Gesundheit

Private Krankenversicherungen - Angebote im Test

14.11.2006
, 11:40
Lohnt der Wechsel in eine private Krankenversicherung? Die Antwort auf diese Frage ist vielschichtig. Wechselwillige sollten sich ein paar grundsätzliche Gedanken machen und die Angebote der Krankenkasse prüfen. Hier die besten aus 344 Angeboten.
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Beamte und junge, gesunde Männer ohne Familie können bei einem Wechsel in die private Krankenversicherung Bares sparen. Alle anderen sollten abwägen, ob sie den überdurchschnittlichen privaten Schutz auf Dauer bezahlen können.

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Arbeitnehmer dürfen sich laut Gesundheitsreform ab sofort nur noch dann privat versichern, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen drei Jahre hintereinander die Pflichtgrenze von derzeit 47.250 Euro übersteigt. Finanz-Test hat 344 Tarife für Beamte, Angestellte und Selbstständige verglichen. Nur Angebote, die an der Spitze des Marktes stehen, haben ein „Sehr gut“ oder ein „Gut“ erhalten. Beurteilt wurde das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis und die Beitragsentwicklung in den vergangenen acht Jahren.

Leistungspakete selber zusammenstellen

Bei guten Tarifen der privaten Krankenversicherung ist es wie bei anderen Spitzenangeboten: Zusätzlicher Service und Mehrleistungen kosten ihr Geld. Der 35jährige Angestellte muß für den als „sehr gut“ bewerteten Tarif der Huk-Coburg 264 Euro im Monat zahlen, die Inter verlangt für das gleiche Angebot 475 Euro und hat sich ein „mangelhaft“ abgeholt. Die angestellte 35jährige Frau bezahlt bei der Huk-Coburg 393 Euro und bei der „mangelhaften“ Inter 667 Euro. Die Hälfte des Beitrags übernimmt bei Angestellten der Arbeitgeber. Allerdings müssen die Versicherten bei allen vier Tarifen Behandlungskosten bis zu 300 Euro jährlich zusätzlich aus eigener Tasche zahlen. Für den alleinstehenden Musterbeamten von 35 Jahren hat die Concordia „sehr gute“ Tarife. Der Mann zahlt hier 121 Euro und die Frau 161 Euro Beitrag. Sie erhalten vom Dienstherren eine 50prozentige Beihilfe auf die Krankheitskosten.

Die meisten der 36 getesteten Anbieter überlassen es dem Kunden, sich aus mehreren Teiltarifen ein Leistungspaket zusammenzubauen. Er muß sich vor Vertragsabschluß sehr genau überlegen, welches Schutzniveau er für ambulante, stationäre und zahnmedizinische Behandlung braucht. Finanz-Test hat die Tarifteile des jeweiligen Anbieters zu einem Gesamtangebot kombiniert.

Die Beiträge werden steigen

Alle untersuchten Angebote liegen mit ihren Mindestleistungen etwas über dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen. Denn ein privater Billigtarif hilft nicht, wenn sich der Privatversicherte im Krankheitsfall überlegen muß, ob er sich die Behandlung überhaupt leisten kann. Eingeschlossen in die Testtarife sind etwa freie Arzt- und Krankenhauswahl, Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung in der Klinik, Zahnersatz und Inlays bis 65 Prozent Kostenübernahme und 90 Prozent bei Zahnbehandlungen. Die Experten der Stiftung raten - und haben die Tarife danach ausgesucht - für Arzt- und Zahnarzthonorare den Höchstsatz (3,5 fach) der jeweiligen Gebührenordnung zu wählen. Denn für schwierige Behandlungen verlangen Mediziner diesen Gebührensatz.

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Über eines kann sich der junge Privatversicherte aber im Klaren sein: Die Beiträge bleiben nicht stabil, sondern sie werden steigen. Ein heute 35jähriger kann damit rechnen, daß sich sein Beitrag bis zur Rente mindestens verdreifacht und im Alter etwa auf diesem Niveau bleibt. Deshalb sollte jeder, der von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechselt, von dem in der ersten Phase eingesparten Geld einen Kapitalstock bilden. Und zwar so groß, daß der Privatversicherte davon im Rentenalter 25 Jahre lang zwei Drittel des Beitrags bezahlen kann. Tut er das nicht, droht die Gefahr, daß er wegen klammer Kasse in einen billigeren Tarif mit weniger Leistungen und höheren Selbstbehalten wechseln muß. Im Extremfall wird er in den künftigen Basistarif zurückgestuft.

