Spezial Börsenzyklen

Was bei saisonalen Kursmustern zu beachten ist

29.11.2005
, 12:41
Ohne Fleiß kein Preis an der Börse. Wer sich intensiv mit saisonalen Kursmustern beschäftigen und darauf aufbauende Handelsstrategien entwickeln will, der sollte einige Grundbegriffe und Grundlagen kennen.
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Erfahrene Börsianer wissen viel über vermeintlich immer wieder nach einem bestimmten Rhythmus auftretende Kursmuster zu berichten. Deutlich wird das beispielsweise am alljährlich wiederkehrenden Gerede von der Jahresendrally. Doch oft wird schon anhand der Argumente deutlich, daß die Kenntnisse über dieses Phänomen sowie ganz allgemein über Saisonalitäten an der Börse oft nicht sehr ausgeprägt sind.

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Wer ein tieferes Verständnis entwickeln will, muß sich zunächst einmal klar machen, was ein saisonales Muster überhaupt ist. Laut Dimitri Speck, ein auf die Mustererkennung und auf die Entwicklung von Handelssystemen spezialisierter Börsenexperte, kann man „von einem saisonalen Muster sinnvollerweise nur dann sprechen, wenn eine Bewegung für eine Jahreszeit typisch ist. Die Kursbewegung sollte im Mittel zwischen zwei kalendarisch festgelegten Terminen auftreten und ein markantes Ausmaß aufweisen. Wünschenswert ist ferner, daß dies in der Mehrzahl der Jahre geschieht.“

Ein sehr gutes Beispiel für eine Saisonalität, also einen jahreszeitlich bedingten Verlauf, ist etwa die Temperatur. Saisonalität umfaßt aber auch andere Zeitspannen als ein Jahr, beispielsweise bei der Intraday-Saisonalität. So weist laut Speck etwa der S&P-500 Intraday-Kursmuster auf, die in der Größenordnung von einem Promille liegen können. Das ist nicht nur für Daytrader von Bedeutung, sondern kann auch für bessere Ein- oder Ausstiegszeitpunkte genutzt werden.

Fundamentale Gründe für saisonale Kursmuster sind wichtig

Verdeutlichen lassen sich saisonale Verläufe am besten durch saisonale Charts. Anders als herkömmliche zeigen sie nicht die Kurse über einen bestimmten Zeitraum. Vielmehr stellen sie den typischen Verlauf zu einer bestimmten Jahreszeit nach Art eines Durchschnitts dar. Stieg der Kurs im Mittel zu einer bestimmten Jahreszeit, so äußert sich dies im Chart durch einen steigenden Verlauf. Sehr gute Charts, die auch um kalendarische Anomalien wie verschobene Feiertage bereinigt sind, bietet in diesem Zusammenhang die Specks Webseite Seasonal Charts an.

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Richtig wertvoll werden Kursmuster meistens erst dann, wenn sie sich über einen wirklich langen Zeitraum beobachten lassen. Denn damit steigt die Wahrscheinlichkeit, daß es sich mehr als nur um einen Zufall handelt. Noch besser ist es natürlich, wenn sich das Auftreten saisonaler Kursmuster mit überzeugenden Gründen untermauern läßt, die dabei helfen, die Kursentwicklung zu erklären. Denn nur wenn Zufall ausgeschlossen werden kann, ist die Saisonalität als Prognoseinstrument brauchbar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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