US-Notenbank

Fed hält trotz Inflationssorgen am Niedrigzins fest

Von Winand von Petersdorff, Washington
16.06.2021
, 22:08
Die amerikanische Notenbank hat ihre sehr lockere Geldpolitik bestätigt. Der Leitzins bleibe in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Allerdings rechnet die Fed für das Jahr 2023 mit einer ersten Anhebung.

Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) hat wie erwartet die Leitzinsen nicht angerührt und hält auch an ihrem Anleihekaufprogramm im Umfang von 120 Milliarden Dollar im Monat fest. Das gab sie nach ihrer zweitägigen Junisitzung bekannt. Damit bleiben die Leitzinsen für Übernachtausleihungen zwischen Banken wie schon seit März 2020 in der Bandbreite zwischen 0 und 0,25 Prozent. Spekulationen, dass die Fed wegen höherer Inflation in den Vereinigten Staaten ein Kehrtwende in der Geldpolitik vorbereiten könnte, haben sich nicht bestätigt. Der von der Fed präferierte Inflationsindikator PCE liegt bei 4,8 Prozent annualisiert.

Die Fed bleibt trotz dieser Entwicklung bei ihrer Einschätzung und ihrer Wortwahl, der zufolge die Faktoren hinter der Geldentwertung vorübergehend seien. Das wird auch mit Blick auf die sogenannten Projektionen deutlich, in denen die Zentralbanker ihre Prognosen zu Arbeitsmarkt, Wachstum, Preisen und Leitzinsen zu Protokoll geben. Demzufolge erwarten die Notenbanker keine Leitzinserhöhungen in diesem und im kommenden Jahr, allerdings zwei Zinsanhebungen im Jahr 2023.

Wirtschaft wächst so schnell wie seit Dekaden nicht mehr

Das ist eine Revision der März-Prognose in der selbst für 2023 noch eine ruhige Hand prophezeit worden war. Geändert gegenüber der März-Projektion haben sich auch die Inflationserwartungen: Der PCE erreicht der Prognose zufolge dieses Jahr 3 Prozent, um danach in beiden Folgejahren ohne Straffung der Geldpolitik auf 2,1 Prozent zurückzufallen. Das setzt für den Rest dieses Jahres allerdings zum Teil Preissenkungen wichtiger Produktgruppen voraus.

Fed-Chef Jerome Powell sieht im Einklang mit seinen Kollegen im Gouverneursrat wenig Hinweise, dass die Inflationserwartungen aus ihrer Verankerung springen könnten. Er wies darauf hin, dass aktuelle Preissprünge auf Sonderfaktoren zurückzuführen seien, die sich bereits verflüchtigten: Die dramatisch gestiegenen Holzpreise geben bereits deutlich nach. Für Gebrauchtwagen, die eine wichtige Rolle in der jüngsten Inflationsentwicklung spielten, erwartet er das Gleiche.

Die Fed-Banker erwarten jetzt für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 7 Prozent statt 6,5 Prozent. Laut Fed-Chef Powell wächst die Wirtschaft so schnell wie seit Dekaden nicht mehr. Das hat Konsequenzen für den amerikanischen Arbeitsmarkt. „Wir sind ganz klar auf dem Pfad zu einem sehr starken Arbeitsmarkt“, betonte Powell. Er machte damit deutlich, dass die zuletzt enttäuschend ausfallende Entwicklung Faktoren geschuldet ist, die von vorübergehender Natur seien.

Im Moment gewähren Bundesregierung und Bundesstaaten rund 15 Millionen Arbeitnehmern eine Arbeitslosenstütze, die für viele im Herbst ende. Sie dürften sich dadurch ermutigt fühlen, wieder eine Stelle zu suchen. Laut Powell bleiben immer noch viele Leute aus Angst vor Ansteckung zu Hause oder weil sie keine Kinderbetreuung haben. Mit den Impffortschritten und der Öffnung von Schulen und Kindergärten verschwinde das Problem. Nach den Fed-Projektionen geht die Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent 2021 auf 3,8 im kommenden und 3,5 Prozent im Jahr 2023 zurück.

Powell vermied Hinweise, von wann an die stark wachsende Wirtschaft eine Kehrtwende in der Geldpolitik für geboten erscheinen lasse. Man wolle in einer der kommenden Sitzungen darüber sprechen. Um zu entscheiden, wann und ob vor allem das Anleihekaufprogramm verkleinert werden soll, seien mehr Daten nötig. Powell versprach, die Märkte nicht unvorbereitet mit einer solchen Entscheidung zu konfrontieren. Wenn das Programm reduziert werde, dann so, dass Finanzkonditionen weiter locker blieben und nur dann, wenn die Wirtschaft brumme. Powell macht damit klar, dass er mit aller Macht ein „Taper Tantrum“ vermeiden will, das Vorvorgänger Ben Bernanke provoziert hatte.

Quelle: FAZ.NET
Winand von Petersdorff-Campen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitun
Winand von Petersdorff-Campen
Wirtschaftskorrespondent in Washington.
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