Kein Weg zurück

Bisher ist sowohl der Umstieg in die Privatversicherung als auch die Wahl eines bestimmten Anbieters immer noch eine Entscheidung fürs Leben. Eine Rückkehr in die gesetzliche Versicherung ist nur in Ausnahmefällen möglich. Schon von den ersten Beiträgen legt der Versicherer Teile zurück, um davon teure Behandlungen im Alter zu bezahlen. Diese Altersrückstellungen kann der Versicherte bei einem Wechsel zu einem anderen Versicherer nicht mitnehmen. Die bevorstehende Gesundheitsreform sieht hier allerdings Änderungen vor: In Zukunft kann zumindest ein Teil der Altersrückstellungen übertragen werden.

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Nichts für Familien

Für Familien mit Alleinverdiener und für Familien mit Kindern ist die private Krankenversicherung kostspielig. Kinder und Ehepartner sind nicht kostenlos mitversichert wie in der gesetzlichen Krankenkasse. Je nach Anbieter und Tarif ohne Selbstbeteiligung kostet der Schutz zwischen 100 und 200 Euro pro Kind. Die private Krankenversicherung kann für Neukunden zunächst billiger sein als die gesetzliche, weil sie sich ihre Kunden aussuchen kann. Leidet jemand bereits an einer Krankheit, die später teuer werden könnte, bekommt er erst gar keinen Vertrag. Andere müssen Risikozuschläge zahlen oder Leistungsausschlüsse hinnehmen. Kranke zahlen also von Anfang an hohe Beiträge.

Tips

Testsieger

Die besten Angebote für Beamte haben Concordia und Huk-Coburg. Für selbstständige Männer liegt ein Angebot der Halleschen mit „sehr gut“ vorne, für Frauen die Huk-Coburg mit „gut“. Für angestellte Männer ist ein Tarif der Huk-Coburg „sehr gut“, für Frauen ist er „gut“, ebenso wie einer der Alten Oldenburger.

Angebot

Wenn Sie sich ein Angebot machen lassen wollen, sollten Sie unter den Testsiegern zwei bis drei Favoriten auswählen. Sie können sich an der Rangfolge in den Tabellen unter komplett + interaktiv orientieren, auch wenn Sie nicht 35 Jahre alt sind.

Anträge

Sicherheitshalber sollten Sie mehrere Anträge parallel stellen, denn die Versicherer stellen im Antrag Fragen zum Gesundheitszustand. Danach entscheidet der Anbieter, ob er Sie annimmt und welchen Beitrag er von Ihnen verlangt.

Verschweigen

Eine frühere oder akute Krankheit dürfen Sie keinesfalls verschweigen. Wenn es die Versicherung erfährt, verlieren Sie Ihren Versicherungsschutz. In den ersten drei Vertragsjahren sogar auch dann, wenn Sie den Antrag nur versehentlich falsch ausfüllen. Das Risiko, daß ein Schwindel auffliegt ist hoch, weil Sie Ihre Ärzte von der Schweigepflicht entbinden müssen.

Wechsel

Sind Sie bereits privat versichert und sind Ihre Beiträge zu hoch, dürfen Sie bei Ihrem Versicherer in einen günstigeren Tarif wechseln. Gibt es keinen, warten Sie ab. Kommt die Gesundheitsreform wie geplant, wird der Wechsel der Gesellschaft leichter. Dann dürfen Sie einen Teil der vom Versicherer für Sie gebildeten Alterungsrückstellungen zum neuen Anbieter mitnehmen. Außerdem müssen dann alle Gesellschaften einen Basistarif anbieten, der nicht teurer sein darf als der gesetzliche Krankenversicherungsschutz.

Warnung

Sind Sie als Angestellter privat versichert und werden Sie wieder versicherungspflichtig, sollten Sie sich nicht von dieser Pflicht befreien lassen. Sonst können Sie nie mehr in die Kasse zurück, egal, wie gering Ihr Einkommen einmal wird.

Der Text und die Informationsgrafik wurden von unserem Kooperationspartner „Stiftung Warentest“ erstellt. Die vollständigen Informationen zum Test der privaten Krankenversicherung können Sie erreichen unter: Komplett und interaktiv - Stiftung Warentest

Quelle: FAZ.NET
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