Erwartet starker Start

Universal Music feiert furioses Börsendebüt

Von Benjamin Fischer
21.09.2021
, 11:18
Auch Elton John-Werke sind Teil des riesigen Repertoires von Universal Music.
Es ist der bislang größte Börsengang des Jahres in Europa und der Erfolg kommt wenig überraschend. Die Aktie von Universal notiert zum Debüt deutlich im Plus – und die Bewertung steigt gleich um mehrere Milliarden Euro.
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Universal Music ist seit diesem Dienstag das größte Indie der Welt – zumindest, wenn man als Bedingung hierfür bloß her nimmt, dass ein Musik-Unternehmen nicht mehrheitlich im Besitz eines Konzerns sein darf. Denn die Zeit von Vivendi als Mehrheitseigentümer ist mit der erfolgten Abspaltung vorbei. Allerdings war das größte Musikunternehmen der Welt natürlich auch schon vorher für sich ein riesiger Konzern, der im vergangenen Jahr beim Gewinn vor Steuern und Zinsen für mehr als 80 Prozent des Vivendi-Werts stand.

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Wie erwartet gelang dem aus Kalifornien geführten Unternehmen in Amsterdam der in diesem Jahr bislang größte Börsengang Europas Der erste Preis lag bei 25,05 Euro – ein Plus von rund 37 Prozent zum Referenzpreis von 18,50 Euro – und die Bewertung damit zunächst bei 46 Milliarden Euro. Zum Mittag notierte die Aktie kaum verändert um die 25 Euro. Auf Basis des Referenzpreises war Universal am Montagabend mit 33,5 Milliarden Euro bewertet worden.

100 Milliarden Dollar in Sicht?

Branchenbeobachter und Analysten hatten jedoch im Vorfeld betont, dass diese Bewertung niedrig angesetzt sei. Die Bank of America bezifferte den Wert des Musikkonzerns im Vorfeld des Börsengangs beispielsweise mit 50 Milliarden Euro, JP Morgan mit 54 Milliarden Euro, was noch „konservativ“ sei. Merck Mercuriadis, der Chef des auf den Aufkauf von Musikrechten spezialisierten Fonds Hipgnosis, der unter anderem Anteile am Autorenkatalog von Neil Young hält, sprach gegenüber der Financial Times sogar von einer perspektivischen Bewertung von 100 Milliarden Dollar. Die Nummer 3 der Musikwelt, Warner Music, war im Juni 2020 an die Börse zurückgekehrt und wird derzeit mit mehr als 20 Milliarden Dollar bewertet – ein deutlicher Zuwachs seit dem Börsengang. Warner ist allerdings deutlich kleiner als Universal. Das zweitgrößte der drei „Majors“ ist Sony Music.

Vivendi hält nach der Abspaltung noch 10 Prozent an Universal und will sich fortan unter anderem auf das Buchgeschäft konzentrieren. Ein vom chinesischen Tencent-Konzern angeführtes Konsortium hatte sich schon zuvor 20 Prozent gesichert. Weitere 10 Prozent liegen bei einem Hedgefonds des Amerikaners William Ackman. Vivendi-Großaktionär Vincent Bolloré wiederum hält durch die Verteilung der 60 Prozent der Universal-Anteile an die Vivendi-Aktionäre nun über seine Unternehmensgruppe rund 18 Prozent am Musikkonzern.

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„Anfang einer neuen Welle von Musikkonsum“

Für Universal Music und für die Industrie gebe es noch so viele Möglichkeiten, sagte Universal-Chef Lucian Grainge dem Guardian. „Die Marktdurchdringung von digitalen Services ist in einigen der größten Ländern noch nicht auf dem Niveau von etablierteren Märkten“. Der 61 Jahre alte Brite verwies auf die Fülle an weiteren Vermarktungsgelegenheiten für Musik neben den Streamingdiensten Spotify, Apple oder Amazon Music wie soziale Medien, Gaming oder auch Fitnessanwendungen. All dies sei der Grund für ihre Annahme, dass „wir erst am Anfang einer neuen Welle von Musikkonsum stehen“. Europa-Chef Frank Briegmann erklärte: Der erfolgreiche Börsengang ist ein großes Kompliment für unser Unternehmen und ein Meilenstein in unserer Firmengeschichte. Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass unsere musikalischen Inhalte ein wertvolles und wertstabiles Asset sind.“ Neue Technologien böten noch viel Potential, betonte auch Briegmann und verwies unter anderem auf die Bereiche vernetzte Autos und Smart Home-Anwendungen.

Universal kann auf ein umfangreiches Repertoire an Werken bauen. So hält das Unternehmen etwa die Rechte an den Aufnahmen der Beatles oder von Elton John sowie Abba und arbeitet auch mit Billie Eilish, Lady Gaga oder Drake zusammen. Im vergangenen Jahr stand ein Umsatz von 7,4 Milliarden Euro und ein Nettogewinn von 1,4 Milliarden Euro zu Buche. Die operative Umsatzrendite, bezogen auf den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), betrug 20 Prozent. Der wichtigste Einnahmeposten, das Geschäft mit der Vermarktung von Musikaufnahmen, stand für knapp 6 Milliarden Euro. 3,8 Milliarden Euro aus dem seit Jahren stark wachsenden Streaminggeschäft machten hier wiederum den Löwenanteil aus. Die Verkäufe von physischen Tonträgern standen für 945 Millionen Euro, war allerdings von den Pandemie-bedingten Einschränkungen im vergangenen Jahr auch besonders getroffen. Die Verlagssparte – verantwortlich für die Auswertung von Autorenrechten – trug mit 1,2 Milliarden Euro zum Ergebnis bei. Im Dezember hatte Universal auf dem seit einiger Zeit florierenden Markt für Katalogverkäufe renommierter Künstler mit der Übernahme von Bob Dylans Autorenrechten für Aufsehen gesorgt.

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Für 2021 hat Universal kürzlich – konstante Wechselkurse vorausgesetzt – ein Umsatzplus von mehr als 10 Prozent in Aussicht gestellt. Die Ebitda-Marge wiederum soll um mehr als 20 Prozent anwachsen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Redakteur in der Wirtschaft.
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