Management Anleger im vergangenen Herbst auf magere Zeiten auf der Ergebnisseite eingestimmt. Grund dafür sind die höheren Investitionen in das Wachstum des Cloudgeschäfts. SAP hatte den negativen Effekt dieser erhöhten Ausgaben auf die operative Marge von 2023 im Vergleich zu den früheren mittelfristigen Zielsetzungen auf etwa 4 bis 5 Prozentpunkte beziffert. Außerdem müssen die in den vergangenen Jahren getätigten Übernahmen integriert werden. Mittel- bis langfristig sollen sich die höheren Ausgaben jedoch auszahlen.

ANZEIGE

Kampf um die Spitze

Die Cloud-Erlöse sollen bis 2025 auf mehr als 22 Milliarden Euro ansteigen. Konzernweit wird mit Umsätzen in Höhe von über 36 Milliarden Euro gerechnet. Allerdings könnte dies immer noch zu wenig sein, um sich die Spitzenposition im zukunftsträchtigen Cloudgeschäft zu sichern. Besonders aggressiv geht hier der amerikanische Konkurrent Salesforce vor.

Dieser hatte zuletzt den Büro-Messenger-Anbieter Slack für 28 Milliarden Dollar übernommen und sich für das Geschäftsjahr 2025/2026 (Ende Januar 2026) einen Umsatz von mehr als 50 Milliarden Dollar zum Ziel gesetzt. Entsprechend wichtig wird es für SAP sein, weiterhin in den Cloud-Bereich zu investieren und die voranschreitende Digitalisierung in Unternehmen zu begleiten. Zumal die Corona-Krise auch gezeigt hat, dass in diesem Bereich reichlich Potenzial für Technologieunternehmen lauert.

SAP-Aktionäre dürften angesichts der jüngsten Entwicklung entspannt sein. Zum einen präsentiert sich das Dax-Unternehmen seit vielen Jahren mit einer soliden und kontinuierlichen Dividendenpolitik. Abseits der Dividende konnten Anleger auf Dekadensicht 13 Prozent Rendite pro Jahr mit der Aktie der Walldorfer erzielen.

Wer nun noch ein bisschen Charttechnik hinzunimmt und einen längerfristigen Indikator wie die 200-Tage-Linie betrachtet, wird durchaus gute Argumente finden, sich mit der SAP-Aktie genauer zu beschäftigen. Die SAP-Aktie notiert aktuell deutlich über der bei 115 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie, was den Aufwärtstrend bedeutet. Setzt sich dieser fort, wäre auch das bisherige Allzeithoch bei 143,30 Euro ein realistisches Ziel, was zuletzt auch von diversen Analysten ausgerufen wurde.

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE