Notenbanken

Trotz Impfstoff gibt die Fed keine Entwarnung

01.12.2020
, 12:23
Notenbankchef Jerome Powell erwartet für die Vereinigten Staaten einen harten Corona-Winter. Entscheidend wird die Immunisierung der Bevölkerung sein.

Trotz positiver Nachrichten von der Impf-Front stehen den Vereinigten Staaten im Kampf gegen das Corona-Virus laut Notenbankchef Jerome Powell harte Wintermonate bevor. Angesichts der sich verschärfenden Corona-Pandemie gelte es nun zunächst eine Durststrecke und einige „herausfordernde“ Monate zu überstehen, sagte Powell laut der vorab veröffentlichten Stellungnahme für eine Anhörung im amerikanischen Kongress am Dienstagnachmittag um 16.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Der Anstieg der Fallzahlen in den Vereinigten Staaten und im Ausland sei besorgniserregend. Mit Blick auf eine Impfkampagne gelte es, noch Hürden zu überwinden - etwa bei der Produktion und der Verteilung. Das Schicksal der Konjunktur hänge davon ab, wie erfolgreich eine Immunisierung der Bevölkerung verlaufen werde. An den Finanzmärkten werden noch in diesem Monat Signale von der Fed erwartet, wie ein noch laxerer geldpolitischer Kurs ausgestaltet werden könnte, um der Wirtschaft die nötige Überbrückungshilfe zu leisten.

Auf ihrer jüngsten Zinssitzung hatten die Währungshüter über ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm breit diskutiert. Wie aus den Protokollen hervorgeht, wurde über mehrere Optionen debattiert, wie es im Sinne einer lockereren Geldpolitik erweitert werden könnte. Derzeit erwirbt die Fed Monat für Monat Wertpapiere im Volumen von mindestens 120 Milliarden Dollar. Die Fed erwägt auch deshalb wieder als Krisenhelfer für die Wirtschaft einzuspringen, da sich Hoffnungen auf baldige
Stützungsmaßnahmen der Politik offenbar zerschlagen haben.

Finanzminister Mnuchin entzieht Unterstützung

Zwar steht mit der früheren Notenbankchefin Janet Yellen eine künftige Finanzministerin in den Startlöchern, die auf einer Wellenlänge mit der Fed liegen dürfte. Nicht so der scheidende Finanzminister Steven Mnuchin, der kürzlich mehreren groß angelegten Fed-Programmen im Umfang von insgesamt 455 Milliarden Dollar die Unterstützung entzogen hatte. Er konstatierte in seiner ebenfalls vorab veröffentlichten Stellungnahme für den Kongress, die Wirtschaft habe "bemerkenswerte Fortschritte" nach dem Corona-bedingten Konjunktureinbruch gemacht.

Nun sollten weitere staatliche Hilfen nicht mit der Gießkanne, sondern gezielt
vergeben werden - etwa an Arbeiter, und kleine Firmen, die „weiter kämpfen“ müssten. Die Entscheidung Mnuchins, einigen Notfallprogrammen seine Unterstützung zu entziehen, war innerhalb der Fed auf Kritik gestoßen. Die Programme hätten noch für einige Zeit Rückhalt geben können, sagte der Chef der regionalen Chicago Federal Reserve Bank, Charles Evans, jüngst zu der Entscheidung.

Die Fed hat ihrerseits unterdessen bereits einige nicht von diesem Streit betroffene wichtige Notfall-Programme zur Geldversorgung der Wirtschaft verlängert. Dazu zählt
unter anderem das Aufkaufprogramm für kurzfristige Firmenanleihen (Commercial Paper Liquidity Facility), mit dem der Kreditfluss an Unternehmen gestützt werden soll. Die Fed erwartet, dass es erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 zu einer durchgreifenden Konjunkturwende kommen wird.

Der Chef des Zentralbankbezirks Dallas, Robert Kaplan, geht daher davon aus, dass den Vereinigten Staaten sogar drei bis sechs „sehr schwierige Monate“ bevorstehen könnten. Auch wenn die Wirtschaft möglicherweise auf Wachstumskurs bleiben sollte, sehe es doch bei der Corona-Infektionslage nicht nach einer Entspannung aus. „Daher rüsten wir uns hier“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Zugleich ließ er offen, ob die Fed schon auf ihrer Zinssitzung Mitte Dezember den Märkten eine Orientierungslinie für einen womöglich noch laxeren geldpolitischen Kurs geben werde: Er sei offen dafür - sei es im Dezember oder auch später.

Quelle: Reuters/faz.net
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