Wertanlage

Goldpreis kratzt an der 500-Dollar-Marke

28.11.2005
, 21:05
Gold ist so teuer wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Am Montag stieg der Preis und kratzte erstmals seit 1987 an der Marke von 500 Dollar. Euro-Anleger freuen sich 2005 über einen Wertzuwachs von 33 Prozent.

Gold ist so teuer wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Am Montag stieg der Preis für eine Feinunze - das sind rund 31,1 Gramm - auf mehr als 499 Dollar und kratzte erstmals seit 1987 an der Marke von 500 Dollar. Damit hat sich das Edelmetall zu einer der lukrativsten Anlageklassen dieses Jahres entwickelt. Seit Jahresbeginn ist der Preis um rund 14 Prozent gestiegen. Für Euro-Anleger kommt noch der Währungsgewinn hinzu, weil Gold in Dollar gehandelt wird. Macht unter dem Strich ein Plus von 33 Prozent.

Kurzfristig rechnet Wolfgang Wrzesniok vom Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus mit einem Rückschlag, aber langfristig könne es noch weiter nach oben gehen. Gold gilt traditionell als sicherer Hafen. Wenn politische Unsicherheit oder eine Geldentwertung drohen, horten viele Menschen Gold, um in der Krise mit dem wertstabilen Metall zahlungsfähig zu bleiben.

Anlage ohne laufende Verzinsung

Für diese Versicherung gegen schlechte Zeiten nehmen sie in Kauf, daß Gold eine Anlage ohne laufende Verzinsung ist. „Die wirtschaftliche Unsicherheit ist für einzelne ein Grund, Gold zu kaufen“, sagt Wrzesniok. Wichtiger noch seien aber die nachlassende Produktion - Südafrika ist zum Beispiel auf das Niveau der zwanziger Jahre zurückgefallen - und die Spekulation auf geringe Verkäufe der Zentralbanken.

Seit Jahren reichen die geförderten Mengen nicht mehr aus, um die Nachfrage aus der Industrie und dem Schmuckgewerbe zu decken. Bisher wurde diese Lücke vor allem durch die Verkäufe der Notenbanken ausgeglichen, für die es zwischen den Staaten vereinbarte Quoten gibt. Noch befinden sich diese Verkäufe auf einem Rekordniveau, aber viele Anleger spekulieren darauf, daß Deutschland und Italien ihre Quoten nicht ausschöpfen werden. Dann würden in den kommenden Jahren 1.000 bis 1.200 Tonnen weniger auf den Markt gelangen als bisher vermutet.

Zertifikate ohne große Nebenkosten

Anleger können auf verschiedenen Wegen an steigenden Goldpreisen teilhaben. Eine Möglichkeit ist der Kauf von Aktien der Minengesellschaften. So hat sich zum Beispiel der Gold- und Silber-Index (XAU) der Börse Philadelphia in den vergangenen fünf Jahren um rund 160 Prozent und seit Jahresbeginn um knapp 20 Prozent erhöht. Die größten Werte in diesem Index sind Anglo-Gold Ashanti, Barrick-Gold und Newmont Mining.

Wer direkt auf den Goldpreis setzen will, kann Zertifikate erstehen. Das sind meist von Banken begebene Schuldverschreibungen, deren Wert an den Goldpreis gekoppelt ist. Allein auf der Internetseite der Börse Stuttgart finden sich mehrere Dutzend solcher Zertifikate, die ohne große Nebenkosten zu kaufen sind. Ähnlich funktioniert auch der von Goldproduzenten initiierte Gold Bullion Fonds.

Hohe Spannen zwischen An- und Verkaufspreis

Wer Gold allerdings als reine Versicherung für düstere Zeiten braucht, wird sich mit solchen Lösungen nicht zufriedengeben. Denn in der Krise werden Gold-Schuldverschreibungen - darum handelt es sich bei Zertifikaten - wenig Wert haben. Für diese Zwecke ist physisches Gold erforderlich. Doch das ist teuer und eignet sich wegen der hohen Spannen zwischen An- und Verkaufspreis nicht für kurzfristige Spekulationen. Ein Ein-Kilo-Barren kostete bei der Dresdner Bank am Montag zum Beispiel 13.832 Euro.

Anleger, die einen Barren am Schalter verkaufen wollten, erhielten aber nur 13.354 Euro. Echte Pessimisten brauchen für die Krisenvorsorge ohnehin kleinere Stückelungen, um damit im Fall der Fälle Miete, Benzin und Brot bezahlen zu können. Für die kleineren Mengen sind die Handelsspannen noch größer. So kostet eine Krügerrand-Münze mit einem Gewicht von einer zehntel Unze 50 Euro, bringt beim Verkauf derzeit aber nur 41 Euro.

Quelle: ruh. / F.A.Z., 29.11.2005, Nr. 278 / Seite 23
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