Auskunftei

Gerüchte um Schufa-Verkauf

Von Franz Nestler
30.03.2021
, 14:32
Fast jeder kennt sie: Die Schufa.
Die Besitzer der Auskunftei sondieren den Markt. Am Ende könnte ein kompletter Verkauf der Schufa stehen. Zuletzt gab es viel Kritik an der Datensammelwut des Unternehmens.
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Eigentlich bewertet die Schufa Menschen bezüglich ihrer Bonität. Diese Informationen verkauft die Schufa Holding AG an Unternehmen und die Bewerteten selbst. Wer also einen Handyvertrag hat, eine neue Wohnung anmieten möchte oder auch nur eine Kreditanfrage stellt, kommt dabei mal mehr, mal weniger unsichtbar mit der Schufa in Begegnung. Doch nun könnte ausgerechnet die Auskunftei selbst verkauft werden. Das berichtet die Finanznachrichten-Agentur Bloomberg.

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Doch von vorn: Die Abkürzung Schufa steht eigentlich für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Sie wurde bereits im Jahr 1927 gegründet. Ursprünglich verkaufte die Berliner Elektrizitätsgesellschaft (Bewag) in den zwanziger Jahren nicht nur Strom an die Berliner, sondern auch auf Raten finanzierte Haushaltsgeräte. Das Prinzip war einfach: Wer regelmäßig seine Stromrechnung zahlte, war kreditwürdig. Diese Idee fanden der leitende Bewag-Mitarbeiter Walter Meyer und sein Bruder Kurt Meyer so gut, dass sie kurzerhand ein Unternehmen gründeten, was sich nur auf die Bonitätsprüfung verstand. Doch das ist lang vorbei, mittlerweile ist die Schufa im Besitz von Einzelhandelsunternehmen, aber überwiegend von Banken. Die Kreditbanken halten demnach rund 35 Prozent, die Sparkassen etwa 26 Prozent, und die privaten Banken haben einen Anteil von knapp 18 Prozent.

Laut Bloomberg sollen dabei konkret unter anderem die Deutsche Bank und die Commerzbank prüfen, ihre Anteile abzugeben. Es soll dabei auch über einen Komplettverkauf nachgedacht werden. Angestoßen worden sein sollen die Gespräche durch eine Interessensbekundung des schwedischen Finanzinvestors EQT. Nun sollen weitere Private-Equity-Investoren zu den Interessenten gehören, darunter auch Hellman & Friedman aus den Vereinigten Staaten. Bloomberg vermutet, dass die Schufa rund 2 Milliarden Euro wert sein sollte. Doch noch befinden sich die Gespräche wohl in einem sehr frühen Stadium, und es ist nicht gesagt, ob es zu einem Verkauf oder Teilverkauf kommen kann. Doch es könnte zum Politikum werden, und Datenschützer schlagen schon vorbeugend die Hände über dem Kopf zusammen, sollte ein amerikanischer Finanzinvestor über den Datenschatz der Schufa indirekt verfügen können. Immerhin hat sie fast 68 Millionen Deutsche bewertet und 6 Millionen Unternehmen.

Zuletzt stand die Schufa aber auch häufig in der Kritik, wie diese Zeitung etwa zuletzt am 28. November berichtete. Sie plant dabei schon länger, auf noch mehr Daten zuzugreifen. Zuletzt arbeitete sie an Plänen, Kontoauszüge auszuwerten. Das Projekt mit dem Namen Check Now zog allerdings so viel Kritik auf sich, dass sich als Kooperationspartner der Telekommunikationskonzern O2 schnell zurückzog und das Projekt beendete. So ganz mochte man sich aber von Check Now noch nicht verabschieden, man plant, das Projekt umzubenennen und grundsätzlich anders zu gestalten. So sollen die Verbraucher vorab selbst die Daten und die Auswirkung auf die Bonität bekommen dürfen und dann selbst entscheiden, ob sie diese weiterleiten wollen. Davor gab es Pläne, auf Daten der Stromanbieter zuzugreifen, um zu sehen, wie treu ein Kunde ist. Nach Protesten musste man auch hier zurückrudern.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Nestler, Franz
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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