Vermögensberater Volker Looman

„Die meisten wissen gar nicht, dass sie Millionäre sind“

Von Gustav Theile
27.09.2019
, 15:27
Eigentlich berät Volker Looman wohlhabende Menschen im Umgang mit ihrem Vermögen. Häufig genug sei er aber auch Paarberater und Seelsorger, sagt er auf dem F.A.Z.-Kongress.

Immer montags freut sich die ganze Wirtschaftsredaktion der F.A.Z. darauf, was sich Volker Looman diesmal wieder ausgedacht hat für seine Kolumne. Es geht darin meistens um kleine Millionäre und große Streitereien zwischen Ehepartnern und mancher in der Redaktion fragt sich angesichts der Summen, ob er wirklich den richtigen Job ausgewählt hat.

Doch nicht nur die Redaktion hat Freude an den Looman-Texten. Das zeigen die Klickzahlen auf der Webseite. Das zeigt auch die Resonanz auf dem F.A.Z.-Kongress in Frankfurt am Donnerstag. Der Saal ist gut gefüllt, die Leute sind sichtlich unterhalten, wenn er von seiner Arbeit berichtet. Interviewt wird er von der Leiterin des F.A.Z.-Finanzressorts Inken Schönauer.

Looman erzählt von einem Arzt, einem Zahnarzt, wie so häufig in seinen Kolumnen. „Ich weiß nicht, wie viel ich habe“, habe dieser ihm am Anfang gestanden. Daraufhin hätten sie in 15 Minuten eine Vermögensbilanz erstellt. Er zählt die wichtigsten Posten auf: Bargeld, Aktien, Anleihen, Immobilien, Altersvorsorge. Looman rechnet laut vor, zinst die Altersvorsorge ab, am Ende kommt er auf 3,5 Millionen Euro. 90 Prozent der Deutschen hätten keinen Überblick über ihren Wohlstand. „Die meisten wissen gar nicht, dass sie Millionäre sind“, schlussfolgert er.

Lauscht man Looman, liest man seine Texte, ist man sich nie ganz sicher, wie konstruiert seine Beispiele sind. Allzu ähnlich sind sie, allzu stereotyp ist der Zahnarzt, der Millionär ist, ohne es zu wissen. Doch Looman beteuert, es gebe all diese Fälle wirklich. Er verfremde sie nur ein wenig: „Ich ändere den Beruf und mache aus einem Münchner einen Ostfriesen“, sagt er.

Gibt es ein Recht auf Zinsen?

Eigentlich haben Finanzthemen den Ruf, eher trocken zu sein. Doch Looman schafft es, sie nahbar und unterhaltsam zu machen. Doch manchmal wird es auch ernst. Zum Beispiel als er gleich zu Anfang erzählt, was ihn getrieben habe, Vermögensberater zu werden. Seine Mutter habe immer gejammert, weil die einst wohlhabende Familie ihren Wohlstand verloren hätten. „Als ich ein Jahr alt war, sind wir aus Dresden geflohen“, sagt er. „Wir wurden dort enteignet“. Das sei ein Trauma seiner Familie gewesen, doch dennoch sei Geld ein Tabuthema geblieben. Davon halte er wenig, man solle über Geld reden.

Ernster ist es auch, wenn er dem Publikum rät, die Niedrigzinsen zu akzeptieren. „Wo steht denn geschrieben, dass wir ein Recht auf Zinsen haben?“, fragt er rhetorisch in den Raum. Oder wenn er über große Vermögensberatungen wie MLP oder die Deutsche Vermögensberatung und deren Geschäftsmodell spricht: „Ich bin bei Beratungen auf Provisionsbasis skeptisch.“ Er arbeite deshalb nur auf Honorarbasis. Sonst seien der Berater und der Kunde nicht im gleichen Lager. Auch von anderen Vermögensberatern hält er wenig: „Meine besten Kundenlieferanten sind die Berater der Deutschen Bank“, scherzt er in Richtung Christan Sewing, der einige Minuten vor ihm auf dem F.A.Z.-Kongress gesprochen hatte.

