Spezial Börsenzyklen

Auch das Handeln saisonaler Kursmuster will erst gelernt sein

29.11.2005
, 12:34
Börsenexperte Dimitri Speck kennt Nutzen und Tücken saisonaler Kursmuster
Wer als echter Börsianer an die Existenz saisonaler Kursmuster glaubt, der wird irgendwann versuchen, diese Kursmuster zu handeln. Doch dabei gibt es einiges zu beachten.
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Viele saisonale Charts sehen so verführerisch einfach und einleuchtend aus, daß Anleger immer wieder versuchen, sich diese saisonalen Muster beim Handeln zunutze zu machen. Doch wer Saisonalitäten in Handelsentscheidungen einfließen lassen will, der kann nicht einfach schematisch agieren, sondern muß sich ebenso viele Gedanken machen wie bei der Verfolgung anderer Anlagestrategien.

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Der auf Mustererkennung und auf die Entwicklung von Handelssystemen spezialisierte Börsenexperte Dimitri Speck rät dazu, sich zuerst bewußt zu machen, daß Saisonalität sowohl fundamentale als auch charttechnische Elemente beinhaltet. Außerdem ist die Saisonalität nur einer von vielen Faktoren, die die Kursfindung beeinflussen. Folglich scheint es angebracht, die daraus resultierenden Erkenntnisse nur ergänzend neben anderen Faktoren in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen und Entscheidungen nicht alleine davon abhängig zu machen. Für Speck ist das Verhältnis in der Regel dann ausgewogen, wenn der Anteil der Saisonalität an der Entscheidungsfindung zehn oder 20 Prozent beträgt.

Als hilfreich kann sich der Ansatz unter anderem beim Timing von Käufen und Verkäufen erweisen sowie beim Versuch, die richtige Mischung im Portfolio zwischen Aktien und Anleihen zu finden. Das bedeutet, in Abhängigkeit vom saisonalen Zyklus wird das Engagement in Aktien entweder verstärkt oder zurückgefahren.

Auf Saisonalitäten beruhende Handelsstrategien müssen gut hinterfragt werden

Wer die Saisonalität in seinen Anlageüberlegungen einfließen läßt, der muß sich aber auch einige Grundprobleme seiner Taktik vergegenwärtigen. So lassen sich längst nicht für alle auffälligen Kursmuster überzeugende Gründe finden, die deren Entstehen erklären. Das legt die Vermutung nahe, daß manche dieser saisonalen Kursmuster eher zufällig zustande kommen.

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Weitere Probleme stellen zudem Schwierigkeiten bei der Datenerhebung, die Berücksichtigung von Ausnahmesituationen sowie Ausreißerjahre dar. Obendrein ist nicht ausgeschlossen, daß sich Saisonalitäten im Laufe der Zeit verschieben. Rechnen beispielsweise alle Anleger mit einer Jahresendrally, dürften sie versucht sein, sich vorzeitig zu positionieren und rechtzeitig wieder auszusteigen. Agieren viele Marktteilnehmer in dieser Weise, kann dies nicht ohne Einfluß auf das zeitliche Auftreten des Kursmusters bleiben.

Nie auf Absicherungsstrategien verzichten

Wie immer an der Börse ist auch das Handeln mit Hilfe saisonaler Kursmuster keine automatische Gelddruckmaschine. Gewinne sind mit dieser Methode ebenso wenig garantiert wie bei jedem anderen Handelsansatz auch.

Trotzdem ist es sinnvoll, Saisonalitäten in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen und nicht krampfhaft gegen diese Kursmuster zu wetten. Schließlich ist der kalendarische Einfluß, der der Saisonalität zugrunde liegt, unabhängig von anderen Einflußfaktoren und stiftet dadurch statistisch gesehen einen zusätzlichen Nutzen, der Anlegern dauerhaft helfen kann. So dürfte es sich auch künftig in den meisten Fällen nicht lohnen, ausgerechnet in der Zeit, in der typischerweise die Jahresendrally stattfindet, Aktien leer zu verkaufen.

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Aber selbst wenn ein saisonales Kursmuster in der Vergangenheit mit noch so einer beeindruckenden Dominanz aufgetreten sein sollte, rät Speck eindringlich dazu, nie auf Absicherungsstrategien zur Verlustbegrenzung, wie etwa Stopp-Loss-Kurse zu verzichten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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