Spezial Börsenzyklen

Zertifikate ermöglichen Wetten auf saisonale Kursmuster

28.11.2005
, 00:00
Herbst: Blätter fallen, Kurse steigen
Die Existenz von jahreszeitlichen Kursmustern ist an der Börse seit langem bekannt. Auch die Zertifikate-Branche macht sich die für ihre Produkte zunutze.
ANZEIGE

Wer grundsätzlich an die Existenz von Kurszyklen und saisonalen Kursmustern glaubt, der stand lange vor dem Problem, daß sich damit verbundene Handelsstrategien nicht ganz einfach umsetzen ließen. Doch inzwischen gibt es auch hier Handlungsmöglichkeiten.

ANZEIGE

Die ABN Amro Bank etwa hat zwei Produkte auf dem Markt. Das erste, ein Zertifikat auf den seit dem 13. Juni 2005 berechneten DAXplus Seasonal Strategy Index, ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Deutschen Börse.

Der Index spiegelt nur die Entwicklung des Dax in den Monaten Oktober bis Juli wider, während die Monate August und September aufgrund der in dieser Zeit oft schwächeren Performance außen vor bleiben. Wie es bei der Vorstellung des Index hieß, habe ein nach dieser Strategie verwaltetes Portfolio in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um über zwölf Prozent besser abgeschnitten als der Dax. Passend zu dieser Strategie hat ABN Amro ein Zertifikat mit dem Namen DAXplus Seasonal Strategy Open End (ISIN: NL0000196301) aufgelegt.

Nach ähnlichem Muster geschnitten ist das Sell-in-May-Zertifikat (Saison-Zertifikate - Wetten auf Bauernregeln) der Commerzbank.

„Alpha“-Aktienindizes basieren auf der Monatsend- und Vorfeiertagstheorie

ABN Amro ist von diesem Ansatz offenbar so angetan, daß sie sich veranlaßt sah, weiteres Produkte nachzuschieben, die ebenfalls auf saisonalen Kursmustern aufbauen. Und zwar soll mit sogenannten „Alpha“-Aktienindizes, die für zwölf verschiedene Aktienindizes (unter anderem auch auf den Dax) aufgelegt wurden, nicht nur eine überdurchschnittliche Wertentwicklung verglichen mit traditionellen Aktienindizes erzielt werden, sondern auch die Schwankungsanfälligkeit (Volatilität) verringert werden.

Auch hier fühlt man sich durch langjährige Rückrechnungen ermutigt, da diese die Überlegenheit des gewählten Timingansatzes belegt hätten. Konkret wird die Strategie dadurch umgesetzt, daß unmittelbar vor dem Monatsende und vor jedem Feiertag in Aktienindizes investiert und nach den ersten vier Tagen des neuen Monats sowie nach Abschluß der Feiertagsperiode wieder verkauft wird. Bei Umsetzung einer solchen Strategie sei aus einer Anlage von 100 Dollar im Dow-Jones-Index im Zeitraum vom 1. Januar 1925 bis 6. Oktober 2005 theoretisch ein Betrag von 455.731 Dollar geworden, während ein Dauerinvestment über 80 Jahre hinweg ein deutlich geringeres Ergebnis von lediglich 8.401 Dollar gebracht hätte.

ANZEIGE

Die angewandte Monatsendtheorie und die Vorfeiertagstheorie gehen auf Erkenntnisse von Norman G. Fosback zurück, der in dem 1976 veröffentlichten „Stock Market Logic“ bereits auf die Bedeutung des Handelns nach dem Kalender hingewiesen hatte. Die Monatsendtheorie basiert dabei auf der Annahme, daß die Performance des Aktienmarktes an den letzten Handelstagen jedes Monats und an den ersten Handelstagen jedes Monats überdurchschnittlich ist.

„Alpha“-Strategie brachte in der Vergangenheit bessere Ergebnisse

Erklären läßt sich dieses Phänomen laut Fosback durch mehrere am Monatsende auftretenden Marktbesonderheiten, wie etwa die Portfolioanpassungen institutioneller Anleger zu Ultimo oder die zu Monatsbeginn steigenden Mittelzuflüsse in Investmentfonds. Die Vorfeiertagstheorie geht davon aus, daß die Wertentwicklung des Aktienmarktes an Handelstagen unmittelbar vor einem Feiertag, an dem die Börse geschlossen ist, überdurchschnittlich ist. Eine mögliche Erklärung für diese Marktbesonderheiten ist, daß institutionelle Marktteilnehmer Short-Positionen reduzieren, bevor Feiertage beginnen. Händler bereinigen ihre Bestände und gleichen ihre Orderbücher ab, um die Risiken zu reduzieren.

ANZEIGE

Angewandt auf den Dax hätte diese Strategie vom 1. Januar 1985 bis zum 6. Oktober 2005 unter Berücksichtung der Managementgebühr von einem Prozent pro Jahr und der Anlage der freien Mittel während der Nichtinvestition zum Tagesgeldsatz ein jährliches Plus von 15,27 Prozent erbracht. Ein ununterbrochenes Investment in den Dax ergab dagegen nur ein Plus von 9,02 Prozent. Die Zeichnungsfrist für die entsprechenden Zertifikate läuft noch bis zum 09. Dezember und am 14. Dezember sollen sie gehandelt werden. Wie immer gilt aber natürlich auch hier: In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse sind an der Börse keine Garantie für die Zukunft.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE