Finanzplätze

Standortwettbewerb nach Brexit in Bankenaufsicht möglich

15.07.2021
, 11:56
Blick auf die Frankfurter Bankentürme: Bleibt der Finanzplatz im Wettbewerb mit London attraktiv genug?
Die britischen Aufseher sind nicht so streng wie die EZB. Für die Forscher vom Leibniz-Institut muss sich der Euroraum aber noch nicht geschlagen geben.

Wegen unterschiedlicher Praktiken bei der Bankenaufsicht nach dem Brexit könnte es einer Studie zufolge zwischen Großbritannien und der Euro-Zone zu einem Standort-Wettbewerb kommen. Die britische Aufsichtsbehörde PRA verfolge unter anderem einen deutlich weniger strengen Ansatz als die Europäische Zentralbank (EZB) bei den Kapitalanforderungen an die Geldhäuser, teilte das Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse im Auftrag des EU-Parlaments mit. Die britischen Aufseher setzten beispielsweise eine niedrigere Risikogewichtung für Kreditforderungen an.

„Mit dem Verlassen der Europäischen Union gewinnt Großbritannien mehr regulatorischen Spielraum zurück und kann auf Basis einer schlankeren Aufsichtsstruktur schnellere Entscheidungen in Krisenzeiten treffen“, erläuterte Tobias Tröger, Direktor beim SAFE-Institut und Mitautor der Untersuchung, die Ergebnisse. Die bei der EZB angesiedelte Bankenaufsicht sei dagegen komplex und schwerfällig. „Unsere Beobachtungen heißen aber nicht, dass sich die Euro-Zone als Standort für Banken in einem Regulierungswettlauf ,nach unten' gegen Großbritannien geschlagen geben muss“, führte Tröger aus.

Positiv sehen die Forscher, dass die Euro-Zone im Zuge der Bankenunion ein Sicherheitsnetz für die Geldhäuser errichte, was sich bei künftigen Bankenkrisen auszahlen werde. Deren Bewältigung werde dadurch erleichtert. So könnten die Institute unter anderem mit niedrigeren Kapitalkosten rechnen. Das sorge womöglich für einen Ausgleich für den komplizierten Aufbau der Aufsicht. Die Forscher stützten sich bei ihrer Analyse auf Forschungsergebnisse in der Bankenregulierung sowie auf die Stresstest-Szenarien der europäischen Bankenbehörde EBA und der Bank von England.

Quelle: Reuters
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