Kupfer und Eisenerz

Industrie-Rohstoffe heiß begehrt

Von Christoph Hein, Singapur
08.05.2021
, 22:20
Chinas Hochöfen bekommen kaum genug Nachschub für die Produktion. Dabei spiegelt die starke Nachfrage nach Erzen und Kupfer die wirtschaftliche Erholung.

Während große Teile der Welt weiter unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, reiben sich die Förderer von Bodenschätzen die Hände: Aktionäre und Unternehmen profitieren von der steigenden Nachfrage nach Batterien und Kabeln, vor allem aber von der wachsenden Stahlproduktion in China. Damit wächst der Bedarf an Kupfer und Eisenerz. Dessen Preis durchbrach nun erstmals die Marke von 200 Dollar pro Tonne. Inzwischen nähert er sich dem Dreifachen des Durchschnittspreises in den fünf Jahren vor 2020. Zeitgleich stieg der Preis für die Tonne Kupfer erstmals seit Februar 2011 auf mehr als 10.000 Dollar.

Damit steigen die Erwartungen an Kursschübe für Aktien der australischen Erzkonzerne und ihre Dividende. Denn Westaustralien ist, auch aufgrund der aktuellen Probleme in Brasilien, der mit Abstand größte Lieferant für die Hochöfen in China. Der Branchendienst S&P Global Platts vermerkt für die Tonne Erz erstmals einen Preis von fast 203 Dollar, ein Plus von 5,1 Prozent binnen Wochenfrist. Der Spotmarkt notiert bei knapp 202 Dollar. Der hohe Preis liegt vor allem daran, dass China versucht, über das Ankurbeln seiner Bauindustrie die Krise hinter sich zu lassen. Die Stahlwerke kommen auf Gewinne von mehr als 150 Dollar die Tonne, was sie dazu verführt, ihre Öfen so auszulasten wie nie zuvor. So wies Weltmarktführer ArcelorMittal gerade für das erste Quartal die besten Zahlen seit einem Jahrzehnt aus.

Mehr als die Hälfte der Fördermenge der Welt von China aufgekauft

Auf der anderen Seite ist die Versorgung mit Erz weiterhin eng – Katastrophen in den Eisenerzminen Brasiliens sowie die Folgen der Corona-Pandemie dort lassen die Australier im Gegenzug profitieren. Längst ist die Rede von einem neuen „Superzyklus“ für Erz. Weil sich der politische Streit zwischen Peking und Canberra weiter aufheizt, wollen sich die Stahlhersteller zudem mit größeren Bestellungen vor einem Embargo oder zumindest drohenden Strafzöllen auf den Import absichern. „Obwohl, wie alle unsere Quellen es sehen, die Folgen für das Erzgeschäft wirklich begrenzt sein sollten, wartet der Markt auf Klarheit“, hieß es bei S&P Global Platts. Der Plan Pekings, die Stahlfertigung einzuschränken, sei auch aufgrund der wachsenden Nachfrage eines sich erholenden Europas nicht umzusetzen.

Damit wächst die Zuversicht in der Branche. Die Analysten von Fitch Solutions schraubten ihre Erwartungen für den Erzpreis in diesem Jahr gleich um ein Drittel auf nun durchschnittlich 160 Dollar je Tonne herauf. Im nächsten Jahr sollte das Preismittel dann immer noch bei 130 Dollar je Tonne liegen. Zum Vergleich: In den fünf Jahren zwischen 2016 und 2020 hatte der Durchschnittspreis für die Tonne Erz bei 78 Dollar je Tonne gelegen.

Angesichts ihrer Förderkosten um die 10 Dollar je Tonne in der Pilbara-Region schießen damit die Gewinne der australischen Rohstoffriesen BHP, Rio Tinto oder Fortescue in die Höhe. Allerdings rechnen die Fitch-Analysten mit einem Rückgang der Preise auf nur noch 75 Dollar je Tonne schon 2025 und nur noch 63 Dollar fünf Jahre später.

Kupfer, das Analysten nicht nur in Australien gerne „Dr. Copper“ nennen, weil sein Preis den Pulsschlag der Weltwirtschaft abbilde, hat seit Jahresbeginn rund ein Viertel gewonnen. Im März vor einem Jahr hatte die Tonne nur 4371 Dollar gekostet. Kurzfristig wird der Preis von einem schwächeren Dollar getrieben, der die Händler und Hersteller größere Positionen bestellen lässt.

Langfristig profitiert Kupfer, wie etwa auch Nickel, vom Ringen mit der Klimakatastrophe. China kauft mehr als die Hälfte der Fördermenge der Welt auf. Seine Nachfrage hat binnen Jahresfrist um 13 Prozent zugelegt. Chile, mit rund 5,7 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr der größte Kupferförderstaat der Erde, kämpft aber auch wegen nationaler Streiks mit Lieferproblemen. Bis 2013 hatten die Förderer zudem die heranrollende Nachfrage unterschätzt und Förderkapazitäten abgebaut – die heute auf die Schnelle einfach nicht ersetzt werden können.

Quelle: F.A.Z.
 Hein_Christoph_Autorenportraits
Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot