Internationale Notenbanken

US-amerikanische Fed bereitet den Weg

Von F.A.Z-Korrespondenten
15.10.2021
, 09:23
New Yorker Börse
In den USA mehren sich die Zeichen, dass die Notenbank ihr Anleihekaufprogramm beendet. Auch in Großbritannien und Singapur gibt es fiskalpolitische Veränderungen. Ein Überblick über die Lage an den internationalen Notenbanken.
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Die Zeichen verdichten sich, dass die Federal Reserve schon im November beginnt, die Anleihekäufe im Rahmen des „Quantitative Easing“-Programms zurückzufahren. Entsprechende Hinweise gehen nicht nur aus den Protokollen der jüngsten geldpolitischen Beratungen des maßgeblichen Offenmarktausschusses der Fed hervor, sondern auch aus den jüngeren Reden der Zentralbanker Richard Clarida und Michelle Bowman. Die Federal Reserve erwirbt seit Mitte März 2020 Monat für Monat Schatzbriefe der Bundesregierung und Hypothekenanleihen, die von staatlich gestützten Agenturen begeben werden, im Gesamtumfang von 120 Milliarden Dollar im Schnitt.

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Die Zentralbanker sind sich einig, dass die Wirtschaft „substanziellen weiteren Fortschritt“ gemacht hat im Hinblick auf Preisstabilität und Beschäftigung. Damit ist das von der Fed selbst gesetzte Kriterium erfüllt, von dem an das Kaufprogramm reduziert werden soll. „Vorausgesetzt die Konjunktur verbessert sich so weiter, wie ich erwarte, dann bin ich sehr einverstanden mit der Entscheidung, die Anleihekäufe noch vor Jahresende zurückzufahren, vorzugsweise noch im November“, sagte Bowman. Sie fürchtet, dass die Kosten einer Fortsetzung des Kaufprogramms die Bewertungen im Immobilienmarkt und an den Aktienmärkten befeuern könnte und dass eine Fortsetzung der extrem lockeren Geldpolitik die Stabilität der Inflationserwartungen gefährden könnte.

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Etwas zurückhaltender hatte sich zuvor Clarida geäußert, der das Ohr des Fed-Chefs Jerome Powell besitzt: Er nannte keinen Monat für die Trendwende und beschränkte sich auf den Hinweis, eine Eindämmung des Programms könnte „bald“ gerechtfertigt sein. Einig sind sich die Zentralbanker, dass das Kaufprogramm bis Mitte des kommenden Jahres eingestellt werden könnte, wenn sich Amerikas Wirtschaft weiter so entwickelt wie erwartet. Die Reduzierung soll in Monatsschritten im Umfang von 15 Milliarden Dollar, verteilt auf beide Wertpapierklassen, erfolgen, geht aus dem Protokoll der Septembersitzung der Fed hervor. Einige Zentralbanker zeigten sich offen für eine schnellere Reduzierung.

„Die US Fed hat ihren Schwenk so gut vorbereitet und kommuniziert, dass er die Märkte nicht mehr allzu sehr überrascht. Wir erwarten deshalb keine so ausgeprägte Reaktion von Wechselkurs und Anleiherenditen, dass dies die EZB unter Druck setzen könnte“, sagte Holger Schmieding, der Chefsvolkswirt von Berenberg. Verbraucherpreis- und Lohninflation seien in der Eurozone weit geringer als in den USA. Auch die Fiskalpolitik sei weit weniger expansiv. Allerdings wird sich auch die EZB dem allgemeinen Trend nicht entziehen können.

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Wie gestaltet es sich in Großbritannien und Singapur?

In Großbritannien wird unterdessen eine Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr wahrscheinlich. Analysten und Investoren an den Märkten gehen inzwischen mehrheitlich davon aus, dass die Notenbank im Dezember den Leitzins anhebt, der zu Beginn der Corona-Krise auf 0,1 Prozent gesenkt wurde. Angesichts der steil steigenden Inflationsrate gehen die Märkte von einer Straffung der Geldpolitik aus. Mehrheitlich wird nun ein Zinsschritt auf 0,25 Prozent im Dezember erwartet, dem nächstes Jahr weitere Zinsschritte folgen.

Michael Saunders, ein bekanntes Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der Bank of England (BoE), sagte kürzlich in einem Interview: „Ich denke, es ist angemessen, dass die Märkte sich bewegen und einen signifikant früheren Straffungspfad einpreisen als zuvor.“ Saunders hatte im Sommer für ein früheres Ende der Anleihekäufe der BoE gestimmt, war damit aber in einer Minderheitsposition geblieben. Die Teuerungsrate in Großbritannien ist im August auf 3,2 Prozent gestiegen. Während die Prognose der Bank of England noch von einem Höhepunkt bei rund 4 Prozent ausgeht, sehen mehr und mehr Ökonomen einen Anstieg bis auf 5 Prozent Anfang nächsten Jahres für wahrscheinlich an. Die Gegenmeinung zu Saunders vertritt die Ökonomin Silvana Tenreyro. Eine Zinserhöhung könnte kontraproduktiv sein, warnte Tenreyro am Donnerstag, die zu den „Tauben“ im BoE-Geldpolitikkomitee zählt.

Die Notenbank des südostasiatischen Finanzplatzes Singapur hat erstmals seit drei Jahren die Geldpolitik gestrafft. Sie folgt damit Ländern wie Neuseeland und Südkorea, die beide den Leitzins um jeweils 25 Basispunkte angehoben hatten. Dahinter steht vor allem die Sorge vor einer zunehmenden Teuerung, während der Stadtstaat sich rasch für den Reiseverkehr öffnet. Derzeit liegt die Inflationsrate bei 2,4 Prozent. „Der externe und der interne Kostendruck wachsen und spiegeln sowohl die Normalisierung der Nachfrage als auch die angespannte Angebotssituation wider“, erklärte die Monetary Authority of Singapore (MAS) am Donnerstag. Sie steuert die Geldpolitik über den Wechselkurs. Der Singapore Dollar wird gegen einen – unbenannten – Korb von Währungen geführt.

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Nun haben die Notenbanker beschlossen, den Korridor des möglichen Anstiegs des Außenwertes des Singapore Dollar von null Prozent anzuheben, was zu einer leichten Aufwertung führen wird. Zuletzt hatten sie einen vergleichbaren Schritt im Oktober 2018 vorgenommen. Zeitgleich veröffentlichte der reiche Kleinstaat eine vorläufige Wachstumsrate von 6,5 Prozent im dritten Quartal. Das Ministerium für Handel und Industrie rechnet für das gesamte Jahr mit einer Erholung zwischen 6 und 7 Prozent, nachdem die Wirtschaftsleistung Singapurs im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent geschrumpft war.

Quelle: che./ppl./sibi./wvp.
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