Aktienmarkt Vietnam

Auch der Markt am Mekong lässt kräftig Federn

Von Christoph Hein
06.07.2022
, 15:08
Früher Morgen auf dem Mekong: mit Geduld und Vertrauen wird sich der Einstieg in die vietnamesischen Märkte lohnen.
Das Land wächst rasant, profitiert von der China-Krise und kann sich vor Investitionen kaum retten. Die Börsen aber spiegeln das nicht wider. Der Einstieg könnte sich langfristig lohnen.
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Das Geschäft in Vietnam geht weiter. Zu merken ist von einem Wegschmelzen der Börse in diesem Wachstumsmarkt wenig. Im Gegenteil: Der wichtigste Milliardär des Landes, Vingroup-Gründer Pham Nhat Vuong, fährt in diesen Stunden alles auf, was er in seinem Konzern zu bieten hat, um gute Nachrichten in die Welt zu blasen: In Europa sucht sein Automobilhersteller Vinfast einen Produktionsstandort, und Deutschland liege bei der Wahl – trotz des fortschreitenden Desasters von Tesla in Grünheide – weit vorn. Im amerikanischen North Carolina ist der Bau einer Fabrik für fast 7 Milliarden Dollar beschlossen. So sollen die Elektroautos vom Mekong mit Starthilfe der Partner BMW und Bosch rund um die Erde ein Begriff werden.

Dabei ist selbst bei Vingroup derzeit nicht alles Gold, was glänzt. Den für diesen Sommer geplanten Börsengang an der Wall Street sagten die Vietnamesen „wegen der Marktlage“ vorsichtshalber ab. Und im vergangenen Jahr soll der Verlust in der Industriegruppe, zu der der Automobilbau zählt, fast 1 Milliarde Dollar betragen haben. Bremsen aber kann das Vuong bislang nicht; er steuert um, wechselt über Nacht auf die Produktion von nur noch Elektroautos. Ähnlich wie ihm geht es dem Land: Es zeigt sich zäh, anpassungsfähig. Ein Vierteljahrhundert nachdem die asiatische Finanzkrise mit der Freigabe des Wechelkurses des thailändischen Baht am 2. Juli 1997 ihren verhängnisvollen Lauf genommen hatte, ist Vietnam der Liebling der Manager. Das Land kann sich vor Investitionsanträgen kaum retten – auch weil es vergleichsweise gut durch die Corona-Pandemie gekommen ist. „In den vergangenen fünf Jahren haben die hier eine Rakete gezündet“, sagt Alexander Götz. Der 33-Jährige führt Fischer Asia, einen Hersteller von Metallstanzteilen in Ho-Chi-Minh-Stadt. „Die Europäer müssen sich beeilen, sonst ist alles voll.“ Vietnam, so erscheint es vielen hier, ist das bessere, billigere China. Sie verlagern nicht; aber wenn in Asien erweitert wird, ist Vietnam erste Wahl.

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Optimismus überall – nur an der Börse nicht

Im Aktienmarkt spiegelt sich die gute Stimmung nicht. Der VN30-Index hat seit Jahresbeginn 20,07 Prozent nachgegeben – die Marktkapitalisierung schrumpfte um 53 Milliarden Dollar. Der engere HNX-Index aus der Hauptstadt Hanoi büßte gar 41 Prozent ein. Auch die Aktie der Vingroup blieb nicht verschont: Sie gab um fast 23 Prozent nach, ihre Immobiliengesellschaft Vinhomes verlor 22 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien im Index liegt nun bei 12,9, 25 Prozent tiefer als auf seinem höchsten Stand in den vergangenen sechs Monaten. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahr lag der Wert bei 15, in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres bei 19,2. Dabei heißt es bei den Händlern, der Rückgang des engen Marktes hänge vor allem mit einer kritischen Sicht ausländischer Investoren zusammen: Die nämlich verkaufen auch die führenden 30 vietnamesischen Titel, wenn sie ihre Anlagen in Schwellenländern oder in Asien insgesamt abbauen. Zudem strahlen Probleme Chinas auf den kleinen Nachbarn ab: Könnte die Immobilienkrise dort nicht auf den anderen kommunistischen Markt abfärben? Bekommt der Großinvestor Samsung aus Südkorea noch genügend Bauteile aus China? Und werden Kaufkraft und Industrie im Westen bald so stark leiden, dass auch die Nachfrage in Vietnam schmelzen könnte?

Noch ist davon nichts zu spüren – Optimismus überall. Nguyen Chi Dung, Minister für Planung und Investitionen, schraubte die Erwartung für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gerade von 6 bis 6,5 Prozent auf 7 Prozent herauf. Das dritte Quartal solle um 9 Prozent zulegen, dann sei der Zielwert zu erreichen. Dafür allerdings müssten die Banken anders handeln als im Rest der Welt, sagte Dung: „Die Kreditinstitute müssen die Zinsen weiter senken, um die Kosten der Firmen und der Gesamtwirtschaft zu drücken“, forderte er. Im vergangenen Corona-Jahr betrug die Wachstumsrate nur noch 2,58 Prozent.

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Anleger sollten vertrauen und geduldig sein

Obwohl allein seine Dachgesellschaft Vingroup fast 4 Milliarden Wert an der Börse verloren hat, übt sich Vuong weiter in Optimismus. Den stützen auch die Analysten: „Das langfristige Wachstum wird durch Auslandsinvestitionen gestützt. Vietnam hat einen wachsenden amerikanischen Anteil von China übernommen. Es profitiert davon, dass Konzerne ihre Lieferketten strategisch diversifizieren“, sagt Chua Han Teng von der Singapurer Bank DBS. Vielleicht sollten Anleger das Verhalten kopieren: Vertrauen in einen Wiederaufschwung, getrieben auch von ausländischen Investoren. Er mag sich hinziehen. Aber die Zahl der Investitionsanträge spricht von Hoffnung auf den Markt am Mekong.

Quelle: F.A.Z.
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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