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Konzernsitze wackeln

Verlässt Shell die Niederlande?

Von Klaus Max Smolka
Aktualisiert am 13.07.2020
 - 17:44
Nach Unilever spielt auch Shell mit dem Gedanken eines Abzugs aus den Niederlanden.
Unilever kehrt dem Land den Rücken – jetzt spielt auch der Ölkonzern mit dem Gedanken. Ein Grund dafür ist die Steuerpolitik.

Verlässt etwa auch noch Shell die Niederlande? Vorstandsvorsitzender Ben van Beurden spielte Anfang des Monats mit dem Gedanken und sprach in einem Interview von einer „Option“, den niederländischen Teil des Doppelsitzes aufzugeben. Konkrete Pläne gebe es nicht, aber: „Nichts ist dauerhaft, und natürlich schauen wir auf das Standortklima.“

Droht da der nächste standortpolitische Eklat? Der Ölkonzern ist das zweite niederländisch-britische Großunternehmen im Land neben Unilever. Dieser Konsumgüterriese mit 52 Milliarden Euro Jahresumsatz will seinen Sitz in Rotterdam wegfallen lassen und in Zukunft nur noch auf London setzen. Vor gut neunzig Jahren entstand das Unternehmen aus dem Zusammenschluss der niederländischen Margarine Unie mit der britischen Lever Brothers – und überlebte bisher als echtes binationales Konstrukt: mit zwei Aktiengesellschaften, einer niederländischen N.V. und einer britischen plc. Die Marktkapitalisierungen an den Börsen Amsterdam und London zeigen ein leichtes Übergewicht (55Prozent) der niederländischen N.V.

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Doch auf die N.V.-Aktien fällt in den Niederlanden eine Dividendensteuer an, auf plc-Aktien in England nicht – ein entscheidender Unterschied aus Investorensicht – auch wenn manche einen Ausnahmestatus genießen oder sich die Steuer erstatten lassen können. Unilever beschloss, seinen Konzernsitz zu vereinheitlichen; die Frage war, wo. Auf intensives Lobbyieren kündigte die Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte extra an, die Dividendensteuer abzuschaffen – um Unilever im Land zu halten. Das gelang zunächst, aber dann meuterten britische Investoren. Und das Unternehmen entschied sich am Ende doch für London statt Rotterdam.

Politik macht Konzernen Zugeständnisse

Rutte erntete einigen Spott von jenen Kritikern, welche die Wirtschaft als zu sehr umschmeichelt sehen und als zu sehr steuerpolitisch bevorzugt. Von der anderen Seite erhöht nun Shell den Druck. Und das könnte noch eine interessante Debatte werden, zumal im kommenden März die Wahl zur Zweiten Kammer des Parlaments bevorsteht. Unilever und Shell sind die traditionellen Schwergewichte im 25 Mitglieder starken Leitindex AEX, mit zuletzt jeweils etwa 11,5 Prozent. Erst seit einiger Zeit befindet sich vor ihnen noch der Chipmaschinenhersteller ASML, der aufgrund seines ungewöhnlichen Kursanstiegs an die Spitze gerückt ist. Unilever soll nach den aktuellen Konzernplänen an der Amsterdamer Börse – die Teil des Verbunds Euronext ist – notiert bleiben. Aber natürlich gilt auch hier: Nichts ist an sich von Dauer.

Interessant ist momentan auch, was im Einzelhandelssegment geschieht. Hier erwägt der Großkonzern Ahold, der vor vier Jahren mit der Übernahme des belgischen Konkurrenten Delhaize Aufsehen erregte, offenbar eine abermalige Übernahme, dieses Mal im eigenen Land. Er soll ein Auge auf die Warenhauskette Hema geworfen haben, die mit ihrem Produktangebot so etwas wie ein edlerer Woolworth plus mit begrenzter Lebensmittelabteilung ist. Das Unternehmen gehört praktisch zum Kulturerbe, wie schon der Originalname hinter dem Akronym suggeriert: Hollandse Eenheidsprijzen Maatschappij Amsterdam – Holländische Einheitspreisgesellschaft Amsterdam. Im Jahr 1926 eröffnete die erste Filiale, als Warenhäuser noch eher eine schicke Klientel bedienten.

Einzelhändler rangeln um Kaufhaus Hema

Auch in Deutschland ist Hema präsent, in wenigen Städten und überwiegend im Westen. Kreditgeber übernahmen kürzlich an Hema die Kontrolle vom bisherigen privaten Eigner und wollen das Unternehmen nun weiterreichen. Ahold – Eigner der in den Niederlanden allgegenwärtigen Lebensmittelkette Albert Heijn – scheint zu den Interessenten zu gehören. Offenbar will man vor allem verhindern, dass Hema an den großen Konkurrenten Jumbo fällt. Ahold-Aktien sackten zu Beginn der Corona-Krise zwar parallel zum Gesamtmarkt im Kurs ab, liegen aber inzwischen über dem Niveau von vor der Krise. Ein Papier aus dem Nebenwertsegment AScX hat das noch nicht ganz geschafft, das aber dennoch von einer Sonderkonjunktur profitiert: die Aktie des Fahrradanbieters Accell, der sich einer äußerst hohen Nachfrage nach Zweirädern erfreut. Den Kursgipfel vor der Krise muss dessen Aktie noch erklimmen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Smolka, Klaus Max
Klaus Max Smolka
Redakteur in der Wirtschaft.
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