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Blackrock-Ausblick

„Trump ist der Favorit der Börse“

Von Antonia Mannweiler
Aktualisiert am 29.06.2020
 - 17:12
Trump auf einem Bildschirm an der New Yorker Börse: Der Präsidentenwahlkampf könnte zu einer höheren Volatilität an den Märkten führen.
Der Kapitalmarktstratege Martin Lück vom größten Vermögensverwalter der Welt spricht über das zweite Halbjahr an den Märkten. Die werden auch weiterhin schwankungsanfällig bleiben.

„Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“ Dieses Bonmot des Schriftstellers Joachim Ringelnatz könnte nicht besser zu den Geschehnissen des ersten Halbjahres 2020 passen. Eine unvorhergesehene Pandemie brachte die Welt beinahe zeitgleich überall zum Stillstand und kostete mehr als eine halbe Million Menschenleben. Sie zwang zudem auch die Wirtschaft mit einer Rezession in die Knie, wie es diese seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Und die Aktienkurse stürzten weltweit ab. Nun werden Grenzen wieder schrittweise geöffnet, Restaurants dürfen wieder besucht werden. Der Sommer wird ausgelassen auf den Straßen gefeiert. Kehrt im zweiten Halbjahr also auch wieder die Normalität an den Börsen ein?

Aus Sicht von Martin Lück, Kapitalmarktstratege von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, sind die Märkte noch weit von der Normalität entfernt – auch wenn der Markt eine schnelle Normalisierung einpreise. Die Börse sei aber sehr nervös, die Volatilität doppelt so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass dies auch in der zweiten Jahreshälfte so sein werde: „Die Märkte bleiben schwankungsanfällig.“

Möglichkeit einer zweiten Welle

Das liege auch daran, dass man noch nicht genau absehen könne, wie schnell sich die Wirtschaft erholen werde. Zurzeit stehe man am Beginn einer V-förmigen Erholung, sagt Lück. Nur bilde die Entwicklung kein perfektes V – also eine schnelle Rückkehr zum Vorkrisenmodus – sondern eher ein rechts-schiefes V. Zudem bleibe die Möglichkeit eines W-förmigen Verlaufs bestehen, wenn nach einer kurzzeitigen Erholung noch einmal ein Dämpfer folge. „W könnte auch für Welle stehen – für eine zweite Corona-Welle“, sagt Lück.

Die Gefahr nehme gerade dann zu, wenn der gesellschaftliche Druck steige, das öffentliche Leben weiter zu normalisieren. Das könne dazu führen, dass Corona-Beschränkungen trotz mahnender Stimmen weiter gelockert würden, so der Kapitalmarktstratege. Interessant sei in dem Zusammenhang, dass lokale Ausbrüche wie in Gütersloh für Anleger keine große Rolle zu spielen scheinen. „Ich denke der Markt preist ein, was alle hoffen: dass die Infektionen nur auf die Schlachthöfe begrenzt sind.“

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Die Anleger wögen auch die Maßnahmen der Geld- und Fiskalpolitik ab und seien zum Schluss gekommen, dass diese geeignet seien, Brücken für die Wirtschaft zu bauen – bis es einen Impfstoff gebe. Damit sei aber wahrscheinlich frühestens im kommenden Jahr zu rechnen, sagt Lück, und stellt den Optimismus der Märkte in Frage: Wie wahrscheinlich sei es denn, dass nicht noch viele Unternehmen in die Insolvenz rutschten, insbesondere kleine? Wie wahrscheinlich sei es, dass Kurzarbeitergeld ewig weiter gezahlt werde oder dass den großen Banken keine Kredite ausfielen? Komme es dazu, könnte man einen Dominostein nach dem anderen fallen sehen. Es sei sehr sportlich anzunehmen, die Politik schaffe es schon, den Patienten, die Wirtschaft, über Infusionen künstlich am Leben zu erhalten.

Opportunistische Märkte

Mit Blick auf das zweite Halbjahr 2020 würden außerdem Themen wieder sichtbarer, die während der Corona-Krise in den Hintergrund geraten seien: Brexit, Handelskonflikte und vor allem die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten. Gerade letztere dürfte für die Börsen wegweisend werden. Die gingen von „Business as usual“ aus, sagt Lück. Dass aber in Umfragen Joe Biden, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten führe, habe der Markt nicht einkalkuliert. „Trump ist der Favorit der Börse. Kapitalmärkte sind pragmatisch, und opportunistisch.“ Hauptsache der Präsident liefere Gewinne, wenn er etwa Steuern senke.

„Trump ist umstritten, aber Biden bedeutet für die Märkte wahrscheinlich mehr Ungewissheit.“ Zwar habe Biden wirtschaftspolitisch eher moderate Ansichten, doch habe sich die Partei hinter ihm stärker radikalisiert. So sei es bei den Demokraten die Forderung sehr populär geworden, die Technologiekonzerne zu zerschlagen. Biden könne innerparteilich unter großen Druck gesetzt werden, diese Richtung einzuschlagen.

„Wenn Biden gewinnt, gibt es wahrscheinlich erst einmal einen Rücksetzer an den Märkten“, so Lück. Wichtiger für die Börse sei aber der Weg hin zur Präsidentschaft. „Der ganze Lärm und die Volatilität entstehen dadurch, dass im sprichwörtlichen Sinne wild um sich geschlagen wird.“ So geht Lück davon aus, dass die Beziehung zu China und das Verhältnis zu Europa im Wahlkampf strapaziert werden. Dass Biden in den Umfragen derzeit vorne liege, könne sich aber noch schnell ändern. Noch sei es zu früh, Trump abzuschreiben, betont Lück. Der Markt sei relativ rational, das offen zu lassen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mannweiler, Antonia
Antonia Mannweiler
Redakteurin in der Wirtschaft.
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