Franken-Kurs steigt

Schweiz prescht mit Zinserhöhung vor

Von Johannes Ritter
16.06.2022
, 12:47
Kurswechsel: Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) während einer Generalversammlung im Jahr 2019
Die Schweizerische Nationalbank SNB geht entschlossener als die Europäische Zentralbank gegen Inflationsgefahren vor. Das stärkt den Franken, kommt am Aktienmarkt aber nicht gut an.
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Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) strafft ihre Geldpolitik. Wie die SNB am Donnerstagmorgen mitteilte, erhöht sie den Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben um einen halben Prozentpunkt auf minus 0,25 Prozent. „Wir wollen so dem gestiegenen inflationären Druck entgegenwirken“, sagte der SNB-Präsident Thomas Jordan in einer Pressekonferenz. Es ist die erste Zinserhöhung in der Schweiz seit 2007.

Der Franken gewann im Anschluss an diese Entscheidung an Kraft. Der Euro kostete 1,0240 Franken, nachdem die Gemeinschaftswährung vor der Bekanntgabe noch für 1,0380 Franken zu haben war. Am Schweizer Aktienmarkt purzelten die Kurse. Der Leitindex SMI gab in einer ersten Reaktion gut 2 Prozent nach.

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Mit der strafferen Geldpolitik wolle man verhindern, dass die Inflation in der Schweiz breiter auf Waren und Dienstleistungen übergreife, sagte Jordan. „Es ist nicht auszuschließen, dass in absehbarer Zukunft weitere Zinserhöhungen nötig werden, um die Inflation auf mittlere Frist im Bereich der Preisstabilität zu stabilisieren“, fügte er an. Zudem sei die Nationalbank bei Bedarf weiterhin bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren.

Erstmals seit vielen Jahren bezog sich der SNB-Präsident mit dieser Äußerung nicht nur auf das in den vergangenen Jahren ausschließlich genutzte Instrument der Devisenkäufe. Im Gegenteil seien für den Fall einer unerwünscht starken Abschwächung des Frankens auch Verkäufe von Devisen denkbar, sagte Jordan.

Die Zinsänderung, die von diesem Freitag an gilt, kommt überraschend. Die meisten Ökonomen hatte damit gerechnet, dass die SNB erst nach einem entsprechenden Schritt der EZB die Zinsen anheben würde, zumal die Inflation in der Schweiz mit zuletzt 2,9 Prozent (Mai) bisher deutlich geringer ausfiel als im Euroraum. Allerdings hat sich die Teuerung zuletzt beschleunigt. Sie liegt seit einigen Monaten oberhalb des Korridors von 0 bis 2 Prozent, den die Notenbank anpeilt. Jordan hob die Weitsichtigkeit der SNB-Entscheidung hervor: „Die größten Kosten entstehen, wenn die Inflation außer Kontrolle geraten ist und eine restriktive Geldpolitik für längere Zeit gefahren werden muss.“

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Erleichtert wurde der Schritt durch die Neubeurteilung des Frankenkurses: Die SNB bewertet diesen nicht mehr als „hoch“. Der Franken habe sich trotz der höheren Inflation im Ausland handelsgewichtet abgewertet, sagte Jordan. „So wurde die Inflation aus dem Ausland verstärkt in die Schweiz importiert.“

Die SNB rechnet im gesamten Jahr 2022 nun mit einer Inflation von 2,8 Prozent, nachdem sie im März noch 2,1 Prozent veranschlagt hatte. Jordan sieht Anzeichen dafür, dass die Inflation auch auf Waren und Dienstleistungen übergreift, die nicht direkt vom Krieg in der Ukraine und den Pandemiefolgen betroffen sind. „Im heutigen Umfeld werden Preiserhöhungen rascher weitergegeben und auch einfacher akzeptiert, als dies noch bis vor Kurzem der Fall war.“ Es bestehe die Gefahr, dass sich Zweitrundeneffekte verfestigten, wenn die Inflation längere Zeit oberhalb von 2 Prozent liege.

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Etliche Ökonomen hießen den Zinsschritt gut. „Glückwunsch, SNB“, schrieb Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. Je schneller es mit den Leitzinsen nach oben gehe, desto besser seien Inflationsgefahren unter Kontrolle zu bringen. Auch dass die SNB vor der EZB reagiere, sei richtig. Die SNB hat sich nach Ansicht Gitzels damit emanzipiert. „Dies macht aber einmal mehr deutlich, wie sehr die EZB im Hintertreffen ist. Die europäischen Währungshüter fahren derzeit im Bummelzug weiter und riskieren damit die Glaubwürdigkeit ihre Geldpolitik.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ritter, Johannes
Johannes Ritter
Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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