Aktie im Blick

Großaktionär Fortum sorgt bei Uniper für Spannung

Von Helmut Bünder
11.04.2021
, 14:34
Das Logo des Konzerns in der Zentrale von Uniper in Düsseldorf.
Der abrupte Führungswechsel bei Uniper stößt auf gemischte Resonanz bei den Analysten. Markus Rauramo, Chef des finnischen Haupteigentümers Fortum, möchte nun klare Verhältnisse schaffen.

Dass es zwischen dem Uniper-Management und Haupteigentümer Fortum knirschte, hatte sich schon vor dem großen Knall abgezeichnet. Trotzdem war der abrupte Führungswechsel ein Paukenschlag für den Düsseldorfer Energieversorger. Bei der Bilanzpressekonferenz im März versuchten der Vorstandsvorsitzende Andreas Schierenbeck und Finanzvorstand Sascha Bibert noch, den öffentlich ausgetragenen Streit über die Dividendenpolitik des Düsseldorfer Energieversorgers als „ganz normalen Abstimmungsprozess“ herunterzuspielen. Drei Wochen später waren die beiden, angetreten vor nicht einmal zwei Jahren, ihren Posten los. Mit dem bisherigen Aufsichtsratschef Klaus-Dieter Maubach führt seit Anfang April ein treuer Fortum-Gefolgsmann das Unternehmen. Als neue Finanzchefin steht ihm die Fortum-Managerin Tiina Tuomela zur Seite.

Nach dem Hin und Her der vergangenen Jahre will Fortum-Chef Markus Rauramo, der nun selbst das Ruder im Aufsichtsrat übernimmt, endlich klare Verhältnisse. Erst im Frühjahr 2019 hatte Fortum den kompletten Vorstand in Düsseldorf abberufen, weil er sich gegen den Einstieg der Finnen gewehrt und für den Erhalt der Eigenständigkeit gekämpft hatte. Das neue Personaltableau spiegelt die Machtverhältnisse wider: Der finnische Energieversorger kommt inzwischen auf einen Mehrheitsanteil von 76,06 Prozent. Auf einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag will Fortum zwar zumindest bis Ende dieses Jahres verzichten. Auch eine Verdrängung der Minderheitsaktionäre steht vorläufig nicht zur Debatte. Was danach kommt, bleibt offen.

Übernahme muss sich rechnen

Aber die teure Mehrheitsübernahme muss sich rechnen. Dafür wird die deutsche Tochtergesellschaft enger an die Kandare genommen und auf Kurs gebracht, um eine „tiefere Integration von Funktionen und Geschäftsbereichen“ zu ermöglichen und „Kooperationsvorteile“ zu heben. Unter den rund 12.000 Uniper-Mitarbeitern sorgt die Ansage von Fortum-Chef Rauramo verständlicherweise für neue Unsicherheit. Die Börse hat den überraschenden Führungswechsel zunächst eher skeptisch quittiert. Während der M-Dax seit Anfang des Monats stetig nach oben klettert, ist der Uniper-Aktie nach dem Revirement vorübergehend etwas die Puste ausgegangen. Mit zuletzt rund 31,20 Euro steht sie immer noch leicht unter dem Ende März erreichten Allzeit-Hoch von 32,18 Euro.

Unter Analysten gab es zwei Lesarten. Deepa Venkateswaran von der amerikanischen Bernstein Research zeigte sich eher irritiert von dem Schwenk, den sie als „abrupt und unangemessen“ beanstandete. Schließlich habe sich Fortum noch im Dezember zufrieden über die Zusammenarbeit mit Uniper geäußert. Sie stuft die Aktie weiterhin als „Underperform“ mit einem Kursziel von nur 17,50 Euro ein. Positiv hingegen bewertet das Analysehaus Independent Research den Schritt, weil Fortum den deutschen Versorger enger an sich binde. Über kurz oder lang sei mit einem Squeeze-out der Minderheitsaktionäre zu rechnen, meint Analyst Sven Diermeier. Er hat sein Kursziel leicht auf 30 Euro angehoben und empfiehlt, die Aktie zu halten.

Als Uniper im Jahr 2016 an die Börse kam, wurde die Aktie von vielen scheel angesehen. Das Unternehmen ist eine Abspaltung von Eon. Der Energieriese hat darin seine konventionellen Kraftwerke sowie den internationalen Energiehandel untergebracht. Die vermeintliche „Resterampe“ entwickelte sich bald zum Börsenstar. Seit der Erstnotiz zu 10,02 Euro im September 2016 hat sich der Kurs inzwischen mehr als verdreifacht. Fortum sicherte sich im Jahr 2018 den zunächst bei Eon verbliebenen Anteil von 47 Prozent und stockte dann weiter auf. Die wieder anziehenden Strom-Großhandelspreise geben Rückenwind, auch im Energiehandel hat Uniper bisher einen guten Riecher bewiesen.

Viel Phantasie für die Zukunft

Mit den von Eon übertragenen Gasaktivitäten – darunter die Mitfinanzierung der Ostseepipeline Nord Stream 2 – ist Uniper zugleich eines der führenden europäischen Gasunternehmen. Für neue Phantasie sorgen vielfältige Aktivitäten rund um Wasserstoff als klimaschonender Energieträger für die Industrie sowie der Aufbau eigener Wind- und Solarkraftwerke. Die Dividende war bisher eine sichere Bank: Auf der kommenden Hauptversammlung am 19. Mai soll eine Anhebung um 19 Prozent auf 1,37 Euro je Aktie beschlossen werden. Damit wird Uniper mehr als 500 Millionen Euro an Fortum und die Minderheitsaktionäre ausschütten. Der Aktienkurs hat die Corona-Delle im vorigen Frühjahr schnell überwunden, dann aber einen Rücksetzer hinnehmen müssen. Seit Herbst zeigte er wieder ziemlich kontinuierlich nach oben. Das Meinungsbild der Analysten ist gespalten. Von den in einer Bloomberg-Übersicht aufgeführten Fachleuten empfehlen nur noch drei die Aktie zum Kauf. Zehn tendieren zum Halten und acht zum Verkauf.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bünder, Helmut (bü.)
Helmut Bünder
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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