Und die Berater der Sparkassen legten den Fokus falsch, vor allem bei Berufseinsteigern: „Es geht nicht um die Rente“, schimpft er. Entscheidend sei, Vermögen aufzubauen. Kredite für Investments lehnt er ab. Auch die Zinsen seien nicht wichtig. „Die Sparrate zählt“, sagt. Berufseinsteiger sollten fünf bis sechs Jahre sparen, bis sie genug Geld hätten, beispielsweise für ein Eigenheim. „Sie dürfen das Geld halt nicht für Partys verjuxen“, rät er. „Bis Mitte, Ende 40 muss das Eigenheim aber schuldenfrei sein“. Denn eigentlich sei auch das nur Wohnen auf Zeit. „Mit Mitte 60 trennen sich die meisten dann doch wieder vom Eigenheim“, weil die Kinder aus dem Haus seien und sie denen hinterherzögen. Häuser seien also ein Gebrauchsgegenstand.

Ferienwohnungen sind Unsinn

Wenn man dann aber doch in Immobilien investiere, sollte man sich gut überlegen, wie und wo man das tut, findet Looman. Ferienwohnungen seien Unsinn: „Dann müssen sie 20 Jahre lang im Sommer und Herbst am gleichen Ort wandern gehen.“

Stattdessen rät er seinen Kunden: „In Passau, Ingolstadt und Rosenheim kosten Wohnungen 20 bis 25 Jahresmieten.“ Das sei sinnvoll, es gebe aber auch Regionen, wo man Immobilien kaum wieder loswürde, im Südharz zum Beispiel. In München zahle man dagegen 60 Jahresmieten, kleinere Städte seien also die bessere Wahl.

Das hat er auch einem Münchner Ärzteehepaar empfohlen, erzählt Looman den nächsten Schwank. Nach einem Klinikverkauf habe der Mann 15 Millionen Euro an Vermögen angehäuft. 10 Millionen habe er auf sein Anraten in passive Indexfonds, also ETFs, investiert. Die gäben 5 bis 6 Prozent Zinsen. Die verbleibenden 5 Millionen haben sie Wohnungen investiert, aber eben nicht in München, sondern anderswo in Bayern. Damit erreiche man etwa 4 Prozent Zinsen.

Ganz einfach sei die Beratung allerdings nicht gewesen. Denn er berate Paare nur, wenn beide Partner am Tisch säßen. „In 95 Prozent der Fälle haben Frauen das Sagen“, sagt er und bringt den Saal zum Lachen. Bei dem Münchner Paar habe es aber gewaltig geknirscht: „Die Frau hat gesagt, achten Sie auf die Wortwahl: ‚Wegen dem da drüben habe ich meinen Facharzt nicht gemacht. ‘“Die Frau beschwerte sich weiter, sagt Looman, sie hätte sich um die Kinder gekümmert und das Haus gebaut. Irgendwann habe er sie gefragt: „Sie sagen die ganze Zeit: ‚Der da drüben‘. Lieben Sie diesen Mann eigentlich?“ ‚Ja, schon‘, habe die Frau wenig überzeugend geantwortet. Aber sie komme sich vor wie eine ‚Arme Kirchenmaus‘. Und irgendwann renne der Mann dann doch einer Jüngeren hinterher, das sei doch immer so.

Die Lösung sei ein Vermögensausgleich, den die beiden jetzt machten. „Der Mann gibt ein paar Millionen ab“, sagt Looman. Er erlebe das häufig, dass die Frauen überfordert und unglücklich seien: „Perfekte Mutter, Ehefrau, Ärztin oder Anwältin“, das würden die meisten nicht schaffen. Darum rate er allen Frauen: ‚Gehen Sie arbeiten, nicht Teilzeit, sondern Vollzeit!‘ Eigentlich müsse er das Schild an seinem Büro ändern, schlussfolgert Looman. Ich biete „Seelsorge in Vermögensfragen“ an. Manchmal rate er den Leuten deshalb auch, ihr Geld einfach auszugeben. „Warum muss man denn mit 2 bis 3 Millionen ins Grab gehen?“

Hört man dem Berater zu, hat man schnell das Gefühl, dass das mit dem Vermögensaufbau ganz einfach ist: Viel Geld verdienen, keine Kredite aufnehmen, in ETFs investieren. Looman selbst scheint es so zu machen.

Dass das Leben nicht immer ganz so klar und einfach ist, hat er aber bei seinen vier Kindern erlebt: Zunächst hätten die sich an seinen Ideen orientiert. Doch dann seien die Partner ins Spiel gekommen. Und das werde schnell gefährlich für das Vermögen. „So viel wie mit einem falschen Ehepartner können sie mit Aktien gar nicht vernichten“, sagt er und wieder lacht das Publikum. „Da kommen mir Zweifel, dass das meine Kinder sind.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Theile, Gustav
Gustav Theile
Redakteur in der Wirtschaft.
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