Börsenwoche

Signale der Notenbanken werden eingepreist

Von Gregor Brunner
14.01.2022
, 17:37
Je lesbarer die Signale der Notenbanken werden, desto weniger extrem sollten Marktreaktionen ausfallen.
Im Moment verlieren sich viele Analysten in den Details der zu erwartenden geldpolitischen Schritte der Notenbanken. Einig ist man sich bezüglich der übergreifenden Tendenzen – nun müssen die Notenbanken diesen noch folgen.
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Am Mittwoch vermeldete das amerikanische Büro für Arbeitsmarktstatistiken die höchste Teuerungsrate der US-Verbraucherpreise seit 40 Jahren. Um sieben Prozent stiegen die Preise im vergangenen Dezember gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Und dennoch blieben die Märkte ruhig. Am Ende des Tages lagen Dow Jones und der Index der Technologiebörse Nasdaq leicht im Plus.

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Einerseits herrschte Gelassenheit, weil die Inflation bereits im November 6,8 Prozent betragen hatte und ein Anstieg um 0,2 Prozentpunkte nicht als zu dramatisch empfunden wurde. Andererseits weil man bereits mit einer solchen Zahl gerechnet hatte. Eines der wichtigsten Güter an den Finanzmärkten ist Vertrauen. Geben beispielsweise Notenbanken Signale, die auf eine baldige Änderung der Geldpolitik hindeuten, dann dürften Anleger weniger extrem reagieren, sobald das signalisierte eintritt.

Das Gegenteil war im vergangenen November zu beobachten, als die Bank of England Erwartungen enttäuschte, indem sie an ihrer lockeren Geldpolitik festhielt, nachdem zuvor aufgrund von Aussagen führender Notenbanker auf eine Zinserhöhung spekuliert wurde. Daraufhin wertete der britische Pfund sprunghaft ab.

Alles blickt auf die US-amerikanische Notenbank

Nun fiebern Marktakteure den Zinsschritten und dem Abbau des Anleiheportfolios der amerikanischen Federal Reserve entgegen. Ein Großteil des Marktes erwartet erste Maßnahmen Mitte März. Unsicher hingegen ist, wie viel sich die amerikanischen Notenbanker zutrauen. Drei oder vier Zinsschritte sind zu erwarten, je nachdem welchem Beobachter man Glauben schenkt. Diese Unschärfe und die Frage, ob ein zu forsches Handeln die Erholung der Wirtschaft gefährden könnte, drückten zum Wochenende hin die Preise vor allem an der Nasdaq.

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In Europa darf man hingegen auch 2022 mit einer ruhigen Hand der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnen. „Im Vergleich zu den USA erwarten wir für die Eurozone im Jahr 2022 ein geringeres Wirtschaftswachstum und auch einen geringeren Preisdruck. Das verschafft der EZB den Spielraum, ihre Geldpolitik behutsamer zu straffen als die US-Notenbank“, kommentiert Analyst Martin Zurek von der Weberbank.

Indes hat am Freitag die Berichtssaison begonnen, welche neben den Notenbanken die Köpfe der Anleger in den kommenden Wochen bestimmen wird. Die amerikanische Großbank JP Morgan gab einen verhaltenen Auftakt mit geringeren Gewinnen als im Vorjahreszeitraum. Fondsanbieter Blackrock hingegen meldete mit 10 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen einen Rekordwert.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Brunner, Gregor
Gregor Brunner
Redakteur in der Wirtschaft.
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