Warenterminhandel

Von Schweinebäuchen und Sojakontrakten

09.06.2001
, 11:00
Rohstoff-Futures: Nur für hartgesottene Spieler
Warenterminhandel: Für viele ein exotischer Teil des Wirtschaftsgeschehens. Und ein hochspekulativer obendrein.

Kakao, Weizen, Kupfer, Rohkaffee, Palmöl oder Schweinebäuche: All dies und noch mehr kann man an den Warenterminbörsen der Welt handeln. In Deutschland gibt es erst wieder seit April 1998 eine solche, nämlich die WTB in Hannover. Erst Mitte der neunziger Jahre wurde hierzulande der Warenterminhandel wieder erlaubt. Hundert Jahre zuvor hatte die kaiserliche Verwaltung dieses Geschäft wegen seiner spekulativen Auswüchse verboten.

Verfolgt man zum Beispiel die Preisschwankungen für Schweinefutures auf dem Höhepunkt der BSE- und MKS-Krise, fühlt man sich tatsächlich an ein Casino erinnert. Da vergisst man leicht, dass die Idee des Warentermingeschäfts eine höchst konservative ist: Es geht um nichts anderes, als sich vor den Preisschwankungen an den Weltmärkten zu schützen.

Zwei Parteien: Produzenten und Verarbeiter

Das gilt für beide Parteien des Warenterminhandels, nämlich die Produzenten und die Verarbeiter von Rohstoffen. Die Terminbörse ermöglicht ihnen, sich heute einen Preis für das Produkt zu sichern, das sie in Zukunft kaufen oder verkaufen wollen. Beispielsweise erhalten Bauern mit dem Terminverkauf von Weizen Planungssicherheit für den Erlös ihrer Ernte, während auf der anderen Seite Großbäcker ihre Rohstoffkosten genau planen können.

Dabei geht es fast immer, bei Weizen in über 99 Prozent der Fälle, um die rein finanzielle Absicherung des Preisrisikos. Das heißt, die Kontrakte werden fast nie bis zur Fälligkeit gehalten, sondern die entstandene Preisdifferenz vorher ausgeglichen.

Prinzip wie bei Wertpapier-Terminkontrakten

Beim Abschluss wird nur ein Bruchteil (meist um zehn Prozent) des tatsächlichen Kontraktwerts gezahlt, der so genannte Einschuss. Dieses Prinzip wurde auch den (viel jüngeren) Wertpapier-Terminkontrakten zu Grunde gelegt. Schwankt der Warenpreis, gewinnt oder verliert der abgeschlossene Vertrag an Wert. Das sorgt für eine entsprechende Hebelwirkung des eingesetzten Kapitals.

Und da kommt der dritte Terminhändler ins Spiel, nämlich der Spekulant. Erst die Spekulanten übrigens sorgen oft für die notwendige Liquidität im Termingeschäft. Diese haben natürlich kein Interesse an den zugrunde liegenden Rohstoffen, sondern am Hebeleffekt. Und sie müssen mit den ungeheuren Risiken leben. Denn mit dem ursprünglichen Einschuss ist es nicht getan, wenn der Kontrakt aus dem Ruder läuft. Wird die Differenz zum Terminpreis zu groß, muss der Kontrakt ausgeglichen oder ein entsprechender Sicherheitsbetrag nachgeschossen werden.

Wegen der vielen Unwägbarkeiten an den Rohstoffmärkten gilt daher: Schneller als an der Warenterminbörse kann sich ein Spieler eigentlich nur im Casino ruinieren.

Quelle: @la
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot