Stresstests

Wie krisenfest sind Europas Banken?

Von Markus Frühauf
30.07.2021
, 19:24
Skyline mit den Bankentürmen des Frankfurter Finanzviertels
Die Ergebnisse zeigen, dass die Institute widerstandsfähig genug sind, um eine schwere Wirtschaftskrise zu überstehen. Auch deutsche Institute weisen ausreichende Kapitalpuffer auf.

Europas Banken können aufgrund ihrer verbesserten Eigenkapitalbasis eine schwere Wirtschaftskrise überstehen. Das zeigen die Stresstestergebnisse der EU-Bankenaufsicht EBA, die am Freitagabend veröffentlicht worden sind. Zwar würden die Institute in einem hypothetischen Krisenszenario insgesamt fast ein Drittel ihrer Kapitalpuffer einbüßen. Dennoch bliebe der EU-Bankensektor insgesamt über einer Marke von 10 Prozent in der harten Kernkapitalquote als Puffer für mögliche Rückschläge.

Die Institute haben sich nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) im jüngsten Stresstest der Aufseher bewährt. Der wichtigste Grund für den Kapitalverzehr seien Kreditrisiken gewesen. Auch deutsche Bankenaufseher zeigten sich zufrieden. „Die deutschen Institute haben sich auch unter großem Stress als robust erwiesen. Sie würden die hohen Kapitalanforderungen selbst in einer schweren Wirtschaftskrise durchgehend erfüllen“, sagte Joachim Wuermeling, im Bundesbank-Vorstand für Bankenaufsicht zuständig.

Zudem hatte die Bankenaufsicht der EZB am vergangenen Wochenende ihre strengen Vorgaben für Dividendenausschüttungen von September an gelockert, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn die Prüfungen der Krisenfestigkeit Mängel offengelegt hätten. Untersucht wurden 50 Banken aus der EU, darunter 38 aus dem Euroraum. An dem Stresstest der EBA nahmen sieben deutsche Banken teil: Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, Volkswagen Bank sowie die drei Landesbanken BayernLB, Helaba und LBBW. Im Krisenszenario lagen Deutsche Bank, Commerzbank, LBBW und Helaba unterhalb der Marke von 10 Prozent ab, aber oberhalb der Mindestanforderungen der Aufseher. Am schlechtesten schnitt die Deutsche Bank mit 7,4 Prozent ab.

Wegen der hohen Exporte der deutschen Volkswirtschaft und der starken Abhängigkeit vom Zinsgeschäft sei der Kapitalverzehr deutscher Banken leicht höher als im EU-Durchschnitt ausgefallen, erklärte Wuermeling. Für ihn sei das kein Grund zur Beunruhigung, sondern spiegele nur die höhere Verwundbarkeit der deutschen Volkswirtschaft in einer weltweiten Rezession wider. Zudem prüfte die EZB 51 weitere Institute aus dem Euroraum, darunter neun deutsche. Der diesjährige Stresstest war nach Angaben von Bankenaufsehern schwieriger als die vorangegangenen in den Jahren 2016 und 2018. Erschwerend kam hinzu, dass der Ausgangspunkt die Bilanzen Ende 2020 waren, also nach dem Krisenjahr der Corona-Pandemie.

Deutsche Bank und andere können Gewinne deutlich steigern

Die Aufseher ließen die Banken durchrechnen, wie stark die Kapitalpuffer bis Ende 2023 schrumpfen würden, wenn Pandemie und Wirtschaftsflaute sich zuspitzen würden. Gegenüber Ende 2020 wurde im Krisenszenario sowohl für Europa als auch für die Eurozone eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung von 3,6 Prozent unterstellt. Zusätzlich wurde in den Stresstests ein Bündel ungünstiger Entwicklungen angenommen: steigende Arbeitslosenquote, Einbruch der Immobilienpreise, stark sinkende Auslandsnachfrage, weiter fallende Marktzinsen.

Auf robuste Stresstestergebnisse deuteten auch die überwiegend gut ausgefallenen Zahlen europäischer Banken im zweiten Quartal hin. Institute wie die Deutsche Bank, die italienische Unicredit, die spanische BBVA oder die französische BNP Paribas konnten ihre Gewinne deutlich steigern, was auch an der geringeren Risikovorsorge gelegen hat. Zwar sind Insolvenzen von Unternehmen weiterhin nicht auszuschließen, sollte die Ausbreitung der Deltavariante des Coronavirus weitere Lockdown-Maßnahmen erfordern. Doch bislang hat sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung die Risikolage deutlich entspannt, was sich positiv in den Bankbilanzen niederschlägt.

Jedoch tragen in Südeuropa, insbesondere in Italien, viele Banken noch Altlasten an faulen Krediten in ihren Bilanzen mit. Dazu zählt die toskanische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena. Sie wies die mit Abstand schlechtesten Stresstestergebnisse auf und hat einen milliardenschweren Kapitalbedarf. Die Unicredit, die Muttergesellschaft der Hypovereinsbank, soll an Teilen des vom italienischen Staat aufgefangenen Instituts interessiert sein.

Zu Klimarisiken wird die Aufsicht im kommenden Jahr erstmals einen gesonderten Stresstest durchführen. Dabei stehen physische Risiken wie zum Beispiel Dürre oder Überschwemmungen sowie die Verwundbarkeiten im Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft oder um erhöhte Kreditrisiken nach einem Anstieg der CO2-Preise im Fokus.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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