Streikende Bankautomaten

Grenzen der Vernetzung

EIN KOMMENTAR Von Tim Kanning
25.09.2015
, 18:52
Schwarzer Bildschirm, dann Alarmmodus - am Ende ein leeres Portemonnaie: Warum der digitalen Bankenwelt Grenzen gesetzt sind.

Das muss man sich einmal vorstellen. Erst streikt der Geldautomat, dann bleibt der Bildschirm am Selbstbedienungsterminal schwarz. Und auch der Berater hinter dem Sparkassenschalter – so es noch einen gibt – kann nichts machen, außer den Kunden zur Filiale der Volksbank um die Ecke zu schicken. Denn auch er kommt nicht mehr an Bargeld, weil sich das vollautomatische Kassensystem sicherheitshalber in Alarmmodus gesetzt und dichtgemacht hat. In der schönen neuen Bankenwelt ist alles vernetzt, der Bankautomat mit dem Telefon und der Zentralkasse.

Wohin das führen kann, wissen viele Sparkassenkunden seit Freitag. Ein Rechnerproblem in Stuttgart führt dazu, dass in Bremen die Kunden mit leerem Portemonnaie da stehen. Das allseits vernetzte Banking macht aus betriebswirtschaftlicher Sicht natürlich Sinn. Doch dass zu viel Vernetzung auch nicht gesund ist, zeigt die Panne vom Freitag. Offenbar hat ein Fehler innerhalb des Systems für die Stilllegung gesorgt. Aber man möchte sich nicht vorstellen, was passiert, wenn ein Hacker sich Zugriff zu dem Netzwerk verschafft – Angriffspunkte gibt es jede Menge zwischen Bremen und dem Bodensee.

Quelle: F.A.Z.
Autorenpoträt / Kanning, Tim (kann.)
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